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Der Israelit · 1891-12-24 · Heft 100 (24.12.1891) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 100 (24.12.1891)
Date
1891-12-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1870 unserer heiligen Religion Hochhalten, bis wir, den Makkabäern gleich, den vollsten Sieg erringen. Oder dürfen wir uns etwa auf den Lorbeeren der Makkabäer-Siege sorgenlos ausruhen? Ein Blick auf den Hintergrund dieser Siege belehrt uns eines Andern. Antiochus Epiphanes, jener wahnwitzige Fürst, der seinen Namen in die Geschichte Israels mit Blutschrift eingezeichnet, wollte den hellenischen Geist zur Weltherrschaft bringen und darum auch Israel, dessen Religion ihm als eine herausfordernde Verhöhnung des Grtechenthums erschien, mit allen Mitteln der Verlockung und mit allen Schrecken der Gewalt zur Anerkennung seiner Götter verleiten und zwingen. Es war nicht der syrische König, welcher Israel als Feind entgegentrat, sondern der griechische Geist, es war ein Zweikampf nicht zwischen Israel und den Syrern, sondern zwischen Judenthum und Griechenthum, (daher nyitnn p') zwischen dem vollendeten Menschen- und dem höchsten Gottesgeiste. Und das Griechenthum machte gar gewaltige Fortschritte. Die Spitzen der jüdischen Gesellschaft huldigten dem hellenischen Geiste, waren es ja Priester von griechischem Geiste und griechischer Bildung, die den König zur Unternehmung dieses Bekehrungskrieges ermunterten! Und konnte der König sich nicht mit der Hoffnung schmeicheln, daß die von oben betriebene Hellenisirung, das böse Beispiel der in ihrem Leben und in der Erziehung ihrer Kinder dem Hellenismus mit Begeisterung huldigenden Großen und Intelligenten, im Laufe der Zeit auch die niedern Schichten der jüdischen Bevölkerung dem Judenthume entfremden und dem jüdischen Geiste die letzte Zufluchtsstätte rauben werde? Und siehe, gerade in dem Augenblicke, als es schien, die Stunde des jüdischen Geistes habe geschlagen, und der hellenische Geist über den jüdischen zu triumphiren glaubte, mitten in der Getstesnacht loderte plötzlich im Herzen eines Greises die Flamme der reinen Gottesbegeisterung auf und diese eine Flamme entzündete ein Flammenmeer im Herzen des jüdischen Volkes, und der jüdische Geist erhob sich aus der tiefsten Finsterntß zum hellsten Lichtglanze. Seit jenen ruhmreichen Stegen der jüdischen Gotteskämpfer sind zwei Jahrtausende in das Meer der Vergangenheit hinabgeströmt, haben sich im Leben den Völker und Staaten mächtige Umwälzungen vollzogen, das syrische Volk ist von seiner Höhe gestürzt und das jüdische nach allen Richtungen der Windrose zerstreut worden, und dennoch dünkt es uns, als hätten die Makkabäerkämpfe erst in der jüngsten Vergangenheit stattgefunden, ja, als fänden fie ihre Fortsetzung in unseren Tagen. Und wahrlich, dies ist kein Produkt einer überreichen Phantasie, sondern vollste Wahrheit. Unsere Zeit, mit allen ihren Strömungen, gleicht auffallend der makkabäischen. Das heutige Israel, wie das zur Zeit der jüdischen Freiheitskriege, hat viele Feinde, der größte aber ist heute wie damals, das Griechenthum. Die rohen Angriffe unserer rohen Feinde haben wir nicht zu fürchten, sie müssen an der Erhabenheit des Jubenthums scheitern. Unsere vollste Aufmerksamkeit und Energie jedoch fordert der moderne HellrniSmus, der sogenannte strömende Z itgeift, welcher bet reiflicher Erwägung nicht blos viele Berührungspunkte mit dem makkabäischen Hellenismus aufzeigt, sondern geradezu mit demselben identisch ist, mit dem alleinigen Unterschiede, daß er in modernem Gewände und mit verjüngter Kraft auftritt. Judenthum und Hellenismus sind die beiden Pole, zwischen denen die Menschheit in ihrer religiösen Entwickelung schwankt, alle andere Richtungen sind nichts anderes als schwächliche Vermittelungen, die nichts bringen, als das alte unter neuem Namen. Unsere heutige Bildung ist griechisch, hellenisch, die ideale Welt, welche in unseren Schulen den Kindern gezeigt und von ihrer Einbildungskraft als nachahmendes Muster ausgenommen wird, ist dem klassischen Griechenthum entnommen. Die Patriarchen müssen ihre Stelle den myttschen Heroen, dieser nach Genuß strebenden Gesellschaft, räumen, und die Propheten den griechischen Klassikern. Auf Schritt und Tritt begegnen wir dem hellenischen Geist und dieser ist ein gar gefährlicher Gegner! Seine einschmeichelnde Sinnlichkeit besticht das Auge, und seine Kunst und Poesie bildet eine reiche Quelle zur Befriedigung des Geistes und Gemüthes. Die Spitzen der heutigen jüdischen Gesellschaft huldigen, wie einst, dem modernen Hellenismus, und das von oben kommende Beispiel beginnt die Glaubenstreue auch in den untern Schichten des Volkes zu erschüttern. Wie zur Zeit der Makkabäer, so giebt's auch heute viele, die getrieben von eitler Sucht zu glänzen, gelockt von zeitlichem Gewinne und lüsternen Begierden folgend zu Verräthern an ihrem ererbten Glauben werden. Und ist die Gefahr vor dem modernen Hellenismus nicht viel größer als zur Zeit der Makkabäer, da wir beme einen Ueberfluß an Hellenisten, aber großen M.ngel an Makkabäern haben? Wohl haben wir auch heute Makkabäer, aber oft nur solche, die in jedem Momente bereit sind, sobald das Gottesgesctz ihrer Bequemlichkeit Hindernisse in den Weg legt, dieses lärmend zu zetrümmern, nicht aber solche, die, wenn auch nicht mit Makkabäerthat, sodoch mit Makkabäergeift dem modernen Hellenenthum entgegentreten.

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