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Der Israelit · 1892-01-04 · Heft 1 (4.1.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 1 (4.1.1892)
Date
1892-01-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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urtheill. Bon diesen gehören 2üö2 der evangelischen, 8204 der katholischen, 40 der indischen Konfession an, 0 unbekannt welcher Konfession. Die Juden bilden in Baden den 01. Theil der Gesammtbevölkerung; während nach dem Prozentsatz der Bevälkernng 87 Verurtheilungen auf Inden fallen sollen, kamen thatsächlich nur 40 Verurtheilungen vor. Diese amtliche Statistik, der antisemitischerseits gewiß nicht der Vorwurf gemacht werden kann, daß sie von Semiten ausgestellt ist, widerlegt die von den Antisemiten gegen die Juden vorgebrachten Verdächtigungen wegen Wuchers und Betrug» ans das glänzendste. Leipzig, 25. Dez. Die Hetzereien des Antisemitismus sind in den Kreisen des Börsenvereins deutscher Buchhändler insofern auf entschiedenen Widerspruch gestoßen, als man sich kürzlich geweigert hat, im „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" eine Annonce ansznnehmen, welche die im Verlage von H. Lüstenöder in Berlin erschienene Broschüre: „Die Mischpoke im Berliner Buchhandel" zu empfehlen bestimmt war. Diese Broschüre ist ein Seperatabdrnck aus der von Dr. (5\ B a u e r redigirteu Zeitschrift „Das zwanzigste Jahrhundert" und ergeht sich iu den beleidigendsten Ausdrücken über einige jüdische Verlagsbuchhändler. Die Ablehnung der erwähnten Annonce erfolgte mit der Begründung, die Lektüre des Schriftchens habe ergeben, daß es recht heftige Angriffe gegen eine ganze Reihe von Börsen-Mitgliedern und zum Theil Beleidigungen enthalte, so daß die Redaktion des „Börsenblatt" sich der Hineiutragnug einer starken antisemitischen Richtung in das „Börsenblatt" schuldig machen ivi'irde, wenn sie die Annonce ansnähme. In den russischen Jnden-Answeisnngen schreibt das „Mem. Dampfb." ans Memel: „Die Aermsten der Armen, die Unglücklichsten der Unglücklichen nehmen ihren Weg gerade durch unseren Ort, woselbst diejenigen, welche gar nichts mehr besitzen und von Etappe zu Etappe sich durchbetteln müssen, anzutreffen sind. Bilder des Jammers und Elends, welche aller Beschreibung spotten, enthüllen sich täglich und stündlich vor unseren Augen. An 20,000 Personen und mehr sind im Laufe des Jahres durch unfern Ort gekommen, haben größere oder kleinere Unterstützungen erhalten und ttocf) immer ist das hiesige „Grenz-Eomitt", welches gegenwärtig aus 24 Personen besteht, vollauf beschäftigt, um die Aus- und Durchwanderet zu empfangen, zu sichten, zu beköstigen, avzusertigen, zu unterstützen und zu befördern." Eislcben, 14. Dez. stiegen das Treiben der Antisemiten veröffentlichten die hiesigen evangelischen (Geistlichen folgende Erklärung: „In diesen Tagen ist in unseren Häusern ein vom hiesigen deutschen Reformverein herausgegcbener Geschäfts-Anzeiger verbreitet worden, welcher den Namen des Stifters unserer Religion mit rein geschäftlichen Interessen und einer Gehässigkeit gegen das Judenthum in Verbindung bringt, die mit dem christlichen Geiste nichts gemein hat. Wir bedauern aufs tiefste eine solche Kampfesweise, die nur geeignet ist, die hohen Güter unsres christlichen Volksthums, die eines reinen und edlen Kampfes werth find, noch mehr zu schädigen, lehnen jede Gemeinsamkeit mit derselben ab und sprechen da» Vertrauen ans, daß auch unsere christlichen Mitbürger einschließlich der Geschäftsleute mit solchen Waffen nichts zu thun haben wollen. Eisleben, den Ist. Dezember 1891. Die evangelischen Geistlichen der Stadt Eisleben. W. Rothe. Jordan. Hupfeld. Rithack. Trommsdorff. Eichholz. F. Stier. Orphal. Tchaffhausen, 20. Dezember. Die beiden Räuber, welche am 18. Oktober d. I. den Israeliten Israel Guggeuheim im Walde zwischen dem badischen Dorfe Gailiugen und dem Schaffhauserischen Dorfe Ramsen eingefallen haben, sind beide gefaßt worden. Der eine, Namens Theodor Braun von Zimmerholz (Großherzogthum Baden), in Winterthur, der andere, Namens Schöbe! von Rottweil in Eanstatt. Der 88jährige Israel Guggeuheim, welcher das Opfer des rohen Ranbanfalles der Beiden gewesen ist und ganz bedeutende und keineswegs gefahrlose Kopfwunden davongetragen hatte, hat sich vermöge der Zähigkeit seiner Konstitntion überaschend schnell erholt. Wien. Eine angesehene hiesige Familie beging neulich einen seltenen Gedenktag. Am 10. Dezember 1701 wurde näinlich der Wiener Burger Josef Wertheimstein in Würdigung der Verdienste, die er sich um das öffentliche Wohl erworben, vom Kaiser Leopold U in den Adelsstand erhoben, und ihm das Recht verliehen, sich in Hinkunft Edler von Wertheimftein zu nennen. Der damals Ausgezeichnete war der Urgroßvater des jetzt lebenden Stammhalters der Familie, welcher sonach von den jüdischen Familien Wiens den ältesten Adel besitzt. Die heute noch lebenden Urenkel sind die Brüder Wilhelm und Albert und deren Schwester stharlotte von Wertheimstein, verehelichte Baronin von Königswartcr. Verbo, <Ungarn). Der im Jahre 1884 hier gegründete „Montefiore-Vercin" zur Unterstützung armer und schwach bemittelter Schulkinder, hat, wie alljährlich, auch Heuer seine philantrvpische Aufgabe erfüllt und in Gegegenwart sämmtlicher Lehrer, Vereins-, Schul- und Jugendfreunde an 80 Kindern Schuhe, Kleidung und Schulbücher vertheilt Freudig leuchteten die Gesichtchen der Kleinen nach erhaltener Gabe; aber auch den Anwesenden las man das selige Vergnügen vom Gesichte herab! Tücrn. O, woylthnn, ist wohlthliend! Der Vorsitzende hielt eine paffende Anrede an die Kinder, die mit Dankesworten und Gebeten eines Zöglings beantwortet wurde.;£ * u i I Utes». Der Günstling des Gzaren. Eine Erzählung ans Rußland. Bon Jon. Lehmann, Dr. phil. (Fortsetzung.) Alexei Chaimowitsch betrachtete aufmerksam seine Pflegetochter und als gewiegter Menschenken-

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