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Der Israelit · 1892-01-07 · Heft 2 (7.1.1892) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 2 (7.1.1892)
Date
1892-01-07
Page
– (sequence 15)
Language
German
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39 lehrten Wäschern begegnen. Man wäre nun am ehesten geneigt, den interessanten Ausführungen Zunz' zu folgen, der in dud ein gleichlautendes aramäisches Wort, (Makkoth 12 a) wiedersindet, das soviel als „Weidendaum" dedeutet, und man könnte demnach in den Gesprächen der Dattelbüume und der Bachweiden, der fruchttragenden und unfruchtbaren Bäume die Psanzenfabeln wiedererkennen. Dann aber geht, wie überhaupt aus der ganzen Mittheilnng, deutlich hervor, daß cs nicht in Palästina einheimische, geistige Produkte waren, sondern bereits vollendete, auswärtige Sammlungen. R. Jochanan lebte zur Zeit der zweiten Tempelzerstörung durch die Römer, und die vielen Beziehungen, welche Judana mit auswärtigen Völkern, namentlich Rom und Griechenland, unterhielt, mögen unfern Meister, wie viele seiner Zeitgenossen dazu geführt haben, sich mit der fremdländischen Littcratur zu befassen. Doch sehen wir weiter! In späterer Zeit, in der Mitte des zweiten Jahrhunderts d. g. Z. war es besonders R. Meir, der große Schüler des großen Akiba, welcher sich, nach dem Vorbilde seines Lehrers die Fabeldichtung in hervorrader Weise angelegen sein ließ. Mit aufmerksamem Sinne scheint er erkannt zu haben, daß es nach der Vernichtung der Selbstständigkeit des Volkes und wegen der dadurch bedrohten Pflege des Gesetzesstudiums durchaus nothwendig wäre, das Volk durch die leichter faßliche und anziehende Agadah vor dem Verluste des religiösen Bewußtseins und Gvttvertrauens zu bewahren. — Sv wird uns denn im Talmud (Sanhedrin 38 b) berichtet, daß er dreihundert Fuchsfabeln gekannt, die aber im Laufe der Zeit bis ans drei wieder vergessen wurden seien.**) An derselben Stelle erfahren wir auch, daß R. Meir das Pensum seiner Vorträge in drei Theile einzutheileu pflegte und hierbei Gesetzesvorschriften, homiletische Auseinandersetzungen (Exegese) und Gleichnisse d. h. wohl auch Fabeln, vorbrächte. An diesen Vorträgen nahmen auch die vorerwähnten Wäscher Theil und waren so bisweilen in der Lage durch die Wiedergabe der in ihnen vernommenen halachischen Erörterungen bei mancher Gelegenheit Aufschluß zu geben. Es müßten demnach die Wäscher doch eine bestimmte Kategorie von Menschen und von anderem Schlage, als unsere Waschfrauen, gewesen sein. Zugleich aber wird hierdurch die eben angeführte Erklärung Zunz', so geistreich sie auch zu sein scheint, stark erschüttert, wenn sich auch die sonstige Beschränktheit der Wäscher in dem sprichwörtlich gewordenen Satze ausspricht: „Wenn der Esel auf die Leiter steigen wird, wirst Du Einsicht bei den Wäschern finden" j3). — Es war daher für mich von großem Interesse, bei meinen kunstgeschichlichen Studien griechischeu Inschriften zu begegnen, in denen gleichfalls Wäscher (nicht Wäscherinnen), wie im Hebräischen (und Phönizischen), ebenso wie Aerzte und Schauspieler neben ihren Namen auch ihre geschäftliche Thä- 12) Zu dem hier gebrauchten Ausdruck ib rn vgl- Gr ätz, Gesch. der-.Juden IV, 05 und L and berger XXIV Anm. 1. — Vez. der Zahl 300 1 bes. Landsberger XXIV ff. 13) Landsberger.XX f. nach Rabb. Nissim p"Tl ed. Sulzbach p. 104.) tigkeit namhaft machen. Wäscher aber waren für Athen, und wohl auch in gleichem Sinne in Palästina, von großer Wichtigkeit. Dabei bleibe nicht verschwiegen, daß die Wäscher nicht beständig einer einseitigen Beschäftigung oblagen, wie aus einer Talmudstelle (in Baba barhra 19a, vergl. Raschi das.) hervorgeht.") Auch von dem im nachfolgenden Geschlechte lebenden Bar Kappara, der überhaupt als Dichter viel gerühmt wird, sind uns im Talmud einige herrliche satyrische Proben erhalten; doch von seiner Fabeldichtung sind uns solche nicht ansbewahrt geblieben 16). — Kurz sei daraus hingewiesen, daß auch der in weit späterer Zeit lebende N. I osna b cn Lev i, einer der bedeutendsten Agadisten, einen wesentlichen Autheil an der uns beschäftigenden Littcratur hat. Wie weit jedoch derselbe selbstständig thätig gewesen, läßt sich nach dem talmudischen Aussprache: Mit dem Tode des N. Meir hörten die Fabeldichter auf"'') — nicht bestimmen.") (Fortsetzung folgt.) Ner^rrlromVir. Maimonides' Cominentar zum Tractat Kilajim. Zum erste« Male im arabischen Urtext herausgegeben, mit verbesserter hebräischer Uebersetzung und mit Anmerkungen versehen. Von Dr. Salomon Bamberger. Frankfurt a. M. 1891. (I. Kauffmann.) 8. Seit länger als einem Jahrzehnt sind jüdische Gelehrte an der Arbeit, den arabischen Text des maimonidischen Commentars zur Mischnah durch Veröffentlichung des arabischen Originals wieder herzustellen. Die vorliegende Arbeit eines jungen und strebsamen Gelehrten schließt sich würdig der Arbeit seiner Vorgänger an. Der Vers, fügt dem arabischen Texte, dem der Codex Ms. Dr. Qu. 566 der Koni gl. Bibliothek zu Berlin zu Grunde liegt, die Charisische Uebersetzung bei, die er jedoch nach dem vorliegenden Texte korrigirt. Daß der Verfaffer diese Korrectur durch eckige Klammer kenntlich macht, während er die dem Texte nicht entsprechenden Worte durch runde Klammer auszeich- 14) S. hierüber näher Nr. VII meiner „Miscellen aus der jüdischen Alterthumskunde" in Nr. 40 das Jüd. Lit.-Bl. 1891. Vgl. auch Back a. a. 0. Jahrg. 1876 S. 28 ff. — (Beweisend für die Bedeutung „Wäscher" in dem Worte □TD dürfte noch sein, daß für dasselbe an den bezw. Parallelstellen im Jeruschalmi das Wort steht (jer Berach. IV, 7d; Kethub. XII, 35a), das (vgl. Levy ß. a. 0. IV, 365) nichts anderes als „Walcker" bedeuten kann. 15) So bes. Wajikra rabb. 28 und den Parallelstellen. Vgl. Nedarim 51a. 16) Mischna Sota 49 a. 17) Wenn man 9t. Josua's Aussprüche betrachtet, so gewahrt man, daß auch seine dichterische Thätigkeit mehr die Aufstellung der im Midrasch überaus häufigen Gleichniffe als die eig. Fabeldichtung zum Gegenstände gehabt. Vgl, Bacher die Agada der palästinensischen Amoräer, Bd. 1, S. 170 ff. In diesem Sinne ist ja auch, wie erwähnt, die Mittheilung über Hillels agadische Thätigkeit aufzufassen; vgl. noch Bacher, Ag. d. Tann. I, 10 und Anm.^ 3. — Wann eine Sammlung der Fabeln erfolgt sei, läßt sich nicht genau bestimmen. Jedenfalls istLandsbe rger's Annahme (a. a. 0. XXII), daß die Fabeln lange vor Hillel gesammelt wurden, unhaltbar.

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