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Der Israelit · 1891-12-28 · Heft 101 (28.12.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 101 (28.12.1891)
Date
1891-12-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1895 nicht mit sich ins Grab nehmen; eS wurde gelegentlich der bei den Juden üblichen Waschung offenbar. Von den Alten der Gemeinde bestürmt, gestand die Frau nach langem Zögern, daß der Rabbi kein Jude, sondern ein Christ war, der sich um ihrer Liebe willen während eines ganzen Lebens als Jude ausgegeben hatte. Dem ungläubigen Rabbi wurde nun das Begräbniß verweigert; die Familie wandte sich an die Behörde, diese berichtete dem römischkatholischen Pfarrer, da sich unter den Schriften des Rabbiners sein Taufschein vorgefunden hatte. Der Pfarrer trug den Fall dem Bischof vor und dieser gab die Erlaubnis zur Beerdigung. So geschah es, daß in Vinna der Pfarrer den Rabbiner begrub. (Inzwischen hat der „Bud. Hirlap" selbst die Geschichte als unwahr bezeichnet; die Gemeinde Vinna hat noch niemals einen Rabbiner gehabt.) Pesth, 18. Dez. Rach Religions-Bekenntnissen stellt sich das Verhältniß derjenigen, welche lesen und schreiben können, in Procenten: Römisch-Katholische 55,48 Männer, 43,04 Frauen; Griechisch- Katholische 17,65 Männer, 9,28 Frauen; Griechisch- Orientalische 16,41 Männer, 11,69 Frauen; Evangelische A. C. 69,38 Männer, 60,26 Frauen; Evangelische H. C. 63,11 Männer, 53,58 Frauen; Unitarier 56,66 Männer, 39,79 Frauen; Juden 70,55 Männer, 59,71 Frauen. Frankreich. Paris. Während der letzten Feiertage gingen in den hiesigen Synagogen 128000 Fr. für wohlthätige Zwecke ein. Rumänien. Bukarest. Die Regierung hat den Rabbiner von Projesti ins Gefängniß geworfen — weil er russischer Unterthan sei. Rußland. Petersburg, 22. Dez. Wie das „Journal de St. Petersburg" vernimmt, verließ Arnold White Petersburg nach mehrmonatichem Aufenthalte. Sein Projekt, eine Gesellschaft für die israelitische Kolonisation zu gründen, soll in den Verwaltungskreisen sympathisch ausgenommen sein. Er habe mit dem Minister des Innern in Verbindung gestanden betreffs der Bildung eines ComitSs, der Einreihung jüdischer Militärpflichtigen, Einführung von unentgeltlichen Auswanderungsscheinen an Stelle des gegenwärtigen Paßsystems, und anderer wichtiger Punkte. -£» Vermischtes. *4- Homburg v. d. H. Die hiesige Kurverwaltung hat einen guten Griff gethan, indem sie den hier wegen feines Vortrags^ über I. P. Hebel vortheilhaft bekannten Herrn Lehrer r«. Rothschild aus Worms einen solchen über Berthold Auerbach halten ließ. Zahlreiche und gebildete Zuhörer lauschten mit gespannter Aufmerksamkeit den Ausführungen des geehrten Redners. Derselbe gab kein trockenes Lebensbild, sondern eine mit Liebe und Fleiß ausgearbeitete, plastische Schilderung des Lebens eines rühmlich bekannten Volksschriststellers. Wir sehen ihn als sinnenden, aber auch jodelnden Knaben, als Schüler der Talmudschule, als Student und Burschenschafter der Universitäten, die ihm auch 2 Monate Kerkerhaft auf dem Asperg einbrachten — und wir folgen ihm, wie er nach bitteren Kümmernissen und Erfahrungen Volksschriststeller geworden und zwar mit einem Schlage durch seine „Schwarzwälder Dorfgeschichten." Redner gab mitunter ganz neue Ausschlüsse über Auerbachs Beziehungen zu seinem Heimathlande, zu bedeutenden Schriftstellern und zum Hose von Berlin, Weimar und Karlsruhe, sowie Auszüge aus dessen hinterlassenen Briefen und Aufzeichnungen. Schmerzlich mar es anzubören, wie Auerbach in seinen letzten Jahren seelisch litt, „er der deutscheste der deutschen Denker" wie ihn Jacob Grimm nannte, empfand die wüste Hetze, die eine gewisse Partei gegen seine Glaubensgenossen wegen der Sünden Einzelner inscenirt hatte, doppelt tief in seiner Eigenschaft als Deutscher und als Jude. Er starb am 8. Februar 1882 Abends 6 Uhr in Cannes im 70. Lebensjahre. In Nordstetten, wo seine Wiege gestanden, da wünschte er begraben zu sein. Sein Wunsch ward erfüllt, man bettete ihn neben dem Grabe seiner Eltern. Der schöne Vortrag erntete den wohlverdienten reichsten Beifall. Der Hünffting des Gzarei». Eine Erzählung aus Rußland. Von Io«. Lehman«, vr. phil. (Fortsetzung.) „Es ist kein Mensch hier und wir haben uns unter doppelten Verschluß genommen, Michail", sagte er zurückkehrend, „nun endlich gib mir Bescheid auf meine dringende Frage. Zu Deinem Besten, bitte ich Dich, Michail, theile mir Deine Gründe mit. Ich habe Dich gefragt, wie es möglich ist, daß ein Mann mit Deinen Kenntnissen und Deinen Anlagen ein solch unthättges Leben, das Du doch führst, ertragen kann, und um mir darauf zu antworten, machst Du Anstalten, als verhandelten wir von den wichtigsten Staatsgeheimnissen." „In Rußland dreht man auch aus Spinnenfäden Henkerstricke", entgegnete Michail. „O Gott, mir brennt der Boden unter den Füßen. Deutschland, schönes, herrliches, freies Deutschland, wie sehne ich mich nach dir!" „Und dennoch verlangst Du, ich solle Staatsdienste nehmen", entgegnete vorwurfsvoll der Fürst. „Du, Michail, ja! Du mußt! Glaube mir, wenn es mir möglich wäre, den unglücklichen Russen

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