Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 99 (21.12.1891)
- Date
- 1891-12-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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MM1. M 99» Israelit«»Jeschumn. Zkttstzrlst jot Mkiooz iiü. Skillkß 00& m. Deos io §008. Gmeiode ood Zlholk. Hentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. AM" Fernsprechanschluß unter Nr. 315 nach Darmstadt, Frankfurt (Main), Bockenheim, Hanau, Wiesbaden, "WE Offenbach (Main), Heidelberg und Mannheim. Montag, den 21. Dezember 5652 Da mit dem 1. Januar 1892 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten >M "V Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleidet. Leitender Artikel. Das deutsche Central-Comitv und die Aetegirten-Wersammlung. Von Isaak Hirsch. (Schluß.) Es ist in hohem Grade befremdend, daß, wie Herr Karl Emil Franzos im Namen der Kolonisations-Kommission mittheilte, diese erst am 16. September gewählt worden ist, während die Beförderung der jüdischen Flüchtlinge von Deutschland aus bereits seit Monaten im Gange war. Man hätte erwarten sollen, daß es die allererste Aufgabe des Eentral-Eomitss gewesen sein müßte, die Frage ins Auge zu fassen, wohin denn mit den Unglücklichen? Es kann doch wahrlich nicht genügen, diese Armen und Elenden lediglich möglichst weit fort zu senden, damit Deutschland und Europa nicht den Untergang dieser Menschen schauen, denen keine andere Schuld beizumessen ist, als daß sie Juden uud der angestammten Religion treu zu bleiben entschlossen find. Und wenn man nun den umfangreichen Bericht dieser Kolonisations-Kommission des deutschen Eeutral-Eomit^s auch nur einer flüchtigen Uebersicht unterzieht, so wächst dieses Erstaunen. Diese am 16. September gewählte Kommission, die erst am 19. September ihre erste Sitzung abhalten konnte, befindet sich schon am 21. Oktober in der Lage ein endgültiges Urtheil dahin abzugeben, daß auf der ganzen weilen Erde dem deutschen Eentral-Eomitö lediglich die Provinz Sao Paulo in Brasilien für diesen Zweck zu bezeichnen sei, wo eine Kaffeeplantage für 100 Familien zu gründen sei mit einem Kostenaufwande von 1,200,000 Mark! Sie hat die ganze Welt in dem kurzen Zeitraum von knapp drei bis vier Wochen durchforscht, um zu diesem Ergebniß zu gelangen, das mit der zuversichtlichsten Miene unter dem Beifall der Versammlung verkündet worden ist. Eine solche Leistung dürfte einzig dastehen! Die Entscheidung für eine Sommerfrische dürste mancher Familie schwerer fallen und einer längeren Erwägung unterzogen werden. Und dabei hat sich die geniale Kommission nicht verhehlt, daß die „Roth unendlich groß" ist, und dabei bekennt sie durch den Mund ihres Berichterstatters: „Wer, wie wir, die Unglücklichen zu befördern hat, wer sie täglich steht, dem muß auch mit doppelter Wucht die Frage auf's Gewissen fallen: Wir schicken sie aus dem Dunkeln ins Dunkle! Was wird aus ihnen?!" Uud dabei hat sie ferner es aussprechen lassen, daß „nur der Leichtsinn die Möglichkeit ausschließen kann, daß wir für Hundertu. aber Hunderttausende, f ür e i n e Million Menschen und darüber zu sorgen haben werden"!? Wie man angesichts dieser entsetzlichen Thatsache, deren Keuntniß dem deutschen Central-ComitS und der Delegirten-Veisammlung ja in voller Evidenz gegenwärtig war, der Wirksamkeit und d,m Gerste, in welchem diese sich enlfaltete, zustimmende Anerkennung zu zollen vermag, ist mir unbegreiflich. Man hat ja nicht einmal den Versuch gewagt, dieser Million und darüber wirkliche Hülfe zu bereiten. Ist denn schon irgend ein gemeinsamer Schritt bei den sämmtlichen Regierungen civilisirter Staaten geschehen, um den Nothschrei der Million als das eigne Weh der glücklicheren Glaubensgenossen in die dringende Bitte zu kleiden, daß im