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Der Israelit · 1891-12-31 · Heft 102 (31.12.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 102 (31.12.1891)
Date
1891-12-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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«Nun, was sagte er?" rief Frau Horwitz, „so rede doch, mein Kind, Du machst mich noch krank, wenn Du nicht weiter erzählst." Rosa senkte den Blick zu Boden und unter tieferem Erröthen flüsterte sie: «Das Sehenswertheste, was man hier zur Schau gestellt hat, seid Ihr, schöne Jüdin!" „Ha!" rief Jakow und seine Fäuste ballten sich. „Ich wandte mich zum Gehen, so schnell ich cs vermochte und eilte zu meinem Wagen. Er aber rannte mir nach. Jtsche, fahr zu, so rasch als möglich!" rief ich in meiner Angst dem Kutscher zu und sprang in das Gefährte. Die Pferde zogen an, doch wer beschreibt mein Entsetzen, als ich aufblickte und den Unverschämten auf dem Trittbrett des Wagens stehen sah. Da erfaßte mich die Kraft der Verzweiflung, ich erhob mich in dem schwankenden Fahrzeug und ohne zu wissen, was ich that, stieß ich mit beiden Händen gegen die Brust des Frechen und sich überschlagend, stürzte er vom Trittbrett hernieder auf die Straße." «Du tapferes Mädchen!" rief Afka bewundernd, welcher Ausruf ihm einen strafenden Blick seiner Mutter eintrug. «Du hättest uns leicht in Unannehmlichkeiten bringen können, wenn es ein vornehmer Mann war", schalt Frau Horwitz ein; dachtest Du denn gar nicht an uns? „Mutter!" rief Afka vorwurfsvoll. „Ich sah ihn", fuhr das Mädchen erregt fort, „wie er sich im Staube wälzte; doch plötzlich sprang er auf und ich dankte unserem Gotte, daß er sich nicht durch mein Verschulden verletzt hatte. Er erhob die Hand und rief mir nach: „Gut getroffen, kriegstüchtige Jungfrau! Fest zuschlagen, das gefällt mir! Wir sehen uns noch!" Ich aber sank, einer Ohnmacht nahe, in die Kissen zurück. Plötzlich donnerte ein Fahrzeug neben mir; er hatte seinen eigenen Wagen bestiegen und mich cingeholt. „Wollt Ihr mir nun die Pferde scheu machen", rief er «und mich wieder zu Boden schleudern?" Ich konnte keine Antwort geben, ich zitterte zu sehr. Da fuhr er vor mich und schnitt meinem Wagen den Weg ab und als Jtsche, der Kutscher, dadurch gezwungen war, langsamer zu fahren, beugte er sich aus seinem Gefährte weit heraus und ergriff das Leitpferd unserer Troika am Zügel. Ich fürchtete schon, ich fei verloren, denn ich hatte wohl gemerkt, daß es ein mächtiger Herr sein müsse, der vor keiner Gewaltthat zurückbebte. Mehrere Fahrr zeuge fuhren an uns vorüber, doch Keiner nahm sich meiner an. Auch ein Poliziskiy stand in unerer Nähe, ich rief ihm aus aller Kraft zu, doch er that, als ob er nichts hörte. Jtsche, der Kutscher war selbst tu Angst und wußte sich nicht zu helfen auf seinem Sitze. Da raffte ich mich noch einmal empor, entriß dem zitternden Diener die Peitsche und traf das Leitpferd, daß es sich hoch ausbäumte, sich aus der Hand meines Peinigers losriß und die anderen Pferde mit stch fortziehend in rasendem Galopp davon stürzte. So gewannen wir wieder Vorsprung und ich hörte noch sein wildes Lachen und Bravorufen hinter mir und so kam ich bis an's Hau8, als er mich eben wieder eingeholt hatte." „Er ries Dir indessen noch Etwas zu, da er neben Dir fuhr", sagte Afka erregt. „Was war es?" Das Mädchen schlug die Augen nieder. „Du darfst uns Nichts verhehlen, was zur Sache gehört", mahnte der Vater, „erzähle uns Alles ohne Scheu." Die bleichen Züge Rosa's erglühten, als sie flüsterte.- „Er rief mir noch zu: „Da steckt Race drinn, mein werthes Fräulein! Ihr seid ein Bräutchen nach meinem Geschmack und sollt noch von mir hören!" „Wer konnte Solches auf offener Straße unbehelligt wagen?" frug der Vater, das Haupt wiegend und die Stirne in Falten legend. „O, ich weiß es wohl!" brach nun Afka los, „es war der Auswurf der Menschheit, der Abscheulichste, doch leider auch der mächtigste Mann auf dem ganzen Erdenrund.- cs war der Günstling des Czaren! O, mein Gott, mein Gott, mein Gott!" „Ich bitte Dich, Afka, was hast Du da zu jammern?" sagte die Mutter verweisend. «Man spricht nicht so! Wenn sich jener Mann nicht verletzt hat, so wird er uns auch Nichts thun und die Sache ist beendet. Es ist besser, Du gehst jetzt aus dem Zimmer. Du interesstrst Dich mehr für Rosa, als mir lieb ist." „Ich aus dem Zimmer gehen?!" fuhr der Jüngling auf. Er blickte einen Moment schweigend umher, dann schrie er wieder: „Der allmächtige Gott ist mein Zeuge, ich habe gekämpft mit mir und gerungen, lange genug. Thut mit mir, was Ihr wollt, ich ertrage es nicht länger." Er war so aufgeregt, daß er selbst nicht wußte, was er sagte, die Angst, das geliebte Wesen zu verlieren und der Zorn über ihren mächtigen Bedroher riß ihn mit sich fort und raubte ihm jede Ueberlegung. «Vater!" schrie er «Mutter! macht mich nicht unglücklich, ich kann es nicht länger verhehlen. Rosa, Mädchen, was soll ich denn sagen, mein Gott, mein Gott, ich liebe Dich, nein, ich bete Dich an, Du giltst mir mehr als mein Leben, mehr als die ganze Welt, mehr als die Seligkeit. Mit Dir

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