Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 97 (14.12.1891)
- Date
- 1891-12-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1826 Unduldsamkeit, der den Deutschen und Protestanten nicht minder gilt als dem Juden und Moslim. — Augenblicklich sei durch das Anleih.'liedürfniß der russischen Regierung, deren Kriegsschatz noch nicht gesättigt sei, scheinbar ein Stillstand eingetreten. Sobald diese Krise überwunden und der Staatssäckel gefüllt, dann sei das Schrecklichste zu befürchten. Wenn vie bereits erlassenen Gesetze durchgeführt werden, so werden Elend und Jammer entstehen, wie sie die Menschheit seit ihrem Bestände nicht fürchterlicher gesehen. — Trotz dieses trüben Ausblickes ist den Juden die Hoffnung auf eine glücklichere Zukunft noch nicht ganz geschwunden. Wohl sei ein großer Theil zu einer dumpfen, stumpfen Masse herabgesunken, materielles und moralisches Elend drücke sie immer tiefer nieder; ein anderer Theil wolle das Land der Väter aufsuchen, um dort den Beruf der Ahnen wieder aufzunehmen. Eine dritte Partei jedoch, die der sogenannten liberalen Richtung huldige, wolle im Lande verharren, ihre Losung sei Vaterlandstreue selbst gegen eine Heimath, die kein Erbarmen kennt und kein menschliches Fühlen zeigt.- Wir aber, schließt Redner, wollen nicht stille halten, bis diese ersehnte Zeit erreicht, bis die Morgendämmerung der Freiheit auch für Juden russischer Nation anbricht. An eine Selbsthülfe sei nicht zu denken, — nur Münchhausen habe sich an seinem eigenen Zopf aus dem Schlamme gezogen, — darum müßten die Juden deutscher Nation dieHülfsaktion fördern, um die Qualen der ärmsten Menschenkinder zu mildern, um Millionen Seelen zu erretten vor kläglicher Vernichtung, vor einem Ende, dessen Schrecken— über dieGrenzpfähle des nordischenReiches hinaus — die civilisirte Welt ergreifen würden. Die zahlreiche Versammlung lohnte die lichtvollen und höchst instruktiven Ausführungen des Redners mit glänzendem Beifall. — Es bedurfte einer geraumen Zeit, bis die Versammlung in Folge der tiefen Ergriffenheit, die sich aller Gemüther bemächtigt hatte, zur Berathung der Vereinsangelegenheiten, — die übrigens einen sehr stürmischen Verlauf nahmen, — übergehen konnte. X. Marburg, 3. Dezember. In seiner gestrigen Monatsversammlung ist der hiesige nationalliberale Verein endlich aus seiner lange beobachteten Zurückhaltung über den Antisemitismus herausgetreten, indem er einen eingehenden Vortrag über das Thema : „Warum müssen wir den Antisemitismus bekämpfen?" veranlaßt hat. Der Vortragende wies, wie der K. Z. berichtet wird, in fast zweistündiger, von großer Ueberzeugungskraft und Herzenswärme zeugenden Darlegung die großen Schäden nach, welche dem geistig sittlichen Leben des Volkes aus der leidenschaftlichen Agitation der Antisemiten erwüchsen. Er gab dabei eine kurze und treffende Kennzeichnung des Verfahrens der einzelnen antisemitischen Agitatoren, deren Behauptungen er namentlich vom religiös-sittlichen Standpunkte aus widerlegte. Nachdem hierauf Professor Stengel ein besonderes bedauerliches Vorkommniß der antisemitischen Agitation in einer hiesigen Schule scharf gekennzeichnet hatte, ergriff Archivar Dr. Winter das Wort, um in längeren Erörterungen die praktischen Eonsequenzen zu ziehen, welche sich aus den mehr theoretischen Darlegungen des Vortragendeu für die politisch wirthschaftliche Seite des Antisemitismus und seine Bekämpfung ergebe. Er sucht gestützt durch geschichtliche Beweisgründe, die Anwesenden zu überzeugen, daß es namentlich im hiesigen Wahlkreise die ernste sittliche Pflicht aller echt patriotisch denkenden Männer sei, durch einträchtiges Zusammenwirken, wie ein solches durch den Verein zur Abwehr des Antisemitismus bereits angebahnt sei, der Geister des lange angefachten Haffes und der Zwietracht unter den einzelnen Bevölkernngsklassen Herr zu werden und in langsamer, geduldiger Arbeit der Vernunft wieder zum Siege über Unvernunft und brutale Roheit zu verhelfen. In seinem Schlußworte schloß sich der Vorsitzende des Vereins Professor Paasche diesen Ausführungen völlig an und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der heutige Abend dazu beitragen werde, der antisemitischen i Agitation durch eine Vereinigung aller Gegner der-! selben, gleichviel, welcher Partei sie angehören, i wirksam entgegenzutreten. ] Oesterr. Ungar. Monarchie. j Aus Ungarn, Anfangs Kislew 5652. n:rn , -jdv „Und siehe Ich bin mit dir, und ] werde dich behüten, wohin du gehst, und Ich werde s dich nicht verlassen, bis ich vollbracht, was ich dir \ verheißen habe". Dieser himmlische Segen, die Ob- , Hut des allmächtigen Gottes, wurde auch den crx*v j in Ungarn in schönstem Maaße zu Theil. Fast < schien es, daß den frommen Juden in Ungarn schon die Sonne untergegangen sei, daß die aufi richtigen Bestrebungen der ung. Orthodoxie nirgends i mehr Würdigung finden, da ertönte plötzlich eine j himmlische Stimme: „Und siehe Ich bin mit dir, o und ich werde dich behüten und ich werde dich zurückführen in das Land, das ich dir verheißen habe." Man braucht nur ein klein wenig in den ung. jüd. Verhältnissen eingeweiht zu sein, um b von dem herrlichen Siege der gw und der im v Reformlager herrschenden Unbehaglichkeit überzeugt d zu sein. Seit Jahr und Tag ist die Siegeshymne der Reformer hier zu Lande verstummt7und die Helk denthaten der „Weltverbesserer" der Verschwiegena heit preisgegeben. Das Wort der Weisen hat sich n