Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 98 (17.12.1891)
- Date
- 1891-12-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1838 beiden so weit abliegenden Sprachen liegt ein ganz eigenthümlicher Reiz, der auch aus der Uebersetzung, die nur das Hebräische in modernem Französisch, das Provcnralische aber blos in getreuer Transscription wiedergibt, erkennbar ist. Das Büchlein dürfte daher nicht nur, wie der Vers, meinte, für die Fölibristen, d. i. die Mitglieder jener Vereinigung slldfranzösischer Gelehrter und Dichter, welche, angeregt durch den neuproven?alischen Dichter Freder Mistral, sich zur Belebung und Pflege dieser Literatur gebildet hat, sondern auch für weitere Kreise von Interesse sein. Obwohl einem allgemeinen Ritus angehörig und nur in chaldä'ischer Sprache gehalten, ist auch das Lied „Ein Zicklein", das an den beiden ersten Abenden des jüdischen Osterfestes gesungen wird, ausgenommen, und zwar weil es in der bezeichneten Gegend bei Tische ins Proven^alische übersetzt wird. Es ist ein einfaches Liedchen, das an dem Schicksal eines Zickleins die vergeltenden Folgen, die sich durchs Leben der Menschheit schlingen, zeigt, — es gibt immer eine Macht, die stärker ist als die andere, bis hinaus zur höchsten, der Gottheit, die Jedem nach seinen Werken zutheilt. „Ein trostreicher Gedanke für die Opfer der Gewalt und der Ungerechtigkeit! Eine Quelle der Kraft und des Muthes für die Race, die, immer unterdrückt, ihre endliche Unabhängigkeit den Wohlthaten dev modernen Civilisation verdankt," lauten die Worte Dom Pedro's über dieses Gedicht. In der Einleitung gibt der verstorbene Kaiser außer Bemerkungen über Zeit, Sprache, Metrik der Poesien auch interessante Aufschlüsse über die Geschichte seiner hebräischen Studien, die zunächst nur unternommen wurden, die Geschichte und die Literatur der Hebräer und besonders die Dichtung und die Propheten besser zu verstehen. In derselben theilt er auch mit, baß er an der ersten portugiesischen Ucbersetzung von „Tausend und Eine Nacht" nach dem Original arbeite, die jedoch noch nicht weit vorgerückt sei. Die Wissenschaft wird dem Gelehrten gewiß ein dankbares und freundliches Angedenken wahren. Eine auffallende Hlaschi, mit Charnrka in Bezug stehend. Raschi in seinem Commertar zu Deut. 33,11. erwähnt »NJicffn »33 Demnach hätte der Chaschmonäer (d. i. Mathitja) zwölf Söhne gehabt und dazu noch einen Elasar (?). Die Geschichte hingegen (iMakabäerMegil. Antioch.) kennt blos fünf Söhne des Mathitja, nämlich: Juda, Jochanan, Jonathan, Simon, Elasar. Aus welcher Quelle mag daher der genaue Raschi seine Angabe hier geschöpft habend Im Midrasch (Rabba Genes. 99) finden wir wohl: nVsu p rrate 'o ts ’NjiDtcm »ja V3, aber nichts von 3"». Noch weniger wird das von Berliner zur Stelle aus Midrasch Chanuka Zittrte als Quelle gelten können, da es, zu unhtftorisch, dem Chaschmonai (Mathitja) sieben Söhne und wieder dem Priester Jochanan (doch ebenfalls Mathitja d) drei Söhne zutheilt. Außerdem wer ist mit Elasar gemeint? — Dr. Ba. Feu ille ton. Die Schindmähre. Ein Allegorie. Bearbeitet und ins Deutsche übertragen von S. H o r o w itz. (Fortsetzung.) Es drehte sich alles um mich, wie die Flügel einer Windmühle. Alles, was ich mit meinen eignen Augen gesehen, und mit meinen Ohren gehört hatte, alles erschien mir verkehrt, umgestülpt. Alle Geschöpfe vermengten sich, ineinander übergehend; es kam mir vor, daß nichts das ist, was es zu sein scheint, und daß die äußere Form dem Inhalte nicht entspricht. Wahrscheinlich haben die Indier, welche glauben, daß diemenschlichen Seelen in verschiedene Thiere übergehen, Recht. Die ganze Welt ist voll Seelenwanderungen. Die in manchen Büchern sich vorfindende Erklärung, daß es deßhalb Gott angenehm sei, wenn man am SchabbeS Fische verspeist, weil auf diese Weise das Schicksal der im Fische eiugekerkerten Seele sich verbessert, könnte man fast für wahr halten; wenn es so ist, dann hat die Welt eine ganz andere Physiognomie, man muß dieselbe von einem ganz anderen Gesichtspunkte betrachlen, nur jede Sache anders auffassen. Es ist leicht möglich, daß im Menschen ein Hund sich befiubet und vice versa. Ein Pfund frischer Fische kann eine noch zuckende Menschensecle sein. In dem auf der Schüssel liegenden fetten Karpfen kann sich eine„baal-Taxe" J) mit Pfeffer und Zwiebel präparirr befinden. Wenn es so ist, kann man sehr leicht, verschiedene aus die Bestimmungen und Gebräuche vieler Menschen bezughabende Fragen beantworten. Man kann leicht wissen, woher bei uns die Thoren, Bigotten, Batlunem (Klausner) Bestechlichen, Pächter der Gemeindetaxcn, Gemeinde-Aelteste, verschiedene „Wohlthäter", „Stadterben" *) die Aristokraten, die „achtbaren" Leute, Tänzer, Tellerlecker und Klatschbrüder kommen. Man könnte begreifen, wer sie seien, woher sie entstammen und was für Ziel sie unter uns unglücklichen, sündigen Menschen verfolgen ... Bon diesem Gedanken wurde es mir im Kopfe so wirr, daß ich nicht einmal weiß, aus welche Weise ich nach Hause gelangte, was dort mit mir geschah und wie ich mich zur Ruhe begab. Als ich aber erwachte erblickte ich meine Mutter bei meinem Bette sitzend und etwas abseits ein altes christliches Weib 1) Gemeindevorsteher, welche die Taxe für rituelle Zwecke ausschreiben und in russischen Gemeinden sich große Prellereien zu Schulden kommen lassen sollen. 2) Eigentümer der Gemeindemonopole.