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Der Israelit · 1891-12-28 · Heft 101 (28.12.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 101 (28.12.1891)
Date
1891-12-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1SVS Die Frage ist so ernst, dasRätlsscl so schwierig, daß eine befriedigende Lösung nur von Gott selber zu erwarten ist. Aber wie es io oft im Leben vorkommt, daß man eine Frage mir der anderen beantwortet, so scheint auch dieses Weltrathsel durch ein anderes seineLöülug zu finden, die uns solange befriedigen muß, als sich keine bessere findet. Die Urkunden unserer schriftlichen und mündlichen Thora sind voll Verheißungen einer Zeit, in welcher das Gottesbewußtsein die ganze Erde füllt, wie das Wasser den Meeresboden deckt, in welcher alle Völker Gott huldigen und ihn fürchten werden alle Enden der Erde, in welcher die Völker aller Zungen den Rockzipfel eines jüdischen Mannes ergreifen werden, um unter seiner Führung die Wege Gotres kennen zu lernen und sie zu wandeln. Dagegenist es uns andererseits untersagt, durch irgend eine Veranstaltung dieses Ziel, das am Ende der Zeiten winkt, unmittelbar zu beeinflussen. Während die Töchterreligionen des Judenthums ihre religiösen Anschauungen durch Feuer und Schwert oder wie ein neuerer Ausdruck lautet „mit Bibel u. Flinte" zu vertreiben suchen und überallhin reich ausgestattete Sendboten senden, um durch Belehrung und Erziehung selbst bei den fernsten Heidenstämmen für ihre Sache Propaganda zu machen, ist es uns durch die eigenen Satzungen des Judenthums verboten seine Wahrheiten der nichtjüdischen Welt aufzudrängen. Wohl ist sei: den zweitausend Jahren unserer Zerstreuung und schon vorher mancher Lichtgedankc des Judenihums in die nichtjüdische Welt gefallen und hat diese erleuchtet und erwärmt, gehoben und getröstet, aber der bei weitem größte Thcil der Menschheit liegt noch heute unter dem Banne des trostlosen, gottlengnenden Heidenthums. Zwischen ihm und den Bekennern des JndenrhumS fehlt jede Beziehung, so daß jede Möglichkeit auch nur mittelbar durch die Macht des Beispiels einen Einfluß üben zu können, ausgeschlossen scheint. Wir dürfen keine Missionäre in die Eilande, und die fernen Enden der Erde senden. So weit Menschen sebcu können, geschieht keinerlei Veranstaltung, um die prophetischen Verheißungen zu verwirklichen, welche auch diesem numerisch bedeutsamsten Theil der Menschheit die Segnungen der jüdischen Wahrheit zu sichern. Wie soll nach kurzsichtiger menschlicher BeurtheZuug, bei der Zurückhaltung, die den Bekennern des Jndenthums geboten ist, die Wahrheit, Golt wird einst König sein über die ganze Erde, ihre Verwirklichung finden können? Ist es nun nicht ergreifend zu sehen, wie der Ezar von Rußland und seine Hintermänner diese Mission für uns besorgen? Der Fürst deS größten Staates, in dessen Mitte der Kern und Stamm ' der gesammten heutigen Judenheit lebt, ist von der ' Vorsehung als Werkzeug für diese Aufgabe ausersehen. Vielleicht giebt es in der ganzen Weltgeschichte keine großartigere Bestätigung des salomonischen Weisheitsspruches: „Gort ist der Meister, der Alles zum Kreisen bringt, und er hat Narren und hat Verbrecher in seinem Dienst." In ihrer Verblendung wollen sie das heilige, russische Reich von den Juden säubern, und verpflanzen damit das Judenthum über Länder und Meere, in fremde unbekannte Gegenden, die bis dahin noch kein jüdischer Fuß betreten. Sie begehen ein verbrecherisches Attentat aus die primitivsten Forderungen der Menschenrechte und der Menschlichkeit, und wecken damit auf weitem Erdenrund eine Menschenliebe und eine Thetluahme, wie sie sich imposanter noch selten entfaltet hat, und zwingen die Opfer dieser Brutalität, die ältesten Priester der Menschheit und Menschlichkeit, nunmehr ihres Priesterthums über der ganzen Erde in seiner ganzen Größe zu walten. Wie söhnt uns das, mir dem sonst unfaßbaren Gedanken aus, daß es gerade die Wackersten und Edelsten sind, welchen die Vorsehung diese große Bestimmung zuweist, die Sache des Judenthums über den ganzen Erdball zu tragen. Die Leicht-- sinnigen und Schlechten sind dieser Prüfung nicht fähig und daher dieser Bestimmung nicht würdig. Sie haben die moralische Kraft nicht für die Bürde dieser Würde, wie es ja auch sonst nicht die schlechtesten Schüler sind, denen die schwersten Aufgaben in der Prüsungsstuude zugetheilt werden. Die ganze Zeitströmung verschließt den flüchtenden Märtyrern die Länder der europäischen Staaten und sie sind so gegen ihren Willen genöthigt, in ferne abgeschiedene Gegenden die jüdische Wahrheit zu tragen, um ihr auch dort eine Gasse zu bahnen. Was liegt doch in diesem Bewußtsein, als Pfadfinder und Pioniere des JudenthumS mit Weib und Kind in die weite Welt zu ziehen für ein herzerhebender Trost, der auch das bitterste Leid zu mildern geeignet ist! Eine alte wohlverbürgte Überlieferung berichtet, daß die Märtyrer, welche zur Heiligung des göttlichen Namens den Scheiterhaufen bestiegen und alle Folterqualen über sich ergehen ließen, in dem Gedanken an Gott, für den sie zu dulden und zu leiden bereit waren, keinerlei Schmerz empfanden. Wenn sich so der Gedanke sogar stärker als Tod und jLetd erweist, wie muß er diejenigen erst feien und über alles Weh der Erde heben, die nicht sterben, sondern leben und wirken wollen für Gottes Sache! Für uns alle aber liegt in dieser Auffassung ein mächtiger Sporn die entflammte Bruderliebe nicht verglimmen zu lassen und mit Herz und Hand für diese heilige Sache einzustehen, wenn sie auch noch so empfindliche Opfer fordert. Was wollen

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