Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 96 (10.12.1891)
- Date
- 1891-12-10
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mtätter für die israelitische Schule. (Erscheinen in zwanglosen Nummern.) L«.Dez.I8AL/I Wt. 11. Inhalt: Ueber Pflege des Gesanges in Schule und Haus. Von Salomo Bachenheimer in Bornheün a. Rh. — Aus Stadt und Land: Baden. Aus Baden. Aus dem Rabbinatsbezirk Bretlen (Baden). — Recensionen. — _Briefkasten. — Preis-Ausschreiben.__ _ Ueber pflege des Gesanges in Schule und Haus. bxH Von Salomo Bacheiiheimer, Bornheim a. Rh. Wie das Gebet, diese edle Sprache unseres Herzens, so ist auch der Gesang eine von den sittlichen Mächten, die von altersher einen veredelnden Einfluß auf das Menschenherz ausgeübt haben- Beide, das Gebet und der Gesang, sind der Erguß eines übervollen Menschenherzens. Ein Mensch, dessen Gemüth verhärtet, der sich von Gott und Seinem heiligen Willen lossagt, singt nicht. Ja, „böse Menschen haben keine Lieder." Sie stehen tief unter dem Thiere, das seinem Schöpfer in einer unserm Ohr unverständlichen oder gar unvernehmbaren Sprache dankt. „Die Fischlein, die da schwimmen, sind, Herr, vor Dir (nicht stumm; Du hörest ihre Stimmen, vor Dir kommt keines um." Und wie die fröhliche Schaar der gefiederten Sänger durch ihren bezaubernden Gesang Gott und Menschen erfreut, so verkünden alle Geschöpfe Gottes Lob und Preis. „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre, Ihr Söhall pflanzt seinen Namen fort. Ihn rühmet der Erdkreis, Ihn preisen die Meere." Dumpf dröhnen des Meeres Wogen, rollt der furchtbargewaltige Donner, von zuckenden Blitzen begleitet. Die Wälder rauschen lind und sacht im sanften Frühlingswinde, der Sturm tobt und heult, — Bewegung ist überall, in den höchsten Höhen, in den tiefsten Tiefen, Bewegung überall, wo eine Stimme entstehen soll. Daher vernehmen wir auch den Schall in Bewegung gesetzter Körper. Oft wird diese Bewegung bei den Werken und Geschöpfen Gottes durch Einflüsse hervorgerufen, die uns ebenso rathselhaft wie unbekannt sind. Auch auf den Menschen wirken Einflüsse, die seine Zunge reden machen, seine Stimmorgane in Bewegung setzen- Wie aber bei den anderen Geschöpfen, allem Anscheine nach, nur physische, so veranlassen bei dem Menschen seelische Vorgänge diese Bewegung, die mit der Sprache eng verbunden ist und Singen heißt. Wie viel Glück und Seligkeit, wieviel Freud' und Leid ist ein einziger, winziger Laut aus des Menschen bewegter Brust schon auszudrucken im Stande! Und nun erst der Gesang! Welchen Einfluß übt er auf die Seelenstimmung aus, wie weiß er zu bezaubern, zu begeistern, zu erheitern, aber auch wehmüthig zu stimmen! „Hab' oft im Kreise der Lieben Im duftigen Grase geruht Und mir ein Liedlein gesungen Und alles war wieder gut. Hab' einsam mich auch gehärmet In bangem, düsterem Muth Und habe wieder gesungen — Und alles war wieder gut. Und manches, was ich erfahren, Verkocht ich in stiller Wuth Und kam ich wieder zu singen — War alles auch wieder gut." (Adalbert v. Chamisso.) Darum ist der Gesang auch ein so vorzügliches und nothwendiges Erziehungsmittel und so ist er seit Jahrtausenden gehegt und gepflegt worden, namentlich bei den ältesten Völkern. Bevor noch die griechischen Sänger die Krieger zur Tapferkeit entflammten, bevor noch die Minnesänger von Hof zu Hofe zogen, die Barden ihre „Eisteddofs" feierten, besaßen schon lange die Hebräer eine hervorragend gesangliche Begabung. Hand in Hand mit dem Gesänge ging bei ihnen die Poesie, auch wohl der Tanz, aus welchem unseres Erachtens der Rhythmus entstanden ist. Die Poesie nimmt im T'nach eine hervorragende Stellung ein und gerade die Lieder, welche das Volk sang (die Schiroh, die T'hillim rc. rc.) athmen hohe Begeisterung und edle Erhabenheit. Sind auch von den ältesten Melodien wenige auf uns gekommen, so wissen wir doch, daß der Gesang zu allen Zeiten und bei allen Völkern stuf die Gesittung derselben großen Einfluß ausgeübt hat. Schon dieser Grund wäre hinreichend genug, die Pflege des Gesanges auch heute noch zu empfehlen. Der Gesangunterricht muß daher im Hause wie in der Schule einen Hauptbeftandtheil des Gesammtunterrichtes und der Erziehung bilden. Mir scheint, daß dies noch zu wenig geschieht, daß Nr. 96, S. 1811/1812 ist erst zwischen S. 1816/1817 eingebunden