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Der Israelit · 1891-12-24 · Heft 100 (24.12.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 100 (24.12.1891)
Date
1891-12-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1874 besteht — alS ob religiöse Durchbildung und gründliches hebr. Wissen nicht jedem Stande Werth und Weihe, Schmuck und Zier zu verleihen vermöchte — insolange ist ein wahrhaft religiöser Aufschwung deS Judenthums nicht zu hoffen. Trotz der geradezu ungeheuer« Ansprüche, die daS verssoffene Jahr an die Mildherzigkeit der Israel. Glaubensbekenner stellte, hat die werkthätige Liebe diesem Institute keinen Abbruch gethan, und es sind die Gaben für die Schule in so reichem Maße gestoffen, daß nicht nur die materiellen Erfordernisse der Anstallt vollständig gedeckt, sondern auch der gewiß berechtigte Wunsch, durch eine stärkere Reserve dem Bestaube der Schule größere Sicherheit zu geben, seiner Verwirklichung näher gebracht werden konnte. Besonders förderlich in dieser Richtung erwies sich der Umstand, daß in den letzten Jahren die Zahl derjenigen zugenommen Hai, die durch Zuwendung von größeren Gaben und Stiftungen die Erinnerung an ernste und freudige Lebenseretgniffe, sowie das Andenken an theure Angehörige dauernd wach zu erhalten den Wunsch hatten. Eßlingen. Ihre Majestät die Königen Olga hat dem Verein zur Unterstützung von Wtttwen und Waisen iSr. Lehrer und Vorsänger Württembergs aus Anlaß der Uebersendung des jüngsten Jahresberichts abermals eme Gabe von M. 4b gnädigst zu bewilligen geruht. England. London, 19. Dezember. Wie das „Jewish Chromcte" mmheilt, har der Oberstlieutenant Alben Golds mid t bas Amt eines Leiters der jüdischen Colonten des Baron Hirsch in Argentinien übernommen. Derselbe ist bisher stets für die jüdische Colonisirung Palästina's eingetreten, er hofft jedoch, daß wenn in Argentinien die Möglichkeit der Herstellung lebensfähiger jüdischer Ackerbaukolonien in größerem Maßstabe erwiesen sei, zugleich ein großer Schritt zur Eolonisirung Palästina'S gethan sein werde. Albert Goldsmidt war Oberst in der britischen Armee. Er har vor Jahren über die jüdische Colonisirung Paläjtina's geschrieben, selbst eine Pilgerfahrt dorthin unternommen und ist einer der Führer der „Zionsfreunde". Bulgarien. Sofia. Wie der „All. Jsr." von ihrem Correipondenten berichtet wird, wurden mehrere Jsraetuen aus einigen Dörfern ausgewiescn. Die Beamten geben an, dag sie diese Maßregel, zum Schutze der Ausgewiesenen ergriffen hätten, wttl zu befürchten gewesen sei, daß dieselben von der christlichen Bevölkerung mitzhandetl worden wären. Es ist anzunehmen, daß die vutgarische Regierung diese Anordnungen ihrer Unierveamren aufheben werde. Palästina. Jerusalem. Eine Theilftrecke von 46 km. der zwischen Jaffa und der hiesigen Stadt im Bau begriffenen Eisenbahn wurde am 4. Dezember eröffnet. Ein anonymer Wohlthäter hat dem hiesigen „Bikur Cholim Hospital" 11000 Fees, überwiesen, aus welcher Summe 8 neue Betten errichtet werden. Dem Hospital stehen nunmehr 40 Betten zur Verfügung. Türkei. Die in Mustapha bei Adrianopel unter dem Verdachte, einen christlichen Metzger ermordet zu haben, angeklagten 11 Jaden wurden vom Criminalhofe in Adrianopel sreigesprochen. Feuilleton. Der Günstling des Hzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon, Lehmann, vr. Ml. Nicht nur in Berlin haben sich die vornehmsten Leute der Siadt unter Linden angesi oelt. „Die Linden" oder, wie der Plitz auf russisch beißt „L pki" ist ein weiter Raum mit schönen Häusern und Gärten, der nur vom Adel bewohnt wird, gleichsam der Salon der großen Gouvernementshanprftadt, die der Schauplatz unserer Erzählung ist. Nicht mehr zum Lipki gehörig, aber in aller nächster Nähe desselben, stand ein Palast, der an feinem Geschmack, Schönheit und Pracht der Ausstattung den meisten Adelshäusern überlegen war, sowohl im Aeußeren, als namentlich in der überreichen Ausstattung seiner Jnnenräume. Diesepompöse Gebäude gehörte einem Juden, der sich selber „Alexander Horwitz" nannte, von den Juden aber „Rebb' Sender Jtsche", von den eingeborenen Rassen indessen „Alexet Chaimowilsch" geheißen wurde. Al.xci verfügte über ein bedeutendes Vermögen, das er bei seiner Klugheit und seinen auSgcbreiteten GeschäftSkenntniff-n von Jahr zu Jahr reichlrch zu vermehren wußte; niemals aber besteckte er sich mit einer unehrenhaften Handlung, er lieh kein Geld auf Wucherzinsen und hielt sich von jeder Art buufler Geschäfte entfernt. Nur die Beamtenbestechung mußte auch er üben; hat man doch in Rußland vollständig das Gefühl dafür verloren, daß Bestechung zu nehmen oder zu geben unmoralisch sei. Die Beamtenbestechung ist wie eine Art von Steuer, so festgesetzt, so unumstößlich, so allgemein; I in Rußland als Jude leben und die „Abgaben au

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