Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1892)
- Date
- 1892-01-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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20 Gemeinde, in echt jüdischer Weise gefeiert. Unser Rabbiner Herr M. Landau feierte sein 25 jähriges Jubiläum. Seitens des Gemeinde-Vorstandes wurden die Veranstaltungen zu einer würdigen Feier im Stillen getroffen. Bei derselben hielt der Jubilar eine mit ungetheiltem Beifall aufgenommene Rede. Nachdem dem Gefeierten im Laufe des Tages von sämmtlichen Gemeindemitgliedern die herzlichsten Glückwünsche dargebracht wurden, fand am Abend ein Festessen statt, an dem sich die ganze Gemeinde betheiligte. Herr Rabbiner Dr. Pleßner von Ostrowo, ein Jugendfreund unseres Rabbiners, eilte zu dem Feste herbei und verherrlichte dasselbe mit einer vorzüglichen, tief ergreifenden und formvollendeten Festrede, die den mächtigsten Eindruck hervorrief. Ferner wurde vom Jubilar ein sinnreicher Toast auf Seiner Majestät unfern Kaiser ausgebracht und eine Rede mit Bezug auf das Jubelfest gehalten, welche sich des ungeteilten Beifalls erfreuten. Der Vorsteher Herr Josef Plotke und andere Gemeindemitglieder und Gäste hielten Ansprachen, welche alle auf min nm basirten, so daß man von dieser Tafel mit Recht sagen konnte 'i nr. Schließlich wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß dem Herrn Jubilar in Anerkennung seines heilsamen Wirkens und Schaffens für die Gemeinde, werthvolle Geschenke überreicht wurden. A. R o s e n t h a l. Oe st err. -Ung ar. Monarchie. Wien. Der national-antisemitische deutsche Volksverein, der unter der Führung Schönerers steht, hatte für verflossenen Montag eine Versammlung in Hopfners Casino in Hietzing einberufen; dieses Etablissement zählt viele Offiziere zu seinen Stammgästen, welche dem Wirthe erkürten, er müsse auf ihre Kundschaft verzichten, falls er die Versammlung in seinem Saale abhalten lasse. Der Wirth verweigerte den Antisemiten die Benützung des Saales, weshalb die Versammlung in Mnnns Saal in Penzing abgehalten wurde. England. London, 2. Januar. Der „Evening Standard" bringt eine Wiener Correspondenz folgenden interessanten Inhaltes: Der wohlbekannte russische jüdische Banquier Herr M. Poliakoff, der den hohen Rang eines Staatsrathes mit dem Titel ExellenZ bekleidet, und dem kürzlich vom Ezar der Stanislaus-Orden erster Klasse werliehen ward, hatte eine Unterredung, betreff der Judenfrage, mit M. P o b y o d o n o st z e f f, dem Alles beeinflußenden Prokurator der heiligen Synode. An diesen Beamten ftelte er die Frage, ob es wahr sei, daß die jüngsten Befehle zur Vertreibung der Juden aus Rußland auf seine Jintiative erlassen wurde. Pobyodonostzeff erwiderte: „Es ist so. Ich übergab dem Czaren ein Memorandum, und das war die Ursache der Befehle, von denen Sie gesprochen. In diesem Memorandum betonte ich, wie nützlich es für Rußland wäre, wenn wenigstens einige tausend jüdische Familien zum orthodoxen Glauben bekehrt und dadurch mit der russischen Raffe affimilirt werden könnten. „Der erste Weg hierzu würde seiu, so wurde festgestellt, die alten Gesetze gegen die Juden auszuführen, da der besser bemittelte und zugleich benöthigte Theil derselben wie Manufakturistcn, Kaufleute I Gilde, Doktoren, Juristen u. s. w. sich eher taufen als sich von Haus und Heimath vertreiben lassen würden und so gezwungen wären, den jüdischen Glauben abzuschwören. Wir Russen gebrauchen frisches Blut für unsere Rasse, und das könnte nirgends besser gefunden werden, als bei den Juden, deren Sparsamkeit, Fleiß, Reinlichkeit, Häuslichkeit, Wissensdurst und deren außerordentliche Anlagen für den Handel gerade die Eigenschaften sind die uns mangeln und die unsere Rasse durch die Vermischung mit jüdischem Blute erhalten würde. Wir dürfen uns mit dem schlechten Theil der Juden nicht vermischen, da wir ihre bösen Eigenschaften nicht noch den unsrigen hinzufügen dürfen. Lei den besseren Klassen der Juden kann ich aber sowenig wie bei Ihnen, Herr Poliakoff, schlechte Eigenschaften fiuden. Wir hoffen die Juden zu ei halten, wenn wir sie mit der Ausweisung bedrohen. Alles dies stand in meinem Memorandum, und in einer Audienz, die ich hatte, sprach Seine Majestät persönlich die Hoffnung aus, daß ffio von den Tausenden Juden den orthodoxen Glauben annehmen und alsdann Russen würden. „Ich frage Sie jetzt, Herr Poliakoff, wollen Sie das Beispiel geben und sich bekehren?" Dieser Herr antwortete: „Ich bin weder ein Mannfakturist rc. noch habe ich es nöthig meinen Glauben zu wechseln, um im Genuß des größten Theils meines Vermögens zu bleiben. Wenn Sie aber wünschen, daß ich meine Energie, Erfahrungen und jenen Theil meines Vermögens in anderen Ländern verwerthen soll, so weisen Sie mich einfach aus." Hiermit hatte die Unterredung ihr Ende und Herr Poliakoff berichtete sofort den Inhalt Herrn Baron Hirsch und einigen audereu Gliedern des internationalen Comites für die russischen Juden. Es ist Thatsache, daß viele russische Juden zum orthodoxen Glauben übergetreten sind und viele andere dasselbe thun, da sie nicht die Kraft besitzen, Angesichts des Looses 100,000 armer Glaubensgenossen zu wicderstehen.