Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 102 (31.12.1891)
- Date
- 1891-12-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1912 gen, welche den letzteren überhaupt als illusorisch erscheinen ließen, machten den Vorschlag selbst einem argentinischen Kongresse unannehmbar und es beschränkte sich der letztere daraus, einen entsprechenden Verkauf von 1000 Leguas zu jenem Preise, aber unter den gewöhnlichen Bedingungen des Kolontsationsgesetzes, zu gestatten. Der Agent des Barons Hirsch erklärte damit seine Mission für erledigt, beziehungsweise nicht ausführbar und das aus respektablen hier ansässigen Juden zusammengesetzte Comitö, welches der Elftere sich als Beirath gewählt hatte, löste sich in der Folge auf. Man würde hier schon gerne das Geld nehmen, sieht aber die jüdische Einwanderung nicht gern. Thatsächlich sind nur im September einige Trupps — wenn ich nicht irre, zusammen ungefähr 1O0O Personen — für Rechnung des Barons Hirsch gesandter russischer Juden hier angekommen, welche übrigens nicht im Chaco, sondern in den Provinzen Santa F6 und Buenos Aires untergebracht wurde. (Fr. Ztg.) vermischtes. Pankow, 9. Dez. Das vom Verein zur Beförderung des Handwerks unter den Juden in Pankow neu errichtete Erziehungshaus, Mühlenstr. 1, ist jetzt vollständig eingerichtet und von einem Theil der Lehrlinge bereits bezogen worden. Unter denselben befinden sich Bildhauer, Maschinenbauer, Schlosser u. s. w. Ein Theil der Lehrlinge bleibt den Sabbat über in Pankow. Die Aufsicht über das Institut, welches von Herrn Mancrermeister Frankel eingerichtet wurde, führt der Hausmeister Herr Wilinski. Aus Bayern, 16. Dez. Vor etwa einem halben Jahre entleibte sich in einem südbayerischen Städtchen ein zugereister Mann, dessen Papiere auf einen in einer nordbayrischen Ortschaft beheimatheten Israeliten lauteten. Der Ortspfarrer wandete sich an die Nächstliegende israelitische Kultusgemeinde mit der Anfrage, ob sie für eine rituelle Bestattung in ihrem Kultus- Friedhof Sorge tragen wolle. Der zuständige Frauenverein nahm sich der Sache an, vorhandene Hindernisse traten aber der Ueberführnng der Leiche entgegen und der Selbstmörder wurde an Ort und Stelle beerdigt. Der erwähnte Frauenverein theilte nun den Sachverhalt der Kultusgemeinde des .HcimathSortes des Selbstmörders mit und diese bat um nachträgliche rituelle Bestattung, indem sich zugleich vier Gemeindemitglieder für die Kosten verbürgten. Sechs Wochen nach der Beerdigung wurde die Leiche wieder gehoben, nach dem Orte der erst erwähnten Kultusgemeinde übergeführt und in deren Friedhof beigesetzt; die Kosten wurden von den Bürgen bezahlt. Seitdem ist auch das gerichtliche Konkursverfahren über die Hinterlassenschaft (Schulden und Vermögenstheile) des Selbstmörders eröffnet und die Verkeilung thatsächlich vorgenommen worden. Nun ist der Israelit, den man begraben zu haben meinte, als lebendiger Protest gegen die Identität mit dem Selbst-! Mörder, persönlich erschienen und hat durch amtliche Urkunde nachgewiesen, daß er sich die ganze Zeit in Oesterreich befunden hat. Wer der Selbstmörder war, ist ein Näthsel, das wohl kaum mehr gelöst werden wird. Man könnte nun auch die Frage aufwerfen, wer die Beerdigungskosten zu erstatten hätte, wenn die heimathliche Kultusgemeinde sie zurückfordern sollte, weil sie kein Interesse habe, einen unbekannten, ihr fremden Mann bestatten zu lassen. Feuilleton. I)er Hünstking des Gzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehman«, vr. phil. (Fortsetzung.) Nachdem Fürst Michail sich entfernt hatte, faßte Afka das noch immer zitternde Mädchen und trug es die Treppe empor zu der Herrschaftswohnung. Alexei Horwitz und feine Frau waren sogleich mit stärkenden Getränken und wohlriechenden Essenzen zur Stelle. „Was fehlt Dir, mein Täubchen? Was ist Dir geschehen? So sprich doch mein Kind!" rief Frau Horwitz ein über das andere Mal und sie war fast unwillig, daß ihr Rosa noch nicht zu antworten vermochte. Endlich hatte sich das Mädchen unter der Beihilfe aller Hausbewohner soweit erholt, daß sie wieder zu reden im Stande war. „Mein Gott, mein Gott, ich danke Dir!" flüsterte sie. „Schone Dich noch, Rosa", mahnte Jakow, „das Reden könnte Dich anstrengen." „Aber so laß' sie doch endlich erzählen!" rief Frau Horwitz dagegen, deren Neugierde sich nicht mehr bezähmen ließ. „Ich war", begann Rosa, „zu Onkel Lasar gefahren, da das jüngste Kino der Tante erkrankt ist; der Arzt hatte aber Besuch verboten und so mußte ich wieder gehen. Das Wetter war so schön und ich bat Jtsche, den Kutscher, mich, da wir doch in der Unterstadt am Flußufer waren, noch ein wenig htnauszufahren, den Pappeln entlang. Wir fuhren auch durch den Kreschtschatik *) und ich stieg auS, das Schaufenster eines großen Magazins zu betrachten. Plötzlich naht mir ein junger Mann. Seine elegante Kleidung vermochte nicht, die Rohheit seiner Manieren zu verdecken. Er wagte es, mich anzusprechen, ohne seinen Namen genannt zu haben. Und was sagte er?" Das Mädchen erröthete bei der Erinnerung an seine Worte. *) Name einer Straße.