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Der Israelit · 1891-12-17 · Heft 98 (17.12.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 98 (17.12.1891)
Date
1891-12-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1835 Zeiturrgsvachrichterr ««d Eorrefpoudeuzeu. Deutschland. Mainz, 15. Dezember. „Wisse, was Du dem Abtrünnigen zu erwiedern hast," sagen unsere Weisen. Dieselbe Regel, die hier in Bezug auf den inneren Feind aufgestellt ist, gilt auch für den äußeren. Wenn man uns mit Behauptungen kommt, daßdieJuden oder der und jener Jude irgend etwas Schlimmes verbrochen habe, und wir mangels genügender Information es anhören und dazu schwelgen müssen, so hat der Gegner schon einen kleinen Sieg davon getragen. Können wir ihm aber an der Hand von Thatsachen beweisen, daß seine Behauptungen unwahr, seine Berichte Verlüumdungen sind, so wird er beschämt die Segel streichen müssen. Eine gute Quelle der Information bieten die von dem protestantischen Geistlichen Herrn G r ä b n e r in Berlin herausgegebenen „Mittheilungen ans dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus". Die Redaction dieser Zeitschrift hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle von den Antisemiten über die Juden ausgesprengtcn Dinge auf ihre Richtigkeit zu prüfen und das Ergebt!iß tu ihrem Blatte mitzutheilen. Es ist daher wünschenswerth, daß dieses gediegene Blatt in jüdischen Kreisen viel gelesen werde. Frankfurt a. M., 13. Dez. In Nr. 96 Ihres geschätzten Blattes befand sich eine Korrespondenz von hier, auf die ich mir Einiges zu erwiedern erlaube. Es ist nicht richtig, daß Jahrzehnte lang für die Gemeindemitglieder Frankfurts keine Kaschruth-Einrichtungen bestanden. Nicht allein cxifttrte eine religiös geleitete große Mazzothbäckerei, sondern auch neben streng gewissenhafter Schechita (Schochet war R. Moses Bodewics b"w) eine Aufsicht über die Metzgereien, welche in der Hand des von der Gemeinde angestellten D a j a n, R. Salomon Geiger lag. Daß diese Aufsicht gehandhabt wurde, beweist das erfolgreiche Auftreten des genannten Dajan gegen das Porsche» der Hinterviertcl, welches, unter Hinweis auf andere Plätze, von verschiedenen Seiten einzuführen versucht wurde. Daß später ein jüngerer tatkräftigerer Mann, irr der Person Sr. Ehw. des Herrn Rabbiners Dr. Horovitz die Aufsicht über die religiösen Institutionen übernahm und dieselben erweiterte, geschah im vollen Einverständniß mit der weitaus größten Zahl der Gemeindemitglieder, und auch heute noch denkt Niemand daran, „aufs Neue den Vcrfolgungskampf der Reform gegen die Orthodoxie zu beginnen." Der neu gegründete Verein, den Ihr Korrespondent erwähnt, hat in seiner ersten Sitzung bereits ausgesprochen, daß es ihm fern liege, an den bestehenden Einrichtungen für die traditionelle Richtung zu rütteln; sein Zweck ist lediglich, der Indifferenz der Gemeindemitglieder bei den Wahlen entgenzuwirken, bezw. einen andern Wahlmodus vorzuschlagen. In wie weit hierbei persönliche Fragen mttspielen, sei hier nicht erörtert. Elberfeld, 11. Dezember. Die Mitglieder des Mendelssohn-Verein hatten sich gestern Abend außergewöhnlich zahlreich im Vereinslokale „Hotel Falk" eingefunden, welches darin seinen Grund hatte, daß ein Vortrag des Ehren-Borsitzenden des Vereins, des Herrn Rabbiner Dr. Auerbach mit darauf folgender General-Versammlung vom Bereinsvorstande in den Tagesblättern bekannt gegeben war. Der Vortragende hatte sich das Thema „Moses Maimonides" gewählt. Es würde zu weit führen, wollte ich auch nur annährend auf die Ausführung seines Vortrages eingehen; nur so viel sei gesagt, daß der Redner sein Thema in sehr erschöpfender und ganz musterhafter Weise behandelt, so daß der Dank und die Anerkennung, die ihm vom Vorsitzenden ausgesprochen wurden, wohlverdiente waren und die denn auch seitens der erschienenen Damen und Herren durch allseitigen Beifall und Erheben von den Sitzen Bestätigung fanden. In der hierauf abgehaltenen General-Versammlung stand als erster Punkt die Vorstandswahl auf der Tagesordnung. Auf Vorschlag des Herrn W. Hirsch selb wurde der bisherige Vorstand — bestehend aus den Herren M. Strauß, Dr. med. Apfe l, H. S l e i n b e r g, I. Kann und V. Fische! —, der sich so sehr bewährt hat, per Acclamation wieder gewählt. Nach erfolgter Rechnungsablage wurde vom Vorstand ein Antrag auf Erhöhung der Mitgliedbeiträge mit der Motivirung eingebracht, daß ihm hierdurch die Mittel an die Hand gegeben wurden, hin und wieder auswärtige hervorragende Redner zu berufen, größere Werke jüd. Schriftsteller anzuschassen re. rc., was jedenfalls zur Hebung des Vereins beitragen würde. Nach kurzer Debatte wurde der Antrag mit großer Majorität genehmigt. Nachdem noch Herr A. Heß dem Gesammtvorftande für seine bisherige Mühe, waltung lobende Anerkennung gezollt hatte, wurde die General-Versammlung vom Vorsitzenden geschlossen. Zum Schluffe meines Berichts möchte ich noch dre erfreuliche Thatfache constatatiren, Laß bereits viele jüd. junge Leute, die sich bisher dem Jndenthum gegenüber Ziemlich indifferent gezeigt hatten, dem Mendelssohn-Verein beigctreten sind und durch die dort gehörten Vorträge und Dlscussionen neuerdings Anregung und dadurch wieder mehr Interesse für' ihren angestammten Glauben erhallen haben, was sie durch eifrigen Besuch der Vereiussitzungeu bekunden. W.

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