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Der Israelit · 1891-12-14 · Heft 97 (14.12.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 97 (14.12.1891)
Date
1891-12-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1823 „und die Hunde, welche dich erst kürzlich anfielen? Hast du daran bereits vergessen? Befindest du dich damit so wohl?" „Immerhin besser als früher", antwortete sie. „Diese Hunde! Sind denn das auch Hunde? Da hättest du jene Hunde sehen müssen, welche man vor alten Zeiten auf mich gehetzt hat. Ah, das waren große gelehrte Hunde! Sie verstanden zu apportiren, mit dem Schweife zu wedeln und alles, was man von ihnen verlangte, konnten sie ausführen. Diese könnten im Hundereiche Professoren sein! Sie hatten beinahe menschlichen Verstand, aber ein ganz hündisches Herz. Ihr Biß war furchtbar, bis zur Stunde trage ich die Spuren ihrer Zähne am Leibe. Die Hunde, welche du heute gesehen hast, sind im Vergleiche zu jenen, einfache Kälber, alberne beschränkte Köpfe, ohne jeden Verstand, die nicht einmal wissen, wie sie anfalleu und wie sie beißen sollen. Sie begeifern ohne jede Methode und möchten selbst den Mond anbellen. Mit einem Stück Brod kann man ihnen das Maul verstopfen, indessen kann man bei ihnen frank und frei stehlen, und in ihren Augen rauben. Oder auch diese Hallunken! Halten sie einen Vergleich mit den Hallunken anderer Zeiten aus? Jene verstanden ihren Thorheiten einen gewissen Anstrich zu verleihen, die Geister zu beeinflussen und ihre Taschenkünste zu producireu! Sie nahmen jede Gestalt an und setzten die Welt in Schrecken! Zwar haben sich auch unsere zeitgenössischen Strolche nicht zu schämen, aber einen Vergleich können sie doch nicht aushalten. Wenn jene mich auf's Korn zu nehmen Pflegten, so kam ich kaum mit dem nackten Leben davon! Und glaubst du daß mich die starken Pferde, welche du heute zwischen dem Getreide gesehen hast, wenig gemartert haben?" „Was sagst Du", fragte ich erstaunt, „die Pferde haben dich gequält! Was soll das bedeuten? In welcher Beziehung stehst du mit diesen Pferden?" „Wenn die Leute jede Sache tiefer ergründen wollten, wären viele Fragen aufgeklärt", erwiederte die Schindmähre. „Es schadet nicht, ich spreche zur Sache! Und so sind diese Pferde die Verkörperung jener schrecklichen und mächtigen Strolche, welche seiner Zeit die Leute ansielen, Exzesse machten und viel Schaden anrichteten. Jeder von ihnen war ohne Seele und tausende von Seelen mußten für sie arbeiten. Diese arbeitenden Seelen aßen trockenes Brot, von ihrem Schweiße gewürzt, mehr hatten sie von ihrer schweren Arbeit nicht. Jene eroberten die Welt, und durch fremde Arbeit häuften sie Glücksgüter an, gewannen ganze Dörfer und Städte und das Bischen Nahrung, welches sie den Arbeitern gönnten, um sie eben für ihre Zwecke am Leben zu erhalten, betrachteten sie als ein Almosen. Ihre Untergebenen waren elende Bettler, sie die Herren aber galten als großmüthig, als Philantropen und Wohlthäter! Wenn jene im Schweiße ihres Angesichts arbeiteten, nun so war dies ganz natürlich. Denn so sollte eS ja sein; bekam aber einer der Mächtigen die Laune, einem Verhungerten, von schwerer Arbeit Erkrankten ein Almosen zu verabreichen, wußte es die ganze Welt: es wurde beschrieben, besungen, an die große Glocke gehängt, damit nur Jeder erfahre, wie fromm und mildthätig der Herr ist. Einst waren diese Pferde adelige Menschen und Müßiggänger, und heute sind sie edle Pferde und Müßiggänger. Denn ich bitte, sage mir Jemand, wozu nützen diese edlen, gelehrten Pferde? Denn nur gewöhnliche, einfache Pferde arbeiten; sie beackern den Boden, fahren Holz und Wasser, schleppen Lasten und verrichten alles, was zur Wirtschaft gehört. Hingegen führen die edlen Rosse ein glückliches Leben in bequemen Stallungen bei Gras und Hafer. Manchmal fahren sie mit ihrem Herrn spazieren, stolzieren mit ihren gut gemästeten Leibern und thun sich auf ihr reiches Geschirr etwas zu gut. Oder auch sie tanzen, geben im Eirkus Vorstellungen, und foppen dafür von den Leuten Geld aus. Was für Nutzen hat mau davon, wenn ein Pferd tanzt und Possen reißt? Warum soll ein solches Roß mit Gold behängt werden, und warum soll ihm das Geld von allen Seiten zufließen? Sollte es doch lieber arbeiten und Niemand Schaden zufügen." „Scha, sprich etwas leiser," sagte ich, „redest du immer so viel?" „Ach", erwiederte sie mit einem Seufzer,'„ich muß größtentheils schweigen, ohne ein Wort Hervorbringen zu können. Man erlaubt mir nicht, daß ich offen spreche und so öffne ich gar nicht den Mund. Wenn ich will, kann ich auch chikaniren. Sprich zu mir ein ganzes Jahr und ich werde nicht hören, schrei: geh rechts, und ich werde links gehen, außer wenn mich Jemand beim Schopfe fassen und mit Gewalt ziehen wird. Dann kann Jeder auf mir reiten, ein Kind, ein Thor, ein Gassenjunge, ein Lump, ein Hallunke und ein Taugenichts. Es waren Zeiten, wo man mir das Maul öffnete, mich bei der Zunge zog, dann sprudelte cs aus mir heraus, „volle neun Maaß,*) ich sprach über alles, von Wasser und Feuer. Alles was sich in meinem Herzen angesammelt hatte, kam wie ein Vulkan zum Ausbruch; ganze Wolken voll Sorgen, Gram und Folterqualen . . . Meine Klagen schwollen an, wie im Frühling die reißenden Flüsse, die furchtbaren Wogen stiegen mir zu Kopf, zerfleischten mein Gehirn und quollen durch die Augen hetvor. Die Galle barst in mir und aus mir sprach das verbitterte Herz .. ." -) .»lach einem Bollswort hat die Sprache überhaupt nur zehn Maß. Davon fällt auf die Männer nur ein Man, die restlichen nenn lind für die Frauen reservirt.

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