Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1892)
- Date
- 1892-01-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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4 Vorredners gegen die Entwickelung der Hochschule als Mitglied des Kuratoriums derselben zu widerlegen, wobei sich Redner die wohlfeile Tirade leistete, das Hildesheimer'sche Seminar liege zwar in der Gipsstraße, aber nicht in Berlin. In Bezug auf die Notiz des Vorredners bezüglich der geringen Zahl der von der Hochule ausgebildeten Rabbiner wies Redner darauf hin, daß mancher frühere Hörer heute in Amerika eine Stellung habe, ohne daß die Anstalt wüßte wo. Bemerkenswerth war das Zugeständniß des Redners mit Bezug auf den Satz Talmud Tauroh Kneged Kulom, daß die Hauptgemeinde in Berlin, welche nächst der von Jerusalem die größte der Zahl nach sei, für die jüdische Wissenschaft noch nichts geleistet hätte. Für die Kosten, welche der schöne Kuppelraum verursacht habe, in dem dieRepräsentantenversammlung tage, könnten zwei Lehrhäuser für Talmud Tauroh errichtet werden. Die Berliner Gemeinde sollte sich mit 15—20 größeren Gemeinden für diesen Zweck verbinden. — Nach längerer Debatte wird der kombinirte Antrag der Herren Sanitätsrath Markuse u. Rechtsanwalt Tiktin angenommen, auf ein Jahr 3000 Mark zu bewilligen und eine gemischte Commission zu beauftragen, Verhandlungen mit dem Kuratorium der Hochschule anzuknüpfen mit dem Ersuchen, der Repräsentanten- Versammlung eine Vorlage wegen Uebernahme der Anstalt zu machen. Frankfurt a. M. Einen genußreichen Abend bereitete uns am vorigen Montag Herr Dr. Hirsch Hildesheimer aus Berlin durch einen Vortrag, den er im Verein für jüdische Geschichte und Literatur abhielt. Ohne irgendwelche Kosten und Beschwerlichkeiten machten wir unter seiner Führung eine Reise durch Palästina, und er schilderte die Naturschönheiten des heiligen Landes in so lebhaften Farben, daß man sich manchmal an jene geweihten Stätten hingezaubert wähnte, wo einst die Propheten und Dichter, die Sänger und Könige unseres Volkes wandelten. — der Redner betonte in der Einleitung, daß zum Heile unseres Volkes jene Richtung, die vor einigen Jahrzenten noch herrschte und die mit pietätsloser Rücksichtslosigkeit bemüht war, alles auszumerzen, was an Zion und Jerusalem erinnerte, heute im Rückgang begriffen sei; man beginne endlich einzusehen, daß die Vaterlandsliebe und die Liebe zum Lande unserer Väter durchaus keine Gegensätze seien. Aber leider sind die Stätten unserer Geschichte, die für uns von so hoher Bedeutung sind, den meisten unter uns auch nicht in den weitesten Umrissen bekannt. — Nach einigen Bemerkungen über den Umfang und die Bodenbeschaffenheit des Landes begann unser Führer mit uns die Wanderung. In Tripolis stiegen wir ans Land, und von verschiedenen Punkten aus erfreuten wir uns an dem Ausblick auf die Stätten, von denen jede einzelne ihren Namen mit ehernen Buchstaben in der Geschichte Israels verzeichnet hat. Es würde zu weit führen, hier alle die Orte aufzuzählen und die historischen Erinnerungen zu reproduziren, die unser liebenswürdiger Führer uns auf der Wanderung vorführte. — Zum Schluffe lenkte er noch die Aufmerksamket auf die Colonisation Palästinas und betonte, daß es Pflicht aller Juden sei, diejenigen zu unterstützen, die es aus eigener Kraft versuchten, das Land, wo einst unsere Wiege stand, wieder zu besiedeln und bewohnbar zu machen. — Reicher Beifall lohnte die wohlgelungenen Ausführungen des Redners. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Aus Ungar». Vor Kurzem starb nach längerem Leiden der Oberrabbiner der Tyrnauer Status-quo-Gemeinde, Herr Simon Sidon im Alter von 77 Jahren. Der Verstorbene war ein praiD tdVh des nsio onn und zählte zu den rabbinischen Autoritäten der ungarischen Judenheit. Vergangene Woche ist der Rabbiner von Csuz, Herr B. Eckfeld, Verfasser der Responsensammlung rrwn nss, verschieden. An seiner Bahre sprachen vier Rabbiner und drei Privatpersonen. Der Verlust dieses gelehrten und frommen Mannes wird in seiner Gemeinde tief beklagt, und wird dieselbe für dessen hinterlassenen Kinder die nöthige Sorge tragen. Amerika. New-York. Die Einwanderung russischer Juden in die Ver. Staaten von Amerika hat verschiedenen Schriftstellern Anlaß gegeben, sich mit den Verhältnissen der Juden in den Ver. Staaten überhaupt zu beschäftigen. So befindet sich in der letzten Nummer der angesehenen New-Uorker Monatsschrift „Centmy" ein Aufsatz von Richard Wheatley über die Juden New-Ports. Derselbe behauptet, daß 400 Häuser des Broadway, von der Kanalftraße bis zum Union Square, fast alle von Juden besetzt seien. Auch in den Nachbarstraßen dieses Stadtviertels wiegen die jüdischen Firmen vor. Nirgends in der Welt hätten die Juden als Banquiers und Finanziers mehr Erfolg aufzuweisen, als in New-Pork. Die Juden New-Porks besäßen Grundeigenthum in der Stadt im Werthe von Doll. 150,000,000—200,000,000.(?)Fünf Achtel der Eintragungen von Grundeigenthum werden Juden gutgeschrieben. — Eine andere Frage hat ein gewisser I. M. Rogers in dem Dezembcrheftder „North American Review" behandelt. In einem kurzen Artikel über „Jüdische Soldaten iu der Unionsarmee" behauptet derselbe nämlich, daß er