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Der Israelit · 1891-12-31 · Heft 102 (31.12.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 102 (31.12.1891)
Date
1891-12-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1911 werden die schönsten Midraschim, die natürlich dem Denkvermögen der Kinder angepaßt sind, desgleichen Aussprüche des Talmuds, angereiht. Diese Erweiterung des in der Schule planmäßig behandelten Stoffes verschafft dem letzteren einen ganz neuen Reiz, ein erhöhtes Interesse und wirkliche Lust und Liebe zur Sache- Bedingungen für den Erfolg. Ich will nicht zu bemerken unterlassen, daß der sonst übliche Lehrion einem traulicheren weicht, doch herrscht strenge Disziplin! Die Kinder sollen den Worten des Lehrers lauschen, wie dem Märchen des Großvaters, und wie es zu diesem gern eilt, ihn um neue Geschichten zu bitten, so soll es auch freiwillig, freudig zum Lehrer eilen, um sich an seinen Erzählungen zu erbauen. Und wie der Jüngling, der Mann, der Greis, das Mädchen — die Jungfrau — das Weib, wie sie alle, alle bei freudigen und traurigen Ereignissen Großvaters oder Großmütterchens Worten, Belehrungen, Ermahnungen gern sich erinnern, zur Erhöhung ihrer Freude, zur Stärkung ihres Lebensmuthes, also mögen, das ist mein tiefinnerster Wunsch: die Schilderungen echt jüdischer Charaktere, daß Erschließen echt jüdischen Geistes in der Freude das Lebensglück versüßen, in der Gefahr aufrichten, in der Versuchung abschrecken und zum Guten führen.— Sollten Collgen die Absicht haben, sich der gleichen Mühe, die sich tausendfach belohnt, zu unterziehen, so möchte ich ihnen rathen zuvor die Genehmigung des Vorstandes und des Rabbiners einzuholen. Unser Rabbiner, Herr Dr. Blumenthal war über meinen Plan aufrichtig erfreut und erklärte: „Was wir zur Erstarkung des jüdischen Geistes — Jeder an seinem Theile — thun können, das müssen wir thun." Leopold Katz, Lehrer. Dinslaken a. Niederrh., im Dezember. Eine journalistische Reise, die uns heute nach dem schönen Dinslaken führte, veranlaßte uns auch dem rühmlichft bekannten isr. Waisen Hause dort einen Besuch abzustatten. Das gütige Entgegenkommen des Herrn Direktors ermöglichte es uns die sämmtlichen Räumlichkeiten einer eingehenden Inspektion zu unterziehen und freuen wir uns, sagen zu können, daß wir selten eine derartige Institution getroffen, die in jeder Beziehung alles vereint um selbst den weitgehendsten Anforderungen, die man mit Recht an eine solche Anstalt stellt, zu entsprechen. Wenn auch eine detaillirte Beschreibung der Räumlichkeiten zu weit führen würde, so können wir doch nicht umhin zu bemerken, daß der Gesammteindruck des Hauses den lebhaften Wunsch in uns rege machte, daß sich auch fürderhin stets immer mehr und mehr Gönner und Wohlthäler finden mögen, welche in ausgedehntem Maße der Anstalt ihre Unterstützungen zukommen lassen. K. H. Rußland. Die Zeitschrift „Darkest Rusfia" veröffentlicht in ihrer jüngsten Nummer das nachstehende, aus Birmingham vom 30 v. M. datirte Schreiben Chamberlain's: Geehrter Herr! Ich zögere nicht, Ihnen die Versicherung zu ertheilen, daß Ihren Glaubensgenossen bei den barbarischen Verfolgungen, welchen sie jetzt in Rußland ausgesetzt sind, meine innigste Antheilnahme gehört. Die unwidersprochen gebliebenen Berichte über die ihnen zu Theil werdende Behandlung enthüllen ein Bild, welches uns in die dunkelsten Zeiten des Mittelalters zurückführt. Fast scheint es, als ob Rußland China die Palme in Bezug auf Unduldsamkrit und Grausamkeit streitig machen wolle. Ich hoffe von Herzen, daß die allgemeinen Proteste aller civilisirten Nationen noch zur rechten Zeit auf die Negierung und Behörden einwirken werden, welche bisher allen Appellen um Menschlichkeit und Gerechtigkeit ein taubes Ohr entgegengesetzt haben. Ergebenst I. Chamberlain. England. London, 25. Dezember. Der Plan des Herrn Paul Friedmann, eine jüdische Colonie im Lande „Midian" (ihc) zu gründen, hat sich, wie der „Jewish Cronicle" berichtet, nun realisirt. Am 10. ds. Mts. segelten 34 jüdische Immigranten unter der Leitung des Herrn Friedmann und in Begleitung von zwei Schochtim, einem Arzte und noch neun Schiffsleuten in einem Dampfbote, genannt: „Israel" nach dem Lande Midian. Die Gesellschaft wurde reich mit Koscher-Fleisch und geräucherten Fleischspeisen aller Art versehen und bei der Abfahrt nach dem Lande, wo einst Moses' Schwiegervater wohnte, wurden jüdische Lieder gesungen. Manchester. W. Aronsberg, ein anerkannter Philanthrop und Friedensrichter, hat sich nach dem Norden und Süden Europa'S begeben, um sich persönlich von der Lage seiner Glaubensgenossen zu überzeugen und um durch praktische Mittel die Stellung derselben zu verbessern. Derselbe ist mit Empfehlungsbriefen der Regierung Ihrer britischen Majestät und anderer sehr hohen Persönlichkeiten versehen, welche die Berücksichtigung Aronbcrgs und seines edeln Unternehmens befürworten. Amerika. Bnerws-Aires, 8. Dez. Das Kolonisationsprojekt des Barons Hirsch, in Betreff dessen ich zu meiner Ueberraschung in deutschen Zeitungen wiederholt Mitthetlungen gesehen, nach welchen alles in vollem Zuge sein sollte, ist ganz eingeschlafen. Der hiesige Agent von Hirsch hatte ein Projekt bei dem Kongreß eingereicht, wonach er für ausgesuchtes und vermessenes Land im Chaco und den Missiones unter gleichzeitigen weitgehenden Vorrechten ganze 200 Pfund pro Quadratmeile bezahlen wollte. Weniger der Preis als die Rebenbedingun-

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