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Der Israelit · 1891-12-24 · Heft 100 (24.12.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 100 (24.12.1891)
Date
1891-12-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1878 geben, daß alle Rabbinnen innerhalb und außerhalb Elsaß-Lothringens den Gottesglauben öffentlich de. kennen. Wir haben bis jetzt noch nicht gehört, daß irgend ein Rabbiner sich geweigert hätte, -rriv xvv zu sagen. Wenn aber Jemand auch yöt* sagt, so verdient er dadurch noch lange nicht den Namen eines orthodoxen Rabbiners. Was die Wahl in Brumath selbst betrifft, so liegt die Sache einfach so, daß die drei Candidaten zu Probevorträgen berufen wurden und die Gemeinde Brumath mit einer erdrückenden Majorität dem Wunsche Ausdruck gegeben hat, einen dieser Candidaten zu ihrem Rabbiner zu erhalten. Wenn das Consiftorium sich in seiner Entschließung von sachlichen Rücksichten leiten ließe, wie es Pflicht wäre, so hüte einfach dem Wunsche der Gemeinde entsprochen werden müssen. Rur wenn wichtige sachliche Gründe der Ausführung dieses Wunsches der Gemeinde entgegengestauden wären, so wäre daS Consiftorium zu seinem auffallenden Beschlüsse berechtigt gewesen. In diesem Falle wäre es aber Pflicht des Consiftoriums gewesen, seinen Entschluß zu motiviren. Da dieses aber nicht geschehen ist, so wird allgemein angenommen, daß sich das Konsistorium in seiner Entschließung nicht durch sachliche, sondern durch persönliche Motive leiten ließ. Welcher Art diese Motive sind, ist von untergeordneter Bedeutung gegenüber der Thatsache, daß die wichtigsten Fragen des jüdischen Lebens nicht nach sachlichen Rücksichten entschieden werden. Dieses ist aber der Krebsschaden, an welchem die ganze jüdische Organisation unseres ^Landes krankt. Sämmtliche jüdische Interessen des Landes werden von den drei Consiftorien in Metz, Straßburg und Colmar geleitet. Jedes dieser Consistorien besteht aus dem Oberrabbiner und sechs Laienmitgliedern. Diese Mitglieder sind fast alle ohne Ausnahme dem praktischen jüdischen Leben entfremdet und haben von dem eigentlichen Wesen des Judenthums kaum eine Idee. Diese Herren können wohl ganz ehrenwerthe Männer sein, tüchtige Fabrikanten, gewiegte Ftnanzmänner, berühmte Aerzte, pflichttreue Beamte k. Der Leitung spezifisch jüdischer Interessen bringen diese Männer aber kein Berständniß entgegen, sie zeigen auch gar nicht den Willen, das jüdische Leben zu kräftigen und zu festigen, obwohl sie dazu, vermöge ihres Amtes verpflichtet wären und so erschlafft und erlahmt das jüdische Leben immer mehr. Wandel zur Besserung kann nur dadurch geschaffen werden, wenn die Erkenntniß sich endlich einmal mehr Bahn bricht, daß die Sorge um die Erhaltung des jüdischen Lebens nicht den richtigen Händen anvertraut ist, und es Pflicht eines jeden Einzelnen ist, dafür Sorge zu tragen, sich und sein Haus, und wenn möglich seine Gemeinde dem treuen Hudenthum zu erhalten. Wo die richtige Erkenntniß der Zustände mit dem ernsten Willen zur Besserung gepaart ist, werden sich schon Mittel und Wege zur Erreichung des Zieles finden. b~\wn rw iw cipon tt'K ro'rfc rufe sich jeder Einzelne zu und gegenseitig pinnn pm! mn» ffw. Vermischtes. Wien. Professor Benedikt ist von der russischen Gesellschaft der Naturwissenschaften in St. Petersburg zum auswärtigen Ehrenmitgliede ernannt worden. Warschau, 12. Dez. Der amtliche „Dmewnik Warschawski" meldet, daß aus Rußland und Polen bis jetzt iusgesammt 40,000 Juden ausgewiesen seien. Nach Schluß der Redaction eingetroffen. Telegramm. Creseld, 24. Dez. Familie Bischofs aus kanten wurde gestern aus der Untersuchungshaft entlassen. Feuilleton. Die Schindmähre. Ein Allegorie. D»arbritet und ins Deutsche übertragen von S. Horowitz. (Fortsetzung.) Einst als ich über die Gasse ging, bemerkte ich, daß irgend welche Leute ein mageres Pferd führen, es antreibend und aufs Geradewohl darauf losschlagend. Meiner Pflicht, als Mitglied des Thierschutzvereins eingedenk, lief ich nach jener Richtung und bat um Erbarnien für's arme Geschöpf. Als ich aber näher kam und das arme Pferd betrachtete, trat ein kalter Schweiß durch all meine Poren und ich glaubte, daß all meine Gliedmaßen erstarrten. Ich erkannte nämlich, daß sie es sei! sie mit ihren Knochen, meine alte, ausgemergelte, unglückliche Schindmähre! „Warum schlagt Ihr diese Unglückselige?" fragte ich die sie umringenden Leute. „Warum?" fragten sie mich zurück, „und warum treibt sie sich da umher?" sprachen sie, mich vom Scheitel bis zur Zehe fixirend. „Wir führen sie in die Kanzlei". „Nun, aber warum schlagt Ihr sie?" „Hm, was heißt warum? Wie würde es ausschauen, sie nach der^Kanzlei zu führen, ohne ihr welche Rippenstöße zu versetzen? Das wäre wie eine Hochzeit ohne Musik! So, so, unter Rippenstößen geht es sich leichter und geschwinder;",

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