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Der Israelit · 1892-01-04 · Heft 1 (4.1.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 1 (4.1.1892)
Date
1892-01-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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10 denen sogar einige zu seinen Freimaurer-Kollegen gehören, hatten kein Wort des Schutzes für ihren Freund. Der „Jud'" nahm seinen Hut und ging. Die Angelegenheit wurde gerichtlich anhängig gemacht, und der Auditeur des bezüglichen Regiments ist bereits hier gewesen, um den Thatbestand aufzunehmen. (Fr. Zt.) Karlsruhe (Baden). Hier haben wir zwei extrem politische Blätter. Die „Badische Land- Po st", welche die conservativ - pietistische Partei vertritt und keine Gelegenheit vorübergehen läßt, um den Juden wehe zu thun, und der „Ba d i sch e Beobachter", Organ der badischen Centrumspartei. Während nun das erstgenannte Blatt sich in den gemeinsten und rohesten Ausdrücken über Juden und Judenthum ergeht, bespricht der klerikale „Beobachter" das auffällige Anwachsen der antisemitischen Bewegung, speciell im Kraichgau und erklärt sich vom katholisch-christlichen Standpunkte gegen diese Art der Anfeindung einer Gesammtheit wegen des Verschuldens einzelner oder zahlreicher ihrer Angehörigen, sowie gegen die von dem Antisemitismus gewollte Antastung verfassungsmäßig gewährleisteter Rechte. Der an leitender Stelle erscheinende Artikel ist nun deswillen bcmerkenswerth, weil er für die Katholiken (also wohl auch für die Centrumspartei) in dieser Sache Stellung zu nehmen, gewillt scheint. Er schließt mit denWorten: „Aus diesen Gründen sind wir Katholiken Gegner des A n t i s e m i t i s m u s.". A m e r i k a. Baltimore. Herr Jonas Friedenwald, der Gründer und seit dem Jahre 1878 Präses der Gemeinde „Chisuk Emunah" beging, am Freitag den 27. Nov. in voller körperlicher und geistiger Frische das Fest seines 90. Geburtstages, und die Gemeinde hatte es sich nicht nehmen lassen, bei dieser Gelegenheit dem würdigen Greise, dem großen Menschenfreunde, dem glaubenstreuen Israelit, Beweise ihrer Liebe und Achtung zu Theil werden zu lassen. Ihr Gotteshaus war am darauffolgenden Sonntage für die Feier in einfacher, aber gerade dadurch äußerst wirkungsvoller Weise geschmückt worden. Die Synagoge war fast übcrfüllt, als Cantor G l a ß mit dem Mincha-Gebet den Gottesdienst begann. Ein hübsches Programm mit der Photographie des betagten Präsidenten der Gemeind,: wurde an die Thcilnehmer vertheilt. Nach denk Minchagebet trug Herr Cantor Glaß in erhebender Weise den 100. Psalm vor, und Rabbiner Dr. Schneeberger überreichte dem alten Herrn nach einer passenden Anrede, im Namen der Gemeinde eine kalligraphische Abschrift von Glückwunsch-Beschlüssen und ein Kreide-Portrait von ihm selbst, beides in prächtigen Goldrahmen eingefaßt. Darauf übergaben im Namen des „Damen- Hülfs-Bereins" der Gemeinde, Rina Glaß und Siegmund Schneeberger, Kinder des Rabbiners und Cautors, ein prachtvolles Blumenftück, ein Buch (Buch des Lebens vorstellend), und Fräul. Breggar im Namen der Schulzöglinge der Gemeinde eine Krone mit Blumen geschmückt; beide Kinder begleiteten ihr Geschenk mit einer kurzen Anrede. Sichtlich tief ergriffen von den vielen Beweisen der Liebe, die ihm von allen Seiten dargebracht wurden, sprach Hr. Friedenwald in kurzen, schlichten und tief empfundenen Worten seinen innigsten Dank aus. Zum Festredner des Tages war Rabbiner Dr. Sebato Morais aus Philadelphia, der hervorragendste orthodoxe Rabbiner des Landes berufen worden, der in einer begeisternden Rede das wohlthätige Wirken des Gefeierten schilderte; Herr Dr. Szola, Rabbiner der Oheb Schalom-Gemeinde, verbreitete sich in deutscher Rede über dessen segensreiche Thätigkeit. Herr Joseph Friedenwald, der älteste Sohn dankte der G meinde für die seinem Bater erwiesene Ehre. Herr Dr. Schneeberger hielt hieraus eine kurze Anrede und schloß dieselbe mit der sinnigen Stelle im Talmud, nach welcher ein müder Wanderer zu dem ihn durch seine Frucht und seinen Schatten erquickenden Baume spricht: „O schöner, herrlicher Baum, womit soll ich dich segnen? Daß deine Früchte süß seien? Sie sind es ja! Daß dein Schatten kühlend und erquickend sei? Er ist es doch! Ich wünsche dir, daß die Schößlinge, die dir entstammen, auch dir gleichen mögen!" Womit soll ich Sie segnen? Was Ihnen wünschen, das Sie nicht schon in Fülle genießen? wandte Redner diesen Ausspruch an. Sie führen ein frommes, gottesfürchtigcs, edles, menschenfreundliches Leben. Sie stehen als Muster der unbeugsamen Frömmigkeit, als leuchtendes Bild der Menschenfreundlichkeit, in den Augen .'Gottes und der Menschen da! Es bleibt mir nichts zu wünschen^ übrig, als daß Ihre lieben Kinder stets als Muster solch edler Frucht, im Sinne und Geiste des alten edlen Baumes, eben so fromm und gottesfürchtig, so gut und menschenfreundlich von aller Welt geliebt und geachtet dastehen mögen. Unter den Anwesenden befanden sich sämmtliche Rabbiner und Vorsteher Faller hiesigen Gemeinden, die Direktoren sämmtlicher^. Wohlthätigkeitsvereine in der Stadt. HerrlFriedenwald ist der Gründer und freigebige Freund aller hiesigen Vereine und Ehrenmitglied der meisten. UAls im Jahr 1872

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