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Der Israelit · 1891-12-21 · Heft 99 (21.12.1891) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 99 (21.12.1891)
Date
1891-12-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1854 Namen der Menschlichkeit man den Brüdern verstauen wolle, ein jeder nur einen der Armen der elenden Brüder in sein Haus aufnehmen zu dürfen, damit er von dem Bruder gepflegt und unterstützt werde, damit der Bruder — kein Fremder — sein Brod mit ihm theile — mit andern Worten: Ist der Versuch seitens der gelammten Judenheit gemacht worden, die Erlaubniß zu erwirken, in vorsichtiger Vertheilung der unglücklichen russischen Flüchtlinge auf die verschiedenen Erdtheile, Länder, Provinzen, Städte und Ortschaften, den Glaubensgenossen die Niederlassung zu gewähren unter Bürgschaft der Judenschaft, daß sie weder der staatlichen noch gemeindlichen Armenpflege zur Last fallen werden? So lange ein solcher Versuch nicht unternommen ist, so lange hat die Judenheit der Bruderpflicht gegen die Unglücklichen nicht Genüge geleistet. Und weil man diesen Versuch nicht unternommen hat, und weil eine Anregung dazu weder im Central-Comite noch in der Delegirteu-Versammlung gegeben worden ist, und weil man sich dagegen sperrt, da es aussichtslos sei, trotzdem alles Andere, was geschehen und ms Werk gesetzt ist, ttzeils als abenteuerlich und theils als nicht minder zweifelhaften Erfolgs zugeftandener Maßen erscheint, so bleibt allerdings keine andere Erklärung für die Unterlassung als die Befürchtung, derselbe könnte, wenn ernstlich und geschickt unternommen, vielleicht nicht ganz ohne Erfolg sein. Wir haben es für unsere Pflicht erachtet, in der gegenwärtigen ernsten Phase der jüdischen Geschichte unserer Ansicht von der Unzulänglichkeit der bisher entfalteten Tbätigkeit der gesammten Judenheit, von der mangelnden Befähigung der bisherigen Leitung des Hülfswerks, wie der geringen Opferfreudigkeit und Hingebung offenen Ausdruck zu verleihen. Möge unsere Stimme nicht ganz ungehört verhallen.- Zeitungsnachrichten and Correspondenzen. D e u t s ch l a n.d. 8. Frankfurt a. M. Vielen Leidenden, welchen ein Aufenthalt an einem Winterkurort als notwendige Bedingung zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit verordnet ist, wird es angenehm sein zu erfahren, daß die Verwaltung des jüdischen Kurhauses in Soden i. T., welches im Sommer Kranken unentgeltlich seine Pforten öffnet, dasselbe auch in diesem Winter als Winterstation gegen Vergütung des Selbstkostenpreises offen hält. Wer einmal in der Lage war für sich oder einen der Seinigen einen Winterkurort aufsuchen zu müssen, der die doppelte Sorge hat, wie die großen Kosten zu erschwingen seien, und, wenn ihm dieses auch möglich gewesen wäre, wo der Platz zu finden sei, der dem Gesetzestreuen in Beziehung auf streng rituelle Verpflegung keine Skrupel verursachen dürfte: der wird die Größe der Wohlthat ermessen, welche die treffliche und nur von Menschenliebe geleitete Verwaltung unfern Glaubensgenossen durch ihr erwähntes Vorgehen erweist. Auch solchen, die nicht über große Neichthümer verfügen, und denen die Fortsetzung ihres streng religiösen Lebens die größte Beruhigung in Krankheitsfällen gewährt, ist in den schönen Räumen derKuranstalt des ruhigen gegen Nordwinde geschützten Taunusbades in der 'Nähe Frankfurts Gelegenheit geboten, sich rituell und gut verpflegen zu können. Die Preise sind minimal, die Kost ist eine vorzügliche, und da Schwerkranke nach dem Statut keine Aufnahme finden dürfen, so ist den Kurgästen der Anblick schwerer Leiden, der den eigenen Gesundheitszustand verschlimmern könnte, erspart, was um so wichtiger ist, als ja die Winterszeit die Insassen den größten Theil des Tages auf den Aufenthalt im Hause anweist. Ein schöner Saal, in dem auch für gesellschaftliche Unterhaltung gesorgt ist, versammelt die B.wohner des Hauses zur angenehmen Unterhaltung oder gesellschaftlichem Spiel, und wer bei guter Witterung das Freie vorzieht, ohne gerade einen Spaziergang machen zu wollen, dem bietet die prachtvolle Veranda einen angenehmen Aufenthalt. Es haben sich bereits einige Wintergäste eingefunden: Herren wie Damen, in deren Gesellschaft, wie Schreiber dieser Zeileu es aus eigener Kenntniß versichern kann, sich recht angenehm leben läßt. Nähere Auskunft über die Preisbedingungen und die Hausordnung ertheilt der Vorsitzende der Verwaltung, Herr Michael M. Mainz jr., Ostendstraße 6 in Frankfurt a. M., der auch die Aufnahme vollzieht. Sämmtliche Nedactionen jüdischer Blätter werden ersucht, diesen Artikel abzudrucken. Frankfurt a. M. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach am vorigen Montag Abend Herr Rabbiner Dr. L. Munk aus Marburg über den „Judenlandtag in Hessen-Cassel." Wie der Redner mit Recht im Eingang bemerkte, gehören die Judenlandtage, welche während dreier Jahrhunderte in einer Reihe deutscher Staaten in regelmäßigen Zwischenräumen stattfanden, zu den wenigst bekannten Vorgängen in der jüdischen Geschichte, trotzdem sie auf die innern Verhältnisse der Juden den größten Einfluß ausübten. Sie sind wohl zu unterscheiden von den Gemeindelandtagen, die vom Rabbiner berufen wurden: diese gingen aus der Initiative der Gemeindm hervor, die zu denselben ihre Deputationen schickten. Die Judenlandtage dagegen wurden von dem Landesherrn berufen, und sämmtliche jüdische Familienhäupter mußten zu denselben erscheinen.

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