Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 101 (28.12.1891)
- Date
- 1891-12-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1901 ES ist nun erfreulich, gerade innerhalb der Schweizerischen Thierschutz-Vereine zu konstattren, daß sich große Theile derselben längst von dieser wüsten Agitation losgesagt haben und daß dieses Beispiel noch fortwährend Nachahmung findet. So hat der Thierschutz-Verein Basel die Schächtfrage von seinen Traktanden gestrichen, seitdem der Bundesrath für das Schächten eintrat. Ebenso der Genfer Thierschutzverein. Eine bedeutsame Erklärung in diesem Sinne liegt neuerdings auch von dem Thierschutzverein St. Gallen vor, die wir aus dem jüngsten Jahresbericht hier im AuSzuge folgen laffen: „ÜJlü der Schächtfrage sich zu befassen, hatte die Kommission nur einmal Veranlassung. Auf der Traktandenliste der Delegirtenversammlung in Zürich figurirte nämlich ein Bericht über den gegenwärtigen Stand derselben durch Vicepräsident Keller aus Aarau, und unsere Kommission hielt es deßhalb für angemessen, dem Delegirten nach Zürich für den Fall, als er in die Nothwendigkeit versetzt würde, sich auszusprechen, eine Instruktion mitzugeben. Diese lautete dahin, daß der St. Galler Thierschutz-Berein bis anhin im Schächten eine Thierquälerei nicht erblickt habe und daß er diesen Standpunkt auch fürderhin beizubehalten gedenke. Es darf vielleicht in dieser Stellungnahme gewissermaßen ein Palliativ dagegen erblickt werden, daß die Frage einseitig beurtheilt wird und namenlich auch, daß sie mit andern Fragen verquickt wird, welche gar nichts mit ihr zu thun haben. Sollte selbst nachgewiesen werden können, daß ein Schlachtthier beim Schächten einige Sekunden länger Schmerz empfindet, als bei einer andern Schlachtmethode, so wird dieser Nachtheil, wie mir scheint, reichlich ausgewogen durch die angedeutete Sicherheit der Schlachtmethode, welche das Schächten, weil es nicht in dem Matze von der Geschicklichkeit und Körperkraft des Schlächters und vom Zustande von Apparaten abhängig ist, vor allen andern Schlachtmanieren voraus hat. Diesen Hauptgedanken pflichtet eine Menge wissenschaftlicher Autoritäten bei, und wenn nun auch in der Wissenschaft noch nicht Einmüthigkeit zu Gunsten des Schächtens herrscht, so ist doch mindestens auch die Verwerstichkeitt dieser Schlachtmethode noch nicht bewiesen. Das genügt uns vorerst, uns einer Bewegung nicht anzuschlietzen, durch welche eine große Anzahl Mitbürger in einem bisher ungeschmälerten Rechte gestört und in Aufregung versetzt wird und welche uns auch zu den Bundesbehörden in Opposition setzt; — gibt eS doch noch unendlich viel zu Gunsten der Thierwelt zu thun, wobei über Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit keinerlei Zweifel herrscht!"_ Vermischtes. Hantwvev. Dem vierten Jahresbericht des Vereins zur Förderung des Gartenbau- und Handfertigkeitsunterrichts in der jüdischen Volksschule entnehmen wir: Dieselben Wohlthaten und Anregungen, welche wir tut Vereine mit den Wohlthätigkeitsvereinen unserer Gemeinde unseren Zöglingen früher boten, konnten wir, Dank der Beihülfe derselben Vereine, auch im abgeaufenen Jahre diesen zu Theil werden lassen: eine kräftige und reichliche Mittagsspeisung, einen stärkenden Nachmittagsimbiß, Ueberwachung der Schularbeiten vor Beginn der Handfertigkeits- oder Gartenbauarbeiten. Auch in diesem Jahre sind Handfertigkeits-Probearbeiten von den Abiturienten geliefert worden, außerdem aber hatte ein Jeder derselben eine schriftliche Prüfungsaufgabe zu lösen. Die Nothwendigkeit, für eine Lehrkraft sorgen zu müsten, veranlaßt uns, einen neuen Versuch der Förderung unserer Ziele zu machen, der uns hoffentlich wohl gelungen ist und dem Vereine selbst nützen wird. Herr Lehrer Stöcker, der den Unterricht in unserem Vereine seit 1886 ertheilte, erklärte schon vor Beginn der Winterarbeit 1890, daß er den Unterricht nicht gern fortsetzen möchte, weil er zu überbürdet sei. Nur mit großer Mühe gelang es, ihn für dieses Halbjahr als Lehrer zu erhalten. Wir waren daher genöthigt, einen Ersatz für das Jahr 1891/92 rechtzeitig zu schaffen. Wir veranlaßten deshalb einen der zu Ostern abgegangenen Lehramtsanwärter, Herrn I. B. L e p y aus Bremen, welcher Lust und Geschick für Handfertigkeit zeigte, nach Leipzig zur weiteren Ausbildung zu gehen. Wir haben somit aus der Reihe der von uns vorgebildcten Schüler einen Lehrer für unsere Anstalt« gewonnen. Auch nach außen hin zeigten sich Erfolgte unserer Thätigkeit. Ein junger Lehrer, Herr Adolf Lömenberg, z. Z. in Gleidingen, jetzt in Marburg, welcher den Handfertigkeitsunterricht als Schüler der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer an unserer Arbeitsstätte erlernt hatte, hat aus eigenem Antriebe ohne äußere Beihülfe mit den Schülern feiner Schule Handfertigkeitsunterricht getrieben. Er war dabei besonders darauf bedacht, für den Schulunterricht nützliche Lehrmittel Herstellen zu lassen. Nach seinen Berichten waren die Kinder sehr rege und arbeiteten mit gutem Erfolg. Wir hoffen, daß dieser Lehrer ein gutes Vorbild und sein Thun weitere Nachahmung finden wird. Das Jahr 1890/91 kann als ein für unseren Verein erfreuliches betrachten werden, das unsere Bestrebung wesentlich gefördert hat. Mit dem hoffentlich im nächsten Jahr fertiggestellten Neubau des Seminars und den in ihm vorgesehenen schönen Arbeirsftätten für Handfertigkeit werden wir die Arbeit nicht nur vor Störungen mehr hüten, sondern auch nach jeder Richtung hin fördern können. Dies alles wird aber auch neue und große Mittel beanspruchen. Es wird an uns die Aufgabe hcrcmrrereu, an anderen Orten den Handfertigkeitsunterricbt zu pflegen, auch dies erfordert Mittel. Wahrhaft segensreich kann unser Verein erst dann werden, wenn es ihm gelingt, den Sinn für die Handfertigkeit und den Gartenbau in allen Orten Deutschlands in jüdischen Schülern zu wecken und diese Arbeit einzurichten, zr fördern, zu pflegen. Die Heranbildung von geeigneten Lehrern ist ein vorzügliches Mittel, aber soll dies ganz und voll geschehen, so müssen wir größere Geldmittel haben, als wie jetzt. Darum bitten wir von Neuem alle Freude dieser Sache, uns beizustehen und neue Freunde zu schaffen. Es gilt, eine Zeit hcrbeiführen zu Helsen, in der auf alle Israeliten das herrliche Wort sich anwcnden läßt „Wenn du von der Mühe deine Hände genießest, Heil dir und wohl dir" kPsalm 128, 2).