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Der Israelit · 1891-12-17 · Heft 98 (17.12.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 98 (17.12.1891)
Date
1891-12-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1839 und einen Mann. „Wie fühlst du dich, Srulchen" fragte mich meine Mutter mit verweinten Augen „befindest du dich schon etwas besser?" „Wie? wie ich mich fühle?" antwortete ich erstaunt, „ich fühle mich gesund wie früher." „Gott sei Lob und Dank," rief meine Mutter voller Freude. „Du mein Kind warst sehr krank und wir waren besorgt, daß du, Gott behüte, für immer deiner Sinne beraubt bleiben wirft." Das alte Weib flüsterte etwas uud gähnte einigemal ihren Zahnlosen Mund aufreißend, der Mann machte sich im Winkel zu schaffen, verdrehte die Augen, schnitt komische Gesichter und Grimassen, stampft mit den Füßen, als schlage er sich mit einem unsichtbaren Wesen, und um mir die vermeintlichen Dämone auszntrciben, sprach er eine lange, grausige Beschwörungsformel, die ich aber nicht für uöthig erachte hier zu wiederholen. „Was geht da vor" fragte ich, als er zu Ende war, verwundert „was geschieht da?" „O, daß das, was hier geschehen ist, nicht mehr wiederkehre", antwortete die Mutter. „Du hast uns vor einigen Tagen mit deinem Sprechen schier die Seele genommen. Es soll in diesem Hause gar nicht mehr daran gedacht werden." Und der Mann im Winkel begann wiederum seinen hokus pokus, sprach unverständliches Zeug und das Weib schien ihm zu accompagniren, und ich ward von dieser Scene ganz perplex. Ich ersuchte die Mutter, sie möge mir erklären, was eigentlich vorgefallen sei uud wo ich mich befinde. Die Mutter wischte sich die verweinten Augen und Hub wie folgt an: „Als du vor einer Woche, wie du dich dessen noch erinnerst, ins Feld hinaus spazieren gingst und bis spät in die Nacht hinein, nicht heimkehrtest, gingen wir alle zur Stadt hinaus, zerstreuten uns nach verschiedenen Richtungen, um dich zu suchen. Wir suchten dich lange, lange, bis wir dich endlich unter einem Baume in der Nähe des Straßengrabens fanden. Du warft sehr schläfrig und wie verwirrt. Tags darauf konntest du nichts in den Mund nehmen, warft in einem fort unruhig, nachdenkend und sprachst zu dir selbst solche Worte, wovon eins nicht zum andern kam. Wir konnten nicht begreifen, was das bedeute. Dann aber zeigte es,sich. Als du in den Hof hinaus gingest und unfern Hahn bemerktest, der sich eben mit einem zweiten schlug, zogst du die Mütze ab und sprachst zu ihm: Euer Wohlgeboren, Sie sind ein Gardist, tragen Sporen und einen schönen Helmbusch. Sie gelten in der Welt für gebildet, für sehr gescheidt, aber (Sie entschuldigen meine Freiheit) Ihre Handlungsweise ist gar nicht schön. Seitdem Sie bei uns wohnen, hört man nur Lärm und Spectakel, bald schlagen Sie sich mit diesen, bald mit jenen, und alles wegen Frauen, wegen eitler Sache. Spielen Sie denn täglich noch Roman, daß Sie noch einem zweiten seine einzige Gefährtin entreißen wollen? Was hat z. B. jener arme Schelm verschuldet, daß Sie ihn zum Duell gefordert und verwundet haben? Tragen Sie, mein Herrchen, denn dazu Sporen, damit einer dem andern die Augen auskratze? Und das nennt man noch bet euch eine Ehrensache! Gemäß der Meinung simpler Leute ist das eine einfache Räuberei! Erbarmen Sie sich Ihrer Frau! Sie trägt Sorge für ihre Kinder und Pflegt sie und Sie, mein Herr, wollen nichts anrichten, laufen den ganzen Tag hinter anderen einher und haben nur Dummheiten im Kopfe. Da gefallen mir der Gänserich und der Truthahnschon besser; sie gelten zwar für einfältige, philisteriöse Leute, aber sie benehmen sich sehr schön als gute Ehemänner und denken an ihre Frauen und Kinder, so ein Gott es geboten. Im Vergleich zu ihnen sind Sie nur zu „Kapores"-') gut. „Als du vom Hahne weggingest, nähertest du dich unserer Kuh, welche mit dem Kalbe am Futtertroge stand. „Ach! Frau Kuh, wie befinden Sie sich", riesest du, „wie geht's dem geschätzten Herrn Gemahl, dem Stier? Ihr Kostüni gefällt mir sehr, es ist modern und stark. Der sich Ihnen nachschleppende Schweif ist nach der neuesten Mode. Er steht den Damen sehr gut. Und Ihr Mann, immer so beschäftigt, so in Anspruch genommen? Man muß doch hie und da mit der Frau spazieren gehen und Besuche abstatten. Was soll eine Frau thun? Es scheint, Frau Kuh, daß die Frauen zu ernsten Beschäftigungen, zur Arbeit, so wie die Männer, nicht geschaffen sind. Wie komisch sieht es z. B. aus, wenn ein Mädchen kutschirt? Haben Sie mit unserer „Holländerin" schon eine Bekanntschaft angeknüpft? Ach, das ist eine hohe, schöne, feiste Dame! Im Auslande ist es ganz anders... Kosten Sie nur von diesen Confituren," sagtest du zu ihr, auf den Trog zeigend, „probiren Sie und traktiren Ihr Töchterchen. Geniren Sie sich nicht, Fräulein Kalb! Das ist sehr gut, daß Sie, Madame Kuh, Ihr Töchterchen immer um sich haben. Denn was geschieht aus solchen Mädchen, deren Erziehung die Mütter fremden Händen überlassen? Bet Gott, das ist nur Betrug! Trägt man Ihnen schon Parthiecn an, Fräulein? Es schadet nicht, bitte, schämen Sie sich nicht, es ist ja eine gewöhnliche Sache. Das Kalb ist gut, anständig, ganz wie die Mutter. Ich mache , Gott behüte, gar keine Komplimente, sondern sage die reine Wahrheit"! 3) Wörtlich: zur Sühne, dem Sinne nach zum Teufel.

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