Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 97 (14.12.1891)
- Date
- 1891-12-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1820 ondern gegen eine von dem Central - Vorstand der Schweizerischen Thierschutzvereine Unterzeichnete Broschüre gleicher Tendenz und Inhalts. Zur Zeit ist die Schächtfrage in der Schweiz durch Gottes Hilfe und den Gerechtigkeitssinn der Eidgenössischen Räthe erledigt. Zeitungsnachrichten und «Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 10. Dezember. In Bezug auf einen Artikel der „Kreuzzeitung" ließ sich Reichskanzler Capr ivi in seiner heutigen großen Rede über die Handelsverträge folgendermaßen vernehmen: „Daß hier und da durch die Verträge Verbitterungen entsteht, glaube ich; ich glaube aber nicht, daß diese Verbitterung sich gegen die Staaten richten wird, mit denen wir das Bündniß abgeschlossen haben; sie wird gewohnheitsmäßig und bequemer den ihr auch lieberen Weg gegen die eigene Regierung wählen. Davon zeigt ein Artikel, der vor wenigen Tagen in einer unserer gelegensten konservativen Zeitungen — ich kann nicht sagen, ob sie das Parteiblatt der Konservativen ist oder nicht — gestanden hat. Die Zeitung nimmt ihn vorn auf der ersten Seite auf; er ist ihr gesandt worden und er handelt davon, daß eine Anzahl zumeist antisemitischer Männer beschlossen, sich nach Oesterreich zu wenden, um von da Stimmen gegen die Handelsverträge zu bekommen. Der Artikel schließt damit, daß er sagt: „Die Annährung der in beiden Reichen lebenden Völker wird sicherlich nicht eintreten." Der Artikelschreiber führt dann weiter aus, daß man sich an gewisse Völkerschaften in Oesterreich wenden müsse, die zweifellos auch gegen die Verträge sein würden. Es ist für mich ein überaus beklagenswerthes Schauspiel, daß ein deutscher Mann vorschlägt, bei Tschechen, Slovaken, Rumänen, Slovenen und Kroaten, nicht bei Magyaren und Deutschen in Ungarn zu hausiren, um Stimmung gegen die eigene Regierung zu sammeln (Hört, hört). Noch beklagenswerther ist mir aber, daß ein Blatt, das den Anspruch macht, preußischer zu sein, als andere, das Ausland ins Gefecht zu führen sucht, gegen eine deutsche Regierung. (Bravo! links und im Centrum). ■ Berlin, 10. Dezember. Die „Kreuzzeitung" vertheidigt ihren inzwischen vom Reichskanzler Caprivi in seiner heutigen Rede scharf gebrandmarkten Vorschlag, in Oesterreich eine antisemitische Agitation gegen die Handelsverträge zu insceniren. Berlin, 12. Dez. Bei der heutigen Fortsetzung der ersten Lesung der Handelsverträge mit Oesterreich, Italien und Belgien ließ sich Abg. Rtckert gegenüber der „Kreuzzeitung" und der konservativen Partei wie folgt aus: „Nach einem neuerlichen Eingesandt aus Wien in der „Kreuzzeitung" sollen von den Vertragen nur der ungarische Kornjude und der galizische Viehjude den größten Nutzen ziehen. Ich gratulire dem Reichskanzler zu seiner Arbeit für diese Leute. Und dieselbe „Kreuzzeitung" bildet die Lektüre in den Kadettenhäusern! Vielleicht bekümmert sich der Reichskanzler einmal darum. Beim Kriegsminister habe ich die Sache schon privatim angeregt. Daß die konservative Partei Stellung zur Judenfrage nimmt, ist sehr erwünscht, damit wir wissen, ob sie die Grundlage der Verfassung anerkennt oder nicht, oder sie wie die „Kreuzzeitung" mit Hohn und Spott behandelt." Ratibor. Vor dem Schwurgerichtshofe in T>oppau gelangte gestern die Hauptverhandlung gegen den 27 Jahre alten verheiratheten Bahnarbeiter Franz Krupa aus Sidzina in Galizien zur Durchführung, welcher am 3. September d. I. den Destillateur Isidor Oppenheim im Walde bei Bennisch ermordet und beraubt hatte. Die Blutthat erregte viel Aufsehen, zumal es erst 7 Tage nach Verübung derselben gelang, die Leiche des Opfers im Walde mit Reisig verdeckt auszufinden und Krupa einen zweiten Bahnarbeiter, den Josef Supergan der Mitschuld am Morde bezichtigte. Erst am 20. September gelang es, des Raubmörders habhaft zu werden. Die Gerichtsärzte sprachen sich dahin aus, daß Isidor Oppenheim zuerst Hiebe auf den Kopf erhielt, in Folge welcher Bewußtlosigkeit eintrat, worauf er mit einer Schnur erdroffeft wurde. Der Thäter raubte 30 ft. und Werthgegenstände für 22 fl. Bei der Beschuldigung des Supergan hat sich der Mö der Krupa besonderer Arglist bedient und die Verläumdung erscheint umso schwerer durch den Umstand, daß Krupa am Thatorte bet der Gegenüberstellung den Supergan aufforderte, „er solle schon aus Furcht vor unserem Herrgott eingestehen." Diese Anrufung Gottes zeugt von dem schlechten Charakter Krupa's, der sich auch nicht scheute, an dem Begräbniß seines Opfers theilzunehmen. Die Geschworenen sprachen das Schuldig aus; der Gerichtshof verurtheilte Krupa zum Tode durch den Strang. Bet Verkündigung des Urtheils stürzte derselbe, wie vom Blitz getroffen, der Länge nach im Anklageraum zusammen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Graz, 2. Dez. Eine Erweiterung ist abermals bet der hiesigen Cultusgemeinde bevorstehend, und zwar vollzieht sich dieselbe ans Kosten der Triefter Cultusgemeinde, welche also demgemäß eine Reducirung erfährt. Die Israeliten Krains nämlich, welche bis jetzt zur Cultusgemeinde in Trieft gehörten, haben an die hiesige Cultusgemeinde das