Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 98 (17.12.1891)
- Date
- 1891-12-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1834 i. 7" if i dich vor allen schädlichen Einflüssen, die diesem Segen anhaften. In dem Besitz eines Vermögens erblicken viel den Dispens von dem Gesetze Gottes und er gereicht ihnen dadurch zum Unheil. Die reiche Segensfülle ist für den damit Bedachten eine ebenso schwere Prüfung wie der kärgliche Mangel. Die glücklichen Besitzenden vergessen leicht die Gefahr, der dieser ihr Segen in sich birgt, aber der jüdische Beter ruft sie sich dreimal täglich ins Bewußtsein, indem er den Segen Gottes erfleht, aber — zum Guten nan^J Von diesem Bewußtsein durchdrungen fügt er die bedeutsame Bitte bei: -p*üo und sättige uns mit Deinem Guten! Das was in Gottes Augen gut ist, ist es oft nicht in den Augen kurzsichtiger Menschen und umgekehrt. Unser Gebet aber nimmt keine Rücksicht auf den Matzstab, mit dem sterbliche Menschen Glück und Wohlstand schätzen und beurtheilen. Diese Anschauung, die in jedem Athemzug, in jedem Than- und Regentropfen eine von Gott gewährte Gnade erblickt, ist in jeder Lage und jeder Zeit zufrieden und glücklich. Sie erblickt Gottes gütige Vaterhand da, wo sie giebt und spendet ebenso wie dort, wo sie nimmt und uns Entsagung auferlegt. Die große Menge, der dieses Bewußtsein fremd ist, glaubt erst durch besondere Zeichen und Wunder, die sie erhofft und erbittet, Gottes leuchtende Wundergröße über sich aufgegangen. Aber das Bewußtsein, jede Lage, jede Spanne unseres Daseins von Gottes Liebe gereicht zu erhalten, senkt eine Freude ins Herz, an die das Glück derer nicht hcranreicht, welche dasselbe in der Mehrung ihres Besitzstandes und der Häufung ihrer sogen. Glücksgüter erblicken. '*7 TN wty nw TIS UMT ’D DHÖIK r>'2-> .nn Dtewn wn nao *a^a nnct? nnru „Die Menge spricht: Wer ließe uns doch Gutes schauen, laß doch in wunderbarer Weise das Banner deines leuchtenden Antlitzes über uns wallen! Mir aber hast du Freude ins Herz gelegt, mehr als zur Zeit, wenn ihr Getreide und Most sich mehrt." (Psalm IV. 7. 8.) Und sättige uns mit deinem Guten! — In einer Zeit, wie der unsrigen, in der die Unersättlichkeit im Erwerben und Genießen überall hervortritt, die Tag für Tag ihre Opfer an Ruhe, Besitz und Leben fordert, wie adelt doch gerade da diese Bitte denjenigen, der jfte aus bewegtem Herzen zu Gott emporsendet! Da ist doch kein Wunsch, dessen Gewährung nicht einen Schwarm anderer, weiter gehender Wünsche nach sich zöge. Wenn der von unseren Weisen erprobte Erfahruugssatz jederzeit seine Richtigkeit hatte, daß Niemand stirbt, der auch nur die Hälfte seiner Wünsche erfüllt hätte, besäße Jemand Hundert, so wünsche er Zweihundert, wie steht dann erst in unserer Zeit jeder Tag für die Wahrheit dieses Satzes ein. Das Glücksritterthum und die Dividendenjagd unserer Tage, die mühelos reich werden und ohne Einsatz hohe Treffer einftreichen möchten, sie bilden doch mit ihrer rastlosen Hast eine erschreckende Bestätigung des salomonischen Weisheitsspruches «bön vb t^san dai din b. „Alles Mühen des Menschen ist auf den Mund gerichtet, aber die Seele findet auch darin nicht die Erfüllung ihrer Wünsche". Und während nun alles strebt mehr und mehr zu erlangen, reicher und reicher zu werden, lehrt uns unsere Schemone Esre den himmlischen Vater bitten, mit dem bereits Gewährten uns zu freuen, nicht lüstern nach der Erfüllung neuer Wünsche auszublicken, sondern ^a'vv sättige uns von Deiner Güte! Rabbi Alexandri lehrt (Megillah 17. 6.), daß diese ganze Bitte um Segen gegen Diejenigen gerichtet sei, die auf den Unsegen und Mißwachs speculiren, um sich an den daraus entstehenden Nothstand durch Ausspeichcrn von Getreide, durch Kornwucher zu bereichern. — Wenn diese Bitte erst Erhörung gefunden, wenn keine Habsucht mehr neidisch und lüstern auf das Glück der anderen blickt, wenn der Fluch der Speculation von diesem Segen der Jahre überwunden sein wird, dann erst darf sich in den jüdischen Herzen, die Sehnsucht nach dem großen Gottessigna! regen, das unserer Freiheit gelten und die Sammlung unserer Zerstreuten verkünden wird, dann wird nicht nur in unseren Gebeten auf wty *pa das hm “®wa ypn, sondern auch in der Wirklichkeit auf roia endlich m^a pap folgen. — Erst mit diesem Segen, der die Habsucht aus dem Herzen und die Scheelsucht aus dem Blicke bannt, wird unser Nebenmcnsch aufhören unser Nebenbuhler zu sein. Dieser Segen, der uns wahrhaft frei macht von all den Dämonen der Mißgunst und des Mißmnths, die uns ins Joch der Sorge schirren und nns unbarmherzig in den Kampf ums Dasein jagen, dieser Segen macht die Vereinigung aller zelstreuten Brüder erst zum höchsten Glück auf Erben, wie sie ohne diesen Segen zu den schlimmsten Unzuträglichkeitcn führen würde — Erft wenn dieser Geist unserer Thau- und Regenbitte unser ganzes Wesen ergreift und beherrscht, dürfen wir auch der endlichen Erfüllung der Verheißung entgegen sehen: tp.-in juate rttnr "p nanBo ms’ „Ich werde wie der Thau Israel sein, es wird aufblühen wie eine Rose und seine Wurzeln schlagen wie der Libanon." (Hosea 14. 6.)