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Der Israelit · 1891-12-24 · Heft 100 (24.12.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 100 (24.12.1891)
Date
1891-12-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ms beträchtliche Summen znm Ban bei und erleichterte auch sonst, wo es anging, die Aufbringung der erforderlichen Gelder. Auch die Stadtkasse und die damalige Kurhaus-Administration gaben höhere Beiträge. Im Jahre 1866 konnte die Synagoge eingeweiht werden; allerdings lebte Landgraf Ferdinand nicht mehr. Eine neue Aera war für Homburg angebrochen und aus dem patriarchalisch geleiteten Staate wurde ein Glied der großen preußischen Monarchie. Der Kgl. Landrath von Briefen wohnte als staatlicher Vertreter der Synagogen-Einweihung bei. Bei dem am raun ra® zu feiernden 25jährtgen Jubiläum dieser Einweihung wird man dankbar des hochherzigen Fürsten gedenken, welcher der Hamburger israelitischen Gemeinde eS ermöglichte ein würdiges Gotteshaus, eine Zierde der Stadt, zu errichten. Stehen möge dieser Bau als Denkmal der Toleranz der Homburger Landgrafen und als Mahnzeichen den unwürdigen Bestrebungen der Gegenwart gegenüber, welche niemals unser schönes Homburg schänden sollen und welche ein edler Fürst aus dem Hohenzollern Hause, ein Dulder auf dem Throne, die Schmach des Jahrhunderts genannt hat. Burgpreppach. Der sechzehnte Rechenschafts- Bericht über die Israelitische Präparanden-Schule „Talmud-Thora" zu Burgpreppach für dar Jahr 1890/91 hebt als einen Beweis des Vertrauens, das von der höchsten Stelle der Anstalt entgegengebracht wird, eine durch Rescript vom 15. Juni ds. Jhrs. herabgelangte h. Regierungs Entschließung hervor, nach welcher für die Zöglinge der Talmnd- Thora-Anstalt, gleichwie für die staatliche Präparandenanstalten besuchende Zöglinge, in Zukunft die Prüfung für den Eintritt in das Seminar in Wegfall zu kommen und an deren Stelle eine Probezeit von 6 Wochen — in den über das Verbleiben im Seminar oder Zurückstellung in die Präparandenschule entschieden wird — zu treten habe. Von den Zöglingen der Anstalt sind im Berichtsjahre 5 in das Israel. Lehrerseminar zu Köln a. Rh., 3 in die israel. Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg, 1 in das israel. Lehrerseminar zu Cassel und je 1 in die staatlichen Seminarien zu Karlsruhe (Baden) und Eßlingen (Württemberg) übergetreten. Die Abnahme des Zugangs zuul Lehrerberufe, welche in den letzten Jahren vielfach bemerkt worden und Gegenstand der Besprechung in den Fach- und Tageszeitungen gewesen ist, war an dieser Schule fast gar nicht in Erscheinung getreten. Erst im letzten Jahre hat die Zahl der Besucher etwas merklicher abgenommen, was, wenn auch dieselbe immer noch größer ist, alß die höchste von den gleichartigen jüd. Anstalten je erreichte Zahl, dennoch tief bedauerlich ist. Dieses Bedauern resultirt aber nicht aus Befürchtungen und Erwägungen über einen etwa wieder drohend werdenden Lehrermangel in den jüd. Gemeinden — im Gegentheil! die Zahl der Aspiranten auf jede noch so schlecht bezahlte Lehrerstelle ist so groß, daß eher auf einen Ueberschuß von Kräften nach dieser Richtung geschlossen werden könnte — bedauerlich ist jene Erscheinung blos aus Interesse an den Strebungen und Zielen, denen die Anstalt sich geweiht hat, die nicht bloß in der Vorbildung einer gewissen Anzahl von Zöglingen für einen bestimmten Beruf, sondern mehr noch in dem Verbreiten und HknauStragen wahrhaft religiösen Wissens und Lebens im Vereine mit gründlicher socialer Bildung in die jüdischen Volkskreise bestehen. Denn wenn es irgend etwas gibt, das als unbestreitbare Ursache des Niedergangs jüd. religiösen Lebens und des damit zusammenhängenden Mangels an idealem, ernstem gotterfülltem Streben und Leisten bezeichnet werden kann, so ist es das Fehlen der Erkenntniß, daß das Gotttswort und das religiöse Wissen nicht das Standesgut einer Klasse, sondern „das Erbgut für die Gemeinde Jakobs" zu sein bestimmt ist, und wenn andererseits ein Mittel vorhanden ist, daß die Eignung besitzt, die Wiederbelebung des Bewußtseins von dem hohen, augenerleuchtenden und herzgewinnenden Geiste der Lehre Israels in den Herzen seiner Bekenner anzubahnen, so liegt es in der Verbreitung und Verallgemeinerung der Erkenntniß, daß wir unsere Kinder, gleichviel welchen Beruf sie zu ergreifen bestimmt sind, vor jener Unkenntnis; in den Glaubens- und Religionswissenschaften bewahren müssen, welche unsere Voreltern als Amhaarazot bezetchneten, daß wir sie, neben dem nothwendigen socialen Wissen mit einem solchen Maße religiösen Wissens versorgen müssen, das sie befähigt, der Pflege der Kenntniß des göttlichen Gesetzes auch dann noch obliegen zu können, wenn sie mitten im Leben und dessen vielgestaltigen Anforderungen stehen. Jnsolange aber jener verhängnißvolle Jrrthum nicht weicht ans der Mitte der Glieder unseres Bekenntnisses, der sie verführt, zu glauben, es sei daS religiöse Wissen als ein Fach zu betrachten, daS nur Denjenigen zu beschäftigen braucht, dessen Fach es eben ist, insolange es nicht als Schmach angesehen wird, wenn ein für feinen weltlichen Beruf gut vorgebtldeter Mann nichts von den Bekenntnißschriften seines Glaubens versteht, weil er ja nicht Rabbiner oder Lehrer werden soll, insolange der Zugang zu denjenigen Schulen in Abnahme begriffen ist, die es sich zur Aufgabe gemacht, Hand in Hand mit allgemeinem Wissen auch die religiöse Erkenntniß durch gründlichen Unterricht zu pflegen, weil ja für Lehrer zur Zeit kein drängender Mangel

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