Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 96 (10.12.1891)
- Date
- 1891-12-10
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1814 k ln vielen Schulen noch zu stiefmütterlich behandelt, in manchen Familien ganz unbekannt ist. Ich habe sogar die Beobachtung gemacht, datz die Tüchtigkeit eines Lehrers selbst — und nicht zum geringsten Theil — an der Ertheilung eine» verständnißvollen Gesangunterrichts erprobt werden kann. ES muß dem letzteren aber auch deßhalb ein Werth beigemefsen werden, weil er einerseits formal bildet, die Sprachorgane modulationsfähig macht und der lautreinen Sprache Borschub leistet, weil er andererseits Religiosität und Vaterlandsliebe nebst vielen anderen guten Eigenschaften befördert. Vorausgesetzt wird, daß der Lehrer während einer Singstunde auf weise Zucht hält, die Körperhaltung nicht außer Acht läßt. — Welchen praktischen Werth und Nutzen der Gesangunterricht für das Leben hat, sehen wir bei vielen Gelegenheiten. — Der Gesang weiß uns weit besser zu packen als die Rede, fördert daher die Andacht beim Gottesdienste, erhebt und begeistert die Zuhörer und ist in der Familie gepstegt, ein bildendes, unterhaltendes, Herz und Gemüth befruchtendes Erziehungsmittel ersten Ranger. Ein bedeutender Pädagoge sagt von dem Gesangunterricht: „Auf den Gesangunterricht kann kaum ein zu großer Werth gelegt werden; er gehört zu den Unterrichtsgegenständen, durch welche die Schule am tiefsten, fruchtbarsten und nachhaltigsten auf wahre Volksbildung einwirken kann und soll. Der Gesangunterricht hat darin seinen eigenthümlichen hohen Werth, daß er daS innere Leben zu so unmittelbarer sinnlicher Erscheinung bringt, wie es durch Wort und Unterweisung, die stets eine Vermittelung durchs Denken voraussetzen, nie geschehen kann. Ohne GesangSbildung kann dem Kinde nur unzureichend ein Berständniß seines innersten Lebensgrundes und des tiefsten Geheimnisse» jeder Menschenseele, ihres in Gott verborgenen Lebens, eröffnet werden, und würden die Kinder und die künftige kirchliche Gemeinde des wichtigsten Mittels zur Darstellung diese» Lebens ermangeln." Eingedenk dieser trefflichen Worte habe ich in meiner Schule dem Gesangunterrichte seit Jahren den Platz angewiesen, den er in der Thal verdient. Ich gebe zwar nur die vorgeschriebene Anzahl von Singstunden, behandle den Unterricht aber nicht als Nebensache. Auch beginne ich mein Tagewerk mit inniger Freude, indem ich meine Schüler ein Lied zu Gottes Ehre und Preis singen laste, was ja nur b Minuten in Anspruch nimmt. Der Gesang verfehlt seine Wirkung nie und da» dann folgende Gebet fließt um so andächtiger au» dem Herzen. Die Singstunde selbst muß eine Quelle der reinsten Freude, der lautersten Heiterkeit sein, nur darf eine solche Stunde nicht in Allotria ausarten, dre eine Folge schlechter Zucht sind. Gerade in den Stunden, in welchen eine freiere Bewegung des Geistes sich geltend macht, wie beim Turnen, Zeichnen, Singen, zeigt sich ein Lehrer al» Meister einer guten Schulzucht, als Herr im Maßhalten. Bi» zur Anwendung der körperlichen Züchtigung muß es m Blrrs Sksdk irnd fanJ». Bade«. Sonntag, 20. September d. I. wurde die alljährliche Eonferenz der i»r. Lehrer des RabbinatSbezirks Buhl unter dem Vorsitze des Herrn Rabbiners Dr. May er abgehalten. Außer den Lehrern des Bezirks war auch der Bezirksälteste Herr David Wertheimer aus Bühl gegenwärtig, der für die Sache ein reges Interesse zeigte. Nachdem der Vorsitzende die Eonferenz mit einer kurzen Ansprache eröffnet hatte, referirte Herr Hauptlehrer Bergmann aus Malsch über da» Thema: „Die nachbiblische Geschichte in der Volksschule." Referent betonte, daß der Unterricht in einer Gesangstunde nie kommen.*) Dadurch würde nicht allein der Gezüchtigte, sondern die ganze Klaffe der gehobenen Stimmung verlustig und selbst die de- Lehrers würde so beinträchtigt werden, datz es mit der Lust zu Ende sein würde. Den Verlauf einer Singstnnde zu schildern, fällt nicht in den Rahmen meiner Skizze, doch gebe ich jedem Kollegen den Rath, sich genügend zu orientiren, namentlich denjenigen, die eine Singstunde als eine Zeitverschwendung betrachten, oder als eine Stunde, deren Ende sie sehnlichst herbeiwünschen. Dem Gesänge sollte füglich auch ein Stündchen im Hause, in der Familie gewidmet werden. WaS könnte die Eltern mehr erfreuen, als ein Liedchen ihrer wohlerzogenen Lieblinge? ES würde der Erziehung gewiß von großem Nutzen sein, wenn manche Eltern an den gemüthlichen Winterabenden bei den Kindern zu Hause blieben und sich an ihrem Spiele ergötzten, an ihrem Gesänge erfreuten, statt die Abende nutzlos in Theegesellschaften, oder über Romanlesen, Kartensprel rc. zu verbringen. Dadurch würde dem Lehrer das Erziehungswerk, das ihm in der Jetztzeit fast ausschließlich zusällt, bedeutend erleichtert — und die Eltern thäten ihre Pflicht. Ganz besonders eignen sich die „Freitagabende" dazu, den Gesang zu pflegen. Ich vergesse nie die traulichen Abende, die ich „im Kreise der Lieben" zugebracht und erinnere mich heute noch der schönen Lieder, die da gesungen wurden. Wie viele Familien mag eS heute noch geben, in welchen am Freitag-Abend Eemiroth gesungen werden? Wo das noch der Fall ist, da sind die Kinder später im Leben um manche angenehme Erinnerung reicher. Denke ich nur an das sabbatlich ausgestattete Zimmer, an die Sabbatlampe, an die herrlichen Gesänge, so erinnere ich mich auch lebhaft so mancher lieben Geschichte aus dem Familienkreise. — Wenn der Gesang in der Weise gepflegt wird, so ist er thatsächlich eine sittliche Macht, die dem Menschen einigen Halt gibt in dem bewegten Strudel de» Lebens. Bis zur Künstlcrschaft brauchen es die Kinder nicht zu bringen; wenn sie nur manche häusliche Gebete mit Verstandniß singen und recitiren können, so genügt dieses. Auf diese Weife bereitet das Haus für die Schule, aber auch für das Leben vor und Kinder, welche dort die richtige Anleitung erhalten, werden sich auch im öffentlichen Gottesdienste bald zurecht finden, die daselbst vorgetragenen Gebete und Gesänge werden ihnen nicht unverständlich bleiben. Sie werden mit Interesse dem Gottesdienste anwohnen und sich selbst an ihm beiheiligen, indem sie dem Vorbeter antworten. Würde der Gesang überall in diesem Sinne gepflegt, so bliebe auch der Erfolg nicht aus. Möchten Eltern und Lehrer in der Wahl der Lieder und Melodien jedoch vorsichtig sein und nur solchen Gesang pflegen, der wohlthuend auf Herz und Gemüth wirkt und seinen Zweck erfüllt, indem er den Menschen veredelt. *) Soll es überhaupt nicht kommen. Red. der nachbiblischen Geschichte in der Volksschule von großer Wichtigkeit sei; man könne durch sie Liebe und Anhänglichkeit zum Judenthum wecken und dem immer mehr zunehmenden JndifferentismuS entgegenarbeiten. Beim Unterrichten sei der Bildungsgrad der Schüler sehr zu berücksichtigen; es sei daher vor dem 7. Schuljahre nicht mit der nachbibl. Geschichte zu beginnen. In den vorangehenden 6 Schuljahren könne die Kenntniß der Bibl. Geschichte den Schülern zum Eigenthum gemacht werden. Was die Methode anlange, so seien nur die wichtigsten Theile der nachbiblischen Geschichte, soweit die Unterrichtszeit es gestatte, biographisch anschließend an die Allgemeine Weltgeschichte zu behandeln. Z. B. bei Alexander dem Großen, oie Ge» 9ffiün