Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-12-14 · Heft 97 (14.12.1891) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 97 (14.12.1891)
Date
1891-12-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448212--33279-2481164
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1821 Ersuchen gestellt, derselben im Sinne des Gesetzes vom 21. März 1890 zugewicsen zu werden. Aus verschiedenen Gründen wollen dieselben aus dem Verbände der Tricster Cultnsgemeinde scheiden und der hiesigen angehören, worauf dieselbe auch bedingungsweise einzugehen geneigt ist. Doch werden die Israeliten Krains nicht an dem Vermögen der hiesigen Gemeinde participircn. Demgemäß wird nun die hiesige Cultnsgemeinde, nach dem Gesetze vom 21. März 1890, aus den im Weichbilde der Stadt Graz wohnhaften Angehörigen und aus den in Steiermark, Kärnten und Krain domicilirenden Zngewiescnen bestehen. Dänemark. Kopenhagen, 6. Dez. Der hier in einem Alter von etwas über 90 Jahren verstorbene Oberrabbiner Prof. Wolfs war 1801 in Darmstadt geboren und wurde 1828 als Rabbiner nach Kopenhagen berufen, wo er ununterbrochen als Haupt des mosaischen Bekenntnisses in Dänemark eine sehr geachtete Stellung einnahm. Gelegentlich seines 90. Geburtstages stattete ihm der Kronprinz einen Besuch ab, dem man mit Rücksicht auf die Judenverfolgungen in Rußland einen demonstrativen Charakter beilegte. Ebenso besuchte ihn auch der Bischof von Seeland. Unter seinen größeren Arbeiten sind zu erwähnen sein umfangreiches Buch „Feinde des Talmud" (1878), das gegen den Antisemitismus gerichtet war, sowie seine im vorigen Jahre vollendete Uebersetzung der fünf Bücher Moses. England. London. Oberrabbincr Dr. Adler schloß an einem der letzten Sabbate seine Predigt in der Dalstou-Synagoge mit einem Gebet für baldige Genesung des erkrankten Prinzen Georg von Wales. Ein Mitglied der Gemeinde scheint hievon den Prinzen Albert von Wales (Vater des erkrankten Prinzen) in Kenntniß gesetzt zu haben, denn Rabbiner Dr. Adler erhielt Samstag Abend ein Telegramm aus MarlborouglpHouse, welches folgenden Wortlaut hatte: Ober-Rabbiner Dr. Adler, 22 Finsbury- Square. Habe ein Telegramm ohne Unterschrift erhalten, welches mitthcilt, daß Sie für meines Sohnes Genesung gebetet haben. Ich danke Ihnen aufrichtigst. Die Genesung schreitet fort. Albert Edward. Dr. Adler versicherte in Beantwortung des Telegrammes Seine kgl. Hoheit, daß die Mitglieder seiner über das ganze Königreich verbreiteten Gemeinde von aufrichtiger Loyalität und ergebenen Sympathien für die Mitglieder des Kgl. Hauses erfüllt seien. London, 8. Dez. Wie die „Times" mittheilt, hat die von Baron Hirsch vor fast drei Monaten gebildete jüdische Kolonisations-Gesellschaft beschlossen, das Gros der Auswanderer nach den Vereinigten Staaten, Brasilien und Argentinien zu senden. In den Verein. Staaten sollte eine Anzahl für den Ackerbau ausgenommen werden und es fänden deshalb Unterhandlungen zur Erwerbung nöthigen Bodens statt. Nach Brasilien sei eine Kommission gesandt worden, um die Möglichkeit einer dortigen Kolonisirung zu studiren. In Argentinien habe die Gesellschaft bereits aktive Operationen begonnen und die Kolonien seien schon ziemlich in der Entwickelung. L-chwierigkeiten seien vorhanden, aber die neuen Kolonisten zeigen bedeutende Befähigung und guten Willen, und würden in wenigen Monaten alles Erforderliche erlernt haben. Die Hauptschwicrigkeit aber bestehe darin, Männer zu finden, die die Kolonie so organisiren und leiten können, daß ein schließlicher Erfolg gesichert wird. Baron Hirsch sei jetzt in England, um die lokale Organisation der Direktion in Buenos Aires zu reorganisiren. Der Verwaltungsrath soll meist aus Engländern bestehen. Amerika. Washington, 9. Dez. Aus der Botschaft des Präsidenten an den Kongreß heben wir folgende Stelle hervor: Die Unionsregierung hat gegenüber der russischen Regierung ihre ernsten Besorgnisse wegen der strengen Verfügungen gegen die Juden und der daraus entspringenden Auswanderung nach Amerika, welche ernste Folgen für den Arbeitsmarkt haben dürfte, ausgesprochen. -£• vermischtes. •$- Das Fest der eisernen Hochzeit begingen am 30. November die Markus und Johanna Spiegelschen Eheleute in Kattowitz. Der Jubilar ist 87, während die Jubilarin 91 Jahre zählt; beide sind noch rüstig. Hr. Gustav E o p p e l, Vorsteher der Synagogen- Gemeinde in Tolingen, ist zum ersten Beigeordneten der Stadt Solingen ernannt worden. Hr. Koppel, seines Berufes Waffenfabrikant, war mehr als ein Vierteljahrhundert Stadtverordneter, lange Zeit Präsident der Handelskammer und ist auch Mitglied des Kreisausschusses. Karlsruhe, im Tczemb. Im Staatshaushalt sind in dem außerordentlichen Etat des Ministeriums der Justiz,des Kultus und Unterrichts für die Aufbesserung gering besoldeter Kirchendiener der Katholischen, wie evangelischen Kultus je Mk. 400,00(1, für die der gering besoldeten Rabbiner Mk. 18,400 eingestellt. Die von uns gemeldete Rede des Odeffaer Stadtkommandanten, in der dieser die Juden vor der Auswanderung warnte, ist in maßgebenden russischen Kreisen höchst ungnädig aufgcnommcn worden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.