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Der Israelit · 1891-12-31 · Heft 102 (31.12.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 102 (31.12.1891)
Date
1891-12-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1S10 stehen, die Anregung zur Gründung eines „Vereins für die Bearbeitung der jüd. Geschichte und Literatur" geben, sie wird großen Anklang bei allen religiösen Juden finden und wird der hiezu nöthige materielle wie geistige Fonds sicherlich nicht fehlen. Zeitungsnachrichten und Correfpondeuzeu. Deutschland. Mainz, 20. Dezember. Zur Lösung der in Nr. 98 gestellten Frage „Eine auffallende Raschi in Bezug ans Chanuka" gingen uns eine Reihe intereffanter Mittheilungen zu; da wir täglich noch weitere Zuschriften, diese Sache betreffend, erhalten, verschieben wir das Referat darüber auf die nächste Stummer. Worms. Sie haben in einer Ihrer jüngsten Nummern darüber berichtet, daß auch in diesem Jahre Herr Ludwig Pfungst von hier der technischen Hochschule in Darmstadl den Betrag von Tausend Mark als Stipendium für würdige Studirende zugewiesen hat. Während im ersten Jahre zwei jüdische Studirende von diesem Stipendium Genuß ziehen konnten, befindet sich in diesem Jahre nur ein jüdischer Stipendiat unter den vom Schenkgeber Gewählten. Wir begreifen es wirklich kaum, daß so wenig jüdische Bewerber sich finden, die die ihnen sich darbietende Gelegenheit benützen, um eine so bedeutende technische Hochschule wie die Darmstadts zu besuchen. Möchten für die Folge recht viele Bewerbungen von jüdischen Studirenden einlaufen! Das ist der Zweck dieser Zeilen und der Wunsch des Stipendiumstifters. R. Worms. Wir begegnen in einem süddeutschen Schulblottefolgenden Recensioneu über den „Antisemiten-Spie gel und den Vortrag Fidler8, Direktor a. D. der Kaiser!. Landwirthschaftsschule zu Rufach über: die Antisemitenbewegung in Deutschland in ihren Ursachen und Folgen. „Theoretisch betrachtet ist die Antisemitenbewegung ein Anachronismus, der den Gesetzen der Humanität zuwiderläuft. Allein es läßt sich nicht leugnen, daß auch unter den Juden (ebensogut wie unter den Christen) gewisse unlautere Elemente sich befinden, welche den Antisemitenfanatismus, der nachgerade eine bedenkliche Erscheinung wird, geradezu heraussorderten. Doch sind das immer nur Einzelfälle. Die Juden in ihrer Gesammtheit aber für Uebertretungen einzelner ihrer Genoffen verantwortlich zu machen, ist eine Verirrung. Daher sollten wir Lehrer, wo sich Gelegenheit bietet, aufklärend und beruhigend wirken. Diesem Zwecke dienen die beiden genannten Schriftchen." Wir nehmen von dieser Aeußerung des Recensenten genannter Zeitschrift deswegen gerne Notiz, weil wir damiteineBttte an den Vorstand desAnti- Antisemiten-Vereins richten wollten, alle Schriften genannten Vereins den Redactionen sämmtlicher Lehrerzeitschriften zusenden zu wollen. Die Lehrerzeitungen sind meistens die Organe der Lehrervereine, welchem eine große Anzahl Lehrer als Mitglieder angehören. Welche Bedeutung die Volksschullehrer, besonders auf dem Dorfe haben, brauchen wir nicht auseinander zu setzen. Wir erfahren dies oft bei Wahlen. Also hier muß für Aufklärung und Belehrung gesorgt werden und zwar durch Wort uud Schrift. R. Aus Hessen. Unter den vom Großherzoge ernannten Handelsrichtern für das Jahr 1892 findet sich auch ein Jsraelite und zwar für die Provinz Oberhefsen: Herr Siegmund Heichelheim aus Gießen. Ratibor. Von mehreren Seiten dazu aufgefordert, habe ich mich entschlossen, die Leser Ihres geschätzten Blattes mit einer Einrichtung in unserer Gemeinde vertraut zu machen, die den Zweck verfolgt, jüdischen Geist zu befestigen und auszudehnen, und nur in der lauten Hoffnung, daß meine Einrichtung vielleicht Nachahmung erlangt, schreibe ich diese Zeilen. Die hiesigen jüdischen schulpflichtigen Kinder besuchen die Simultan- und die höheren Schulen. Eine jüdische Elementarschule giebt es hier nicht. Die knappe Zeit, die dem Religtonsbeziehungsweise hebräischen Unterrichte zugemeffen ist, läßt ein Vertiefen in irgend einen Gegenstand nicht zu; es kann eben nur alles im Fluge genommen werden. Und wie der Wind so leicht die eben gestreute Saat hinwegträgt, so führt das rauhe Leben die nicht tief eingegrabenen Lehren allzuschnell ins Reich der Vergessenheit. Welcher aufmerksame, pflichteifrige Lehrer hat nicht diese, fast überall sich zeigende, bedauerliche Erscheinung mit bekümmertem Herzen wahrgenommen! Doch das Bedauern allein genügt nicht, hier muß muthig Wandel geschaffen werden. Mir ist es endlich gelungen, einen längst gehegten Plan zur Ausführung zu bringen, und der bisher erzielte Erfolg hat mir den Beweis erbracht, daß ich das Richtige getroffen. Jeden Freitag Abend nach dem Gottesdienste versammeln sich etwa 200 Kinder--Knaben und Mädchen — in einem Zimmer der Stadtschule. Auch Eltern und der Schule fernstehende Mitglieder der Gemeinde schließen sich den Schülern gern an. Der Inhaltsangabe des am morgigen Sabbat aus der Thora zu verlesenden Wochenabschnitts, welcher in möglichster Kürze und Schärfe erfolgt,

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