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Der Israelit · 1891-12-24 · Heft 100 (24.12.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 100 (24.12.1891)
Date
1891-12-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1872 Postbeamte, darunter 157 antisemitisch, 317 Ministertal-, Gerichts- und königliche Beamte, darunter 295 antisemitisch, 48 pensionirte Offiziere, darunter 44 antisemitisch. Umgekehrt aber wählten unter 500 Handwerksmeistern 429 freisinnig, unter 316 Handverksgehülfen 224 freisinnig, unter 379 Kaufleuten 317 freisinnig, unter 200 Arbeitern 139 freisinnig. Frankfurt a. M, 20. Dezember. Bezüglich unseres jüngsten Artikels über den hiesigen ^Freisinnigen Verein über jüdisches Gemeindeleben" ist in jüngster Nummer eine Berichtigung enthalten, die Ihr Correspondent mit einigen Worten zu beleuchten sich gestattet. Es wurde zunächst in dem bewußten Artikel keineswegs behauptet, daß die israelitische Gemeinde bis zum Jahre 1673 jedweder Kaschruth-Einrichtung entbehrt hätte; wir haben ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Schechitah und die kleine Synagoge im Compostellhofe, daS einzige waren, was der Gemeindevorstand zu leisten für nöthig erachtete. Die Schechitah wurde wohl mit größter Gewissenhaftigkeit von dem bekannten TalmudistenRabb. Sa l. Geiger beaufsichtigt — der, nebenbei ein sehr sprechendes Charakteristikum für den damaligen glühenden Haß der Reformer gegen die Orthodoxie unter dem lieblichen Titel „Lungenbesichtiger" angestellt wurde — und wir sind die letzten, die gegen diesen hochgeschätzten und großen Baal Jiroh der damaligen Zeit eine mißachtende und geringschätzige Ansicht hätten. Gewiß hat Geiger sein Aufsichtsamt mit der minutiösen Gewissenhaftigkeit und dem hingebungsvollen Ernste eines wackeren Jehudi verwaltet, aber waS nützte alle Aufsicht und Umsicht bei der Schechitah, wenn das Fleisch Metzgern überantwortet wurde, die zum größten Theil öffentlich Mechallel SchaboS waren und öffentlich Trefes aßen, und so jedes Vertrauen tn religiöser Hinsicht entbehrten. Die Mazzotbäckerei, von der in der Berichtigung erwähnt ist, bestand wohl, und wurde in religiösem Sinne geleitet, hatte jedoch gar keine Beziehung zu der israelitischen Gemeinde, welche sich um dieses völlig private Unternehmen niemals gekümmert hat. Was nun die Anschauung des Einsenders bezüglich des neu gegründeten Vereins betrifft, so soll es uns freuen, wenn die Ereigniffe der Zukunft einer optimistischen Auffassung Recht geben, und der Verein „sich jeder Einmischung in rituelle Angelegenheiten enthalten wird." Wir können, offen gestanden, aus der Befürchtung nicht erwehren — und diese Ansicht ist in hiesigen orthodoxen Kreisen die allgemeine — daß dieser Verein andere Bestrebungen und Ziele im Auge hat, als lediglich bei den Gemeindewahlen eine möglichst große Betherligung herbeizuführen — der Zweck liegt tiefer, wenn man ihn auch vorerst vielleicht sorgsam verhüllt, man will aus dem Gemeindevorstand die rechtgläubigen Mitglieder verdrängen, und neologe Männer an deren Stelle setzen; ob es keine immense unübersehbare Gefahr für die orthodoxe Sache ist, wenn Männer tn den Vorstand kommen, die aus ihrer Abneigung und ihrem Widerwillen gegen das „veraltete starre und finsterliche Judenthum" keinen Hehl machen, wollen wir ruhig unseren Lesern zu beurtheilen überlasten. Homburg v. d. H. Die Synagoge der hiesigen israelitischen Gemeinde ist soweit nachweisbar die zweite seit der Ansiedlung der Juden dahier. Laut einer Urkunde datirt Nürnberg St. Oswalts- Tag 1335, verlieh der deutsche Kaiser Ludwig der Bayer „dem Eteln Manne Gottfrieden von Eppinstein", dem damaligen Herrn der Burg und des Thaies Homburg („Hoenberg") unter anderm auch „Zehen gesesten Judden", welche sich hier ansiedeln sollten und „sal die haben und nießen als gewöhnlichen ist." Man darf wohl annehmen daß dies die ersten Juden waren, welche sich hier niederließen. Je nach Gunst und Ungunst der Zeitverhältniffe waren im Laufe der Jahrhunderte mehr oder weniger Juden hier ansässig, gegen Ende des 30jährigen Krieges z. B. ging ihre Zahl auf 7 zurück. Die hier angesiedelten Juden lebten stets in Frieden mit der Obrigkeit und ihren Mitbürgern und keine Judenverfolgung verunziert die Annalen der Hamburger Geschichte; es will dies sehr viel heißen zu Zeiten, wo dieser Sport allgemein von hohen und niederen Herren beliebt war. Im Jahre 1684 kommen die Juden zum ersten Mal darum ein, eine Synagoge halten zu dürfen, und wurde es ihnen gegen eine Abgabe von 24 Thalern gestattet, jedoch durste die „Schul" nicht an der Straße, sondern mußte im Innern eines der Judenhäuser sein. Es scheint keine eigens für ihren Zweck gebaute Synagoge gewesen zu sein, sondern nur ein gemiethetes Betzimmer, wenigstens kommen sie nicht um Concession zum Bau, sondern nur darum ein „Schul halten" zu dürfen. Erst im Jahre 1731 wurde die erste Synagoge dahier gebaut und 1732 eingeweiht. Zu den Kosten steuerte der damalige Landgraf Friedrich Jacob 250 Thaler in Form einer Anleihe bei, auch gestattete er die Erhebung von Collecten und ließ dieselben zollfrei passiren. Das Rabbinat wurde zur damaliger Zeit von Friedberg aus verwaltet. Als Anfangs der 60r Jahre dieses Jahrhunderts der Neubau einer Synagoge dringend wurde, war der hochselige Landgraf Ferdinand ein eifriger Förderer dieser Angelegenheit. Er steuerte sowohl aus privaten als auch aus Staatsmitteln

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