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Der Israelit · 1891-12-24 · Heft 100 (24.12.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 100 (24.12.1891)
Date
1891-12-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXDL Jahrgang. Grfte Beilage?u M100 ins «Israelit & Ieschurun" Zeituugsuachrrchteu und LLorrespoudeuzeu. Deutschland. Aus den Reichslandeu. Als Entgegnung auf die auch vom „Israelit und Jeschurun" übernommene Correfpondenz der „Straßburger Post" aus Brumath über die dortige Rabbinerwahl finden wir in Nr. 346 der „Straßburger Post" folgende Mittheilung: Schirrhofen, 10. Dezember. Wir werden gebeten, folgende Entgegnung abzudrucken: Gegenüber einem Bericht aus Brumath über die dortige Rabbinerwahl fei festgestellt: 1. Alle Rabbiner und Oberrabbiner von Elsaß-Lothringen sind orthodox. 2. Alle Rabbiner und alle Israeliten der Erde, welche diesen Namen wirklich verdienen, glauben an Gott und bekennen es öffentlich. 3. Alle Israeliten erfüllen mit Eifer und Liebe ihre Pflichten gegen ihr Vaterland, besonders wir elsässischen Israeliten, da wir des Schutzes der Gesetze und des Wohlwollens der deutschen Regierung uns erfreuen, daher ist unsere Anhänglichkeit und Treue zum Lande und zur Regierung dankensvolle Begeisterung. 4. Obschon die Israeliten nicht so kosmopolitisch sind, wie viele glauben, sympathisiren sie mit einander, d. h. in religiösen Beziehungen. Besonders ist der Direktor Hildes - heimer des Berliner orthodoxen Seminars bei allen Juden der Welt geehrt und geliebt; ganz besonders wird er von den elsässischen Landsleuten hochgeachtet. Noch nicht lange ist fein Lob öffentlich in einer Synagoge ausgesprochen worden und zwar von Obcrrabbiner Weil! aus Straßburg. Die Gelegenheit dazu war die Installation des Rabbiners Bloch von Stratzburg in Sulz u. W. Wir können nicht umhin an diese Mitteilungen einige Bemerkungen zu knüpfen. Wie glücklich muß unser Land zu preisen sein, welch wahrhaft jüdisches Leben muß hier pulstren, denn der Correspondent aus Schirrhofen behauptet ja kühn und sicher: „Alle Rabbiner und Oberrabbiner von Elfaß- Lothringen sind orthodox." Bei solchen treuen Führern müßten ja alle Gemeindeinstitutionen im ganzen Lande dem rm p entsprechend in musterhafter Weise beschaffen sein. Die Jugend müßte ausgerüstet sein mit wahrer Kenntniß der wvn und erfüllt sein vom echten Geiste der min; die erste und wichtigste Pflicht eines orthodoxen Rabbiners ist ja für den jüdischen Unterricht der Jugend zu sorgen. In Eisaß-Lothringen müßte sich die Verheißung des Propheten schon verwirklicht haben, "i toi alle deine Söhne sind Gottesgelehrte! Glückliches Land! Wie ein Nebelbild zerfließt aber diese ganze Erscheinung, sobald man den Verhältnissen näher tritt und sie in ihrer traurigen Wirklichkeit betrachtet. Ganze Generationen wachsen heran, denen rninn ivo das Buch vermehre ein mmn isv, cm mit sieben Siegeln verschlossenes Buch ist. Ein großer Thetl der jüdischen Jugend in Elsaß-Lothj ringen ist nicht im Stande, auch nur etrren^pivv im Urtexte zu lesen. Ja Viele sind nicht einmal tm Stande hebräisch zu lesen und in der Väter Weise zu beten. Um in den Gemüthern der Unwissenden keine allzugroße Unbefriedigung aufkommen zu lassen, übertönt auch in den Synagogen der gröberen Gemeinden die Orgel die Stimme der Beter. Viele, die nicht mehr an dem Gemeindegottesdienste theilnehmen konnten, glauben sich jetzt befriedigt, wenn sie andächtig den Klängen der Orgel lauschen. Straßburg ist mit dem „löblichen" Beispiele vorangegangen, den Gottesdienst durch Orgelklang zu reformiren. In Metz wurde die Orgel durch Oberrabbiner Weil!, jetzt in Straßburg, eingesührt. Der jetzige Oberrabbiner U r y in Metz suchte sich dadurch ein Verdienst zu erwerben, daß er in Brumath die Orgel einsührte. Mühlhausen in Oberelsaß wollte hinter den Schwesterstädten nicht zurückstehen und leistete sich in diesem Jahre den Luxus einer Orgel. Oberrabbiner Weill aus Collmar begab sich direkt nach Mühlhausen, um die Weihe der Orgel zu vollziehen. Nur ein Oberrabbiner war würdig, einen solch bedeutungsvollen Akt zu vollziehen. — Zu gleicher Zeit ließ man es aber ruhig geschehen, daß in Mühlhausen ein altehrwürdiges nniipn tra von der Stadt zu einem Promenadenplatz umgewandelt wurde. Man hat einfach die Gebeine der dort Ruhenden ausgegrabcn und an einen anderen Platz gebracht. Bei richtigem Vorgehen hätte man sicher erreichen können, daß die Ruhe der Tobten ungestört geblieben wäre. — Benfeld läßt schon seit zwanzig Jahren in der Synagoge die Orgel ertönen. Die neuerbaute Synagoge in Schlettstadt konnte man sich ohne Orgel nicht als würdig denken. Colmar und andere Gemeinden, denen die Orgel zu kostspielig ist, stellten wenigstens ein Harmonium aus. Wir haben aber bisher nicht gehört, daß einer der an diesen Plätzen amtkrenden Herren Rabbiner gegen ein solches Vorgehen protestirt hätte, wie dieses erst vor wenigen Jahren von einem wirklich orthodoxen Rabbiner in einer Grenzstadt von Elsaß geschehen ist. Auch die übrigen Rabbiner des Landes tragen kein Bedenken, an gottesdienstlichen Handlungen theilzunehmen, bei denen Orgelklang ertönt. Die Rabbiner in Elsaß, die hievon eine löbliche Ausnahme machen und prinzipiell auf dem orthodoxen Standpunkte verharren, kann man an den Fingern einer Hand abzählen und bedürfte dazu nicht einmal aller Finger. Dem Correspondenten aus Schirrhofen können wir trotzdem zu-

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