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Der Israelit · 1891-12-17 · Heft 98 (17.12.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 98 (17.12.1891)
Date
1891-12-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1837 Allerrfteirr im November. Am 2. d. Mts. fand, wie Sie bereits kurz meldeten, die seltene Feier der 50jährigen Amtsthätigkeit des Lehrers und Predigers Herrn I Tonn Hierselbst statt. Dieselbe legte Zeugniß davon ab, daß es noch Gemeinden giebt, welche einem Manne, der sein ganzes Leben dem Dienste des Judenthums geweiht, Anerkennung zollen und Liebe und Verehrung entgegen dringen. Am Morgen des Festes wurde der Jubilar bei seinem Eintritte in die Synagoge, geführt von seinen Nachbarcollegen Hrn. Sturmann- Osterode, von Hrn. Kantor Karo mit den Gesängen “jro und mo no begrüßt und aus seinen geschmackvoll decorirten Sitz geleitet. Nach Beendigung des Gottesdienstes fand die eigentliche Feier in der Wohnnng des Jubilars statt. Von seinen Schülern wurde ihm ein Ehrengeschenk überreicht. Herr Sturmaun. ein langjähriger Freund des Jubilars, hielt die Festrede, in welcher er unter Zugrundelegung des 71. Psalms das Leben und Wirken des Gefeierten während des halben Jahrhunderts seines Amtirens in trefflicher und ergreifender Weise schilderte. Um 9 Uhr erschienen der Gemeindevorftand, die Herren Repräsentanten und die Mitglieder der Schulkommission zur Gratulation. Der Vorsitzende des Vorstandes hob die Verdienste des hier seit 29 Jahren wirkenden Jubilars in höchst lobender Weise hervor und eröffnete demselben den Beschluß der Gemeindevertretung, nach welchem er mit einer angemessenen Pension nunmehr in den Ruhestand versetzt werde, ihm gleichzeitig ein namhaftes Geschenk überreichend. Mit bewegten Worten drückte der Jubilar seinen Dank aus. In einer herzlichen Ansprache gratulirte nun Herr Rabbiner Weinberg-Insterburg im Aufträge des Verbandes der oftpr. Gemeinden und Hr. Karo im Namen der Neligionsschule. Nachmittags trafen die Herren Rabb. Dr. Bamberger und Oberkantor Birnbaum aus Königsberg ein. Ersterer hielt im Namen der Schulinspection eine längere gediegene Ansprache, in welcher er die Wichtigkeit des Tages und die Verdienste des Jubilars als Mitarbeiter der Schulinspection hervorhob. Unter den zahlreichen Gratulanten, welche während des Tages erschienen, waren auch die Directoren des Gymnasiums und der Töchterschule, in welchen der Jubilar den Religionsunterricht ertheilt; auch diese brachten gute Wünsche in herzlichen Reden dar. Um 3 Uhr fand in der Behausung des Herrn Tonn ein Diner statt, welches durch schöne und sinnreiche Toaste gewürzt wurde. Möge dieses seltene Fest dem Jubilar eine angenehme Erinnerung für den Abend seines Lebens sein, und möge es ihm vergönnt sein, noch viele viele Jahre inmitten seiner Familie glücklich zu leben, -tun. Aus Ungarn. Am 14. Cheschwan verschied in der Gemeinde Nagy-Tapolisang die Gattin des vor 7 Jahren verstorbenen Rabbi Pinchas Link Dieselbe hatte im Leben sich ungemein viel geplagt, damit ihr Gemahl dem Studium sorgenfrei obliegen könne, ihre Söhne selbst den mav zugeführt und ihre Töchter mit li"ri verheirathet. Einer ihrer Schwiegersöhne Rabbi I. Friedmann ist ein Enkel des berühmten Vf "iDiD onn, der zweite Schwiegersohn ist Rabbiner Rosenbaum in St. Georgen. An der Bahre der Verblichenen sprachen außer den zwei Söhnen die Herren M. Link aus Oszlany und B. Link aus Neutra, auch der Lieblingsneffe der Frau Link, Rabbi Jsak Schweiger. Pretzburg. Dieser Tage wurde die isr. Volksküche eröffnet. Am Eröffnungstage wurden 250 Leute, darunter 80 onina unentgeltlich verköstigt. Es war eine Freude zu sehen wie die hervorragendsten Gemeindemitglieder den Talmudjüngern die Speisen austrugen. Eine Mahlzeit bestehend in Suppe, Fleisch, Gemüse und Brod kostet 14 Kreuzer. Galgocz, (Freistadt a. d. Waag.) Auf dem Dachboden des behufs Restaurirnng nun demolirten Tempels der hiesigen Kultusgemeinde wurden einige vom Jahre yffpn (1773) batirtc hebräische Manuscripte vorgesunden, deren Schrift und Papier vom Zahn der Zeit völlig verschont geblieben und talmudische Responsa enthalten. Sie dürsten von dem um diese Zeit hier als Rabbiner fungirenden Rabbi Mordechai Deutsch herrühren, der auf dem hiesigen isr. Friedhofe seine letzte Ruhestätte gefunden, und als Verfasser des talmudischen Werks Trn in unter den Fachgelehrten als talmudische Kapazität sich eines hohen Ansehens erfreut. Da das erwähnte Werk mir von nupn handelt und das gefundene Manuscript auf ein anderes Thema Bezug hat, so steht es außer Zweifel, daß man es hier mit einer bisher noch nicht veröffentlichten Geistesarbeit zu thun hat. Lu passant sei hier bemerkt, daß die hiesige p"n in lobenswerther Weise die Grabstätten der seinerzeit hier gewirkt habenden und verstorbenen rabbinischen Größen pietätsvoll hütet und die Inschriften auf deren Grabsteinen erst jüngst reftauriren ließ. Ben - I ehu.dah. Paris. Die Nachricht vom Hinscheiden des Kaisers Dom Pedro von Brasilien, des edlen, milden Greises wird besonders in Gelehrtenkreisen, die in dem verblichenen Kaiser nicht nur einen jederzeit bereiten Gönner und Förderer der Wissenschaften, sondern einen rüstigen Mitarbeiter auf dem Gebiete der orientalischen Philologie verlieren, um so schmerzlicher empfunden werden, als der Verstorbene die gelehrte Welt erst vor ganz kurzem mit einer schönen Gabe seiner gelehrten Muse beschenkt und in der Vorrede zu derselben weitere Gaben in Aussicht gestellt hat. Es ist dies ein kleines, nett ausgestattetes Büchlein, das unter dem Titel: „PoSsies hebraicoprovengales du rituel IsraSlite Comtadin traduites et transscrites par 8. M. Dom Pedro II. d’A]Cantara. empereurdu Bresil“ in Avignon (SoguinFreres, 1891) vor Kurzem erschienen und von dem fürstlichen Verfasser an Gelehrte und Bibliotheken versendet worden ist. Wie der Titel besagt, enthält das Büchlein hebräisch-proveiwalische Dichtungen, die dem Ritus der israelitischen Gemeindendes sogenannten Comtat-Venaissin entsprechen, das ist der ehemaligen Grafschaft im südlichen Frankreich zwischen Rhone und Durance (Departement Vaucluse) mit der Hauptstadt Venasque. Hier sind auch alte Judengemeinden, und in denselben bildete sich ein Ritus mit eigenen Poesien heraus, die ganz im Geiste der Troubadour-Dichtung gehalten und mit ihrer Sprache durchsetzt sind. Das Interessante an den Dichtungen liegt darin, daß auf je einen oder zwei hebräische ein oder manchmal zwei Verse in provenealischer Mundart folgen, die den Gedanken fortspinnen. In diesem Wechsel der

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