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Der Israelit · 1891-12-24 · Heft 100 (24.12.1891) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 100 (24.12.1891)
Date
1891-12-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1876 mit flammendem Blick und metalltöniger, stark modulirender Stimme, jedem Ausdruck ein bestimmtes Pathos leihend und ihn mit energischen Pantominen seiner kraftvollen Gliedmaßen begleitend, der Andere von scheinbar unerschütterlicher Ruhe, matter, gedehnter Sprache, der Blick gleichgültig, fast erloschen, unter den halbgeschlossenen Augenlidern kaum merkbar, zumal da ihn noch ein Zwicker von nicht Hellem Glase verdeckte, feinen Körper nur bewegend, wenn es unumgänglich nöthig war und dann äußerst langsam und bedächtig, durchaus gleichmäßig in seinem ganzen Behaben. Auch äußerlich waren sich die Beiden unähnlich genug, obgleich bei dem Einen wie bei dem Andern Augen und Behaarung das tiefste Schwarz zeigten. Doch Afka war geschmückt durch eine Fülle krauser, üppiger Locken, während auf dem Haupte seines Freundes die glatten Haare nur in dünner Lage wuchsen. Beide junge Männer zeigten Race und ließen ihre Abstammung aus den ersten Blick erkennen. Die hervorstehenden Backenknochen, die dicke, flache Nase und der breite Mund des jungen Fürsten kennzeichneten ihn sofort als einen Slaven, während auf dem Antlitz Afkas, trotz der graben Nase, ein ausgesprochen jüdischer Typus edler Art ausgeprägt war. Nichts auf diesem Gesichte wies darauf hin, daß sein Inhaber am Dnjeper das Licht der Welt erblickt hatte, man hätte ihn eher für einen deutschen, als für einen russischen Juden halten können. Auch in der Kleidung ähnelten sich die Beiden nicht, denn der Fürst trug sich mit burschikoser Nachlässigkeit und überließ seinem Kammerdiener die Auswahl der Bekleidungsstücke, Afka aber war, wenn auch einfach und schmucklos, so doch stets sehr sorgfältig und gewählt angezogen. Die Pause in der Unterhaltung hatte wohl schon einige Minuten gedauert, als Afka wieder das Wort ergriff. — „Ich bitte dich, Michail Wasiljewitsch, mache nicht ein Gesicht, wie Popentöchter auf Besuch, sondern habe die Güte mir endlich zu antworten", sagte er, im Klang seiner Stimme eine leichte Gereiztheit verrathend. Fürst Gutesow warf seine Cigarette in die Ecke des Zimmers, obgleich ein Aschenbecher nicht weit von seiner Lagerstätte stand, zog dann eine neue Papierossi aus der äußeren Brusttasche seines Rockes und sagte leise: „Afka, bitte, gib mir Feuer!" Afka entzündete ein Streichholz und beugte sich über den Freund, ihm die Flamme hinhaltend. Das offenbar hatte Fürst Michail beabsichtigt, denn er flüsterte dem Anderen leise in's Ohr: „Du vergiffest, daß wir in Rußland sind." „Pah!" entgegnete jener ebenso leise, „wir reden ja in deutscher Sprache." „Ich bitte Dich, schicke den Diener aus dem Vorzimmer weg", bat der junge Fürst. „Gregor!" rief Afka, „bring den Samowar!" Ein kaum siebzehnjähriger Diener erschien an der Schwelle des Zimmers, verbeugte sich und kam im nächsten Augenblick mit einer Theemaschine zurück. Er füllte zwei Gläser mit heißem Wasser und reichte den Herren das Kännchen mit Thecesfenz; auf einen abwehrenden Wink Afkas goß er selbst etwas Essenz in das heiße Wasser, that Zucker und Citronenscheibchen hinein. „Du kannst in die Stadt gehen, ich gebe Dir heute Mittag frei!" rief Afka. Der Diener verschwand lautlos, seine Tritte verhallten auf dem weichen Teppich; Afka öffnete die Thür, das Vorzimmer war leer, er verschloß dasselbe, drehte auch den Schlüssel der Zwischenthüre. (Fortsetzung folgt.) »Sfcwlto* imb „Jeschurun* erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedesmal in mindesten» 2 Bogen. Pret» deL Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 18 Reichs-Mark, für'» Ausland IS Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch de» Such Handel fM bestehen dei <S. F. Strinarkrr, Leipzig, Soßptah 18. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren ItaMK. — Oesterreichisch« Banknoten laut CourS. — Direete Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland «fc Oeßinoich 14 Rrichs-Mark odor t st. österr„ für*» SWSland 1« Reichs-Mark, « dir Expedition fuum «tapfeafa«. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: isnpJ 0U1’. Eine Chanukkah-Betrachtung. Von Dr. M. Jung, Ung. Brod. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. sHomburg v. d. H. Burgpreppach. Eßlingen. — England: London. — Bulgarien: Sofia. — Palästina: Jerusalem. — Türkei: Mustapha. — Feuilleton: Der Günstling. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, Dr. phil. Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus den Reichslanden. — Vermischtes. — Telegramm: Crefeld. — Feuilleton: Die Schindmähre. Eine Allegorie. Bearbeitet und ins Deutsche übertragen von S. Horowitz. (Fortsetzung.) Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Darmstabt. 'Berlin. — Feuilleton : Der Schammes. Von H. Berger. Berantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz.—Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstratze Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierz« zwei tBeifagtn.

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