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Der Israelit · 1891-12-21 · Heft 99 (21.12.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 99 (21.12.1891)
Date
1891-12-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1859 befindet er sich jetzt, Cipe?" „Es schadet nicht," erwiederte der Schedimbanner, „ich Hab' sieffchonßhinausgetricben! Das war ihre Arbeit, ihr Werk. Du kannst die Alte fragen, sie versteht jedes Wort, wir hatten in unserem Leben schon genug mit den Schedim zu thun. . „Es ist wahr, wahr," erwiederte die Alte, mit ihrem Kopfe schüttelnd, „was wahr, ist wahr, das ist ihr Werk." „Bei Gott, ich weiß gar nicht" sagte die Mutter zu mir gewendet, „wieso Du zu solchen Sachen, solchen wilden Träumen und wüsten Redensarten gekommen. Ich glaube, das muß von den Büchern kommen, welche du so gründlich studirst. Habe ich doch mehr als einmal zu dir gesagt: Srulchcn, wozu brauchst du die ganze Prüfung? Verschlage dir nicht den Kopf mit diesen dummen Büchern und diesen verrückten Mährchen. Ist denn das ein Spaß durch längere Zeit solch widerliche Geschichten laut zu wiederholen? Von irgend einem „Nachtigall- Räuber", von berühmten Rittern, die so viel Schnaps wie Jordans Gewässer tranken, Eichenbäume wie Haare entwurzelten; von Zauberern und Migären, von solchen, die die Welt verdrehen und deren Pferde wie Menschen sprachen, von einer Urgroßmutter, die ihren Enkel in einen Schafbock verwandelte, sind derartig dumme Sachen, die „weder Hand noch Fuß" haben. Ich bitte dich, was für Nutzen kann man vom Erlernen eines solch confnsen Zeuges haben?" „Warte, liebe Mutter," sprach ich, „existiren denn bet uns nicht solche Mährchen? Du selbst hast mir doch solche erzählt und von Anderen habe ich derartige Geschichten gehört und auch bei uns wird viel von Seelenwanderungen gemunkelt." „Ich schwöre bei meinem Barte und Peoth," mengte sich der Beschwörer ins Gespräch, „daß ich selbst viele Dämone ausgetrieben habe. Ich habe sie schreien gehört, daß ich so die Posaune des Messias hören soll." „Sind denn das Spässe oder was?" ergriff auch Frau Breindel das Wort, eine fromme Miene anneh nend, „cs steht ja irgendwo geschriebenen!) das ist eine ganz gewöhnliche Sache. Die ganze Welt ist voll dieser Erscheinungen. Und hat sich bei uns vor drei Jahren kein derartiger Fall mit einer schwarzen Katze zugetrageu? Es war ungefähr drei Jahre nach meiner Verheirathung mit meinem zweiten Manne (Ruhe seiner Asche), gerade damals, als ich meiner Entbindung mit meinem kleinen Chaskiel (lange soll er leben) entgegensah; ich erinnere mich sogar, in der Gasse wurde das verkündet, daß verheirathete Frauen darauf nicht schauen sollen..." „Hörst du liebe Mutter," sprach ich, „hörst du, was der Beschwörer und Beile erzählen?" „Aber mein Srulchen," erwiederte meine Mutter etwas befangen, „fürwahr, unsere Mährchen sind doch was anderes. Wohin bist du nur gerathen? Wie kann man nur solche Vergleiche anstellen? Jene find unrein und unsere rein." „So ist es, so wahr ich Bart und Peoth trage!" stimmte der Teufelsbanner bei. „Das war eine vorzügliche Antwort, Cipe, bei Gott, so wahr wie mein Gewissen." „Und was wollt Ihr?" fragte ich das alte Weib, da ich sah, daß unser Disput zu keinem Resultate führen und daß ich wiederum für besessen gelten kann. „Recht so," erwiederte sie, mit dem Kopfe wackelnd, „das Alles ist ihr Werk, das der Kobolde." --- * Es verstrich eine gewisse Zeit und alles, was in jenen fatalen Tagen mit mir vorgegangeu, begann sich in meinem Gedächlniß zu verschleiern und zu verwischen. Gott fügte es so, daß die Leute, welche sich so gerne mit anderer Gelegenheit beschäftigen, einen andern Gesprächsstoff bekamen und stait meiner, wetzten sie an anderen Leuten ihre Zunge. Unsere Stadt ist doch ziemlich groß und so kommt täglich etwas Neues aufs Tapet; Gort sei Dank, es gibt zu klatschen. Wenn einem nur die Gesundheit nicht verläßt, so fehlt es ihm auch nicht an fremden Sachen. Die würden, glaube ich, für die Müßiggänger der ganzen Welt ausreichen. Ich nahm wieder meinen Unterricht auf, arbeitete, „büffelte" und lernte, bis der Prüfungstermin herannahte. Eines schönen Frühlingsmorgens fuhr ein mit einer Plane bedeckter Wagen vor, mit welchem ich mich zur Prüfung nach Dniepronic begeben sollte. Meine Mutter war sehr traurig und sorgenvoll, die Augen waren ihr voll Thränen, sie weinte fortwährend und fixirte mich, sie schaute mich an und weinte wieder. „Weine nicht, Mutter", bat ich, obwohl es mir selbst weinerlich und schwer zu Gemüthe war. „Weine nicht, Mutter! Ich fahre doch nicht Gott weiß wohin! Ich muß diesen Tanz, der mich so viel Anstrengung und Arbeit kostet, endlich beendigen. Gott wird helfen und meine Wünsche werden in Erfüllung gehen. Ich werde mein Brod auf eine ehrenhafte Weise verdienen, werde den übrigen Menschen gleichgestellt sein und du, Mutter, wirst an mir deine Freude haben. Weine nicht, ich bitte dich, Mutter, weine nicht!" „Ach, Srulchen", erwiederte sie, „dir ist gut reden; wenn ein Mutterherz aber zu weinen beginnt, kann man es nicht so leicht beschwichtigen, denn es weint nicht umsonst, nicht ohne Grund. Es hat Vorahnungen, Befürchtungen, die Niemand mit dem Verstände erforschen kann! Ich bitte dich, Srulchen

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