Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 99 (21.12.1891)
- Date
- 1891-12-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1856 Das Landrabbinat. das seinen Sitz zu Witzenhausen, vom Jahre 1772 an zu Cassel hatte, hatte die Entscheidung in allen C vilgerichtssachen der Juden unter sich. Es hatte ferner die Verpflichtung, für die religiöse und geistige Erziehung sowie für das materielle Wohl der Waisenkinder zu sorgen. — Der Rabbiner hatte auch einer Jeschiwah vorzustehen, deren Kosten aus der Talmud-Thora- Kasse gedeckt wurden, zu der jeder nach Vermögen beizusteuern hatte. Der Talmud-Thora-Kasse, die heute noch unter dem Namen „Israelitische Provtnzialschulkasse" besteht, verdanken das Lehrerseminar in Cassel, sowie viele andere Schulen ihre Entstehung. Auch das Armenwesen wurde durch den Landtag geregelt, und auch die religiösen Einrichtungen der Gemeinde bildeten zeitweilig den Gegenstand der Verhandlungen. Schließlich war es auch das soziale Leben der Juden, dem der Landtag seine Fürsorge zuwandte, und namentlich suchte er durch Verordnungen dem Luxus in der Kleidung bei Festlichkeiten u. dgl. entgegenzutreten. Auch das Verbot des Spielens, von dem nur das Schachspiel ausgenommen war, darf zu dieser Sozialgesetzgebung gerechnet werden. So war der Landtag das einigende Band, das die Juden nicht nur im Interesse des Staates, sondern auch zum Besten ihrer eigenen materiellen und geistigen Interessen zu einer Gesammtgemeinde vereinigte. — Mit dem Jahre 1806, mit der Errichtung des Königreichs Westfalen, dem Einzuge der Gleichheits- und Freiheitsideen in die deutschen Lande, hatten die Landtage ihr Ende erreicht. Im Jahre 1818 wurde das Schutzgeld offiziell aufgehoben und aus den Schutzjuden wurden israelitische Staatsbürger. — Diese Geschichte unserer Ahnen aus jüngst vergangener Zeit gibt uns auch das Verständniß für die Gegenwart, für so manche Eigenarten, die den Juden naturgemäß anhaften, sie gibt uns auch das Verständniß für die politischen Bewegungen der neuesten Zeit, für die schweren Kämpfe, die wir für unsere theuersten Güter, für Religion und Vaterland, aufs neue aufzunchmen genölhigt wurden. Aber wenn auch die Wogen des Antisemitismus immer höher nud höher schwellen, so dürfen wir dennoch den Muth nicht sinken lassen; denn Wahrheit und Recht, die Grundsätze der Zivilisation und Humanität, werden sicherlich über Rohhheit und Barbari den Sieg davontragen. Die durch viele witzlge Bemerkungen gewürzten Ausführungen des Redners, welche manche kulturhistorisch sehr interessante Momente enthielten, erfreuten sich der ungetheilten Aufmerksamkeit der Zuhörer und ernteten reichen Beifall. Altona, 17. Dezember. Die Commission für die Wahl eines OberrabbinerS an Stelle des hochbeliebten Oberrabbiners Dr. I. L ö b hat am Mittwoch beschlossen, folgende drei Herren den Gemeindemilgliedern zur Wahl vorzustellen: Dr. Bähr, Prenslau, Dr. S t i e b e l, Straßburg W.-Pr., Dr. Rosen selb, Ungarn. Die Probepredigten werden im Anfänge des nächsten Jahres ftattfinden. Aurich, 15. Dezember. Es ist erfreulich, wenn reiche Glaubensgenossen auch in der Ferne der Heimath gedenken und durch schöne Gaben ihre Anhänglichkeit an den angestammten Glauben befugen. Der vor ca. 35 Jahren von hier nach Chicago ausgewanderte, jetzt in Cincinatti wohnende Herr Uri Ros ent hal hat nicht nur vor einigen Jahren der hiesigen Gemeinde und derjenigen seiner Geburtsstadt Esens eine silberne Krone zum Schmucke der Thora geschenkt, sondern auch kürzlich wieder der Gemeinde Esens 1000 Mark zu wohlthätigen Zwecken übersandt. Nach einer mir vorliegenden amerikanischen jüdischen Zeitung zählt Herr Rosenthal zu den wenigen streng orthodoxen Juden in Cincinatti; als Beweis hierfür bringt dieses Blatt eine ausführliche Beschreibung der von demselben während des verflossenen Hüttenfestes prachtvoll geschmückten Sukoh. I. E. Cohen. Aus Mittelfranken. Anschließend an das Eingesandt aus Mittelfranken in der zweiten Beilage von Nr. 96 des „Israelit und Jeschurun" möchte mir erlauben, noch Folgendes zu bemerken: Was in jenem Artikel von nra gesagt ist, gilt jedenfalls auch von Auf dem platten Lande siebtes mit dieser hohen und wichtigen mso, welche bv iddd steht, oft sehr traurig aus und wird vielfach vernachlässigt. Wenn nicht etwas an den pb'vn zerrissen ist, werden dieselben bei den meisten Leuten niemals nachgesehen, auch werden sie nicht geschwärzt, wenn durch die Länge der Z it die dtq und royisn gelb geworden und daher *>ids sind. Auch möchte ich bei dieser Gelegenheit die Leute auf dem Lande vor manchen Händlern warnen, von welchen sie um einen billigen Preis und mrra kaufen, unbmrro dürfen nur von einem Manne, von dem man gewiß weiß, daß er gottesfürchtig und ein anerkannter ibid ist, gekauft werden. I. K. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, l7. Dezember. Das Jungczechen-Organ „Narodny Listy" bringt einen gegen die Handelsverträge gerichteten Artikel, von dem sie behaupten, er sei ihnen von der antisemitischen Partei in Berlin zugesendet worden. Der Artikel bekämpft leidenschaftlich die Handelsverträge unter den heftigen Ausfällen gegen die Deutsch-Oesterreicher, die Juden und das Kapital.