Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 96 (10.12.1891)
- Date
- 1891-12-10
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1810 die Mesuia an seinen Thüren anbringt, durch heilige Bande an Gott geknüpft ist und vor Sünde bewahrt bleibt, denn es heißt: 'n -|«Vd run ds^tpi T3D. Es lagert der Gottes - Engel rings um die, die Ihn fürchten und befreiet sie. S. vermischtes. Darmstadt, 5. Dezember. Unter dem Vorsitz eines frankfurter Antisemiten fand gestern Abend im Saalbau eine antisemitische Versammlung statt, in welcher Dr. Böckel sein bekanntes Programm entwickelte und sich namentlich unter den üblichen Ausfällen gegen die Börse wendete. Unter anderem verlangte er, daß die Börsenberichte unter Staatsaufsicht gestellt wurden. Als Landtagsabgeordneter Müller den Dr. Böckel als ehemaligen Sozialdemokraten bezeichnete, kam es zum Tumult und zum Schluffe der Versammlung. Berlin, 17. Nov. Es liegt jetzt das eudgiltige Ergebniß der Volkszählung vom 1. Dezember 1890 in Preußen vor. Die ortsanwesendc Gesammtbevölkerung betrug 29,955i,281, worunter sich 14,702,151 männliche Personen (49,0803 Proz. gegen 49,0620 Proz. im Jahre 1885) befanden. Hinter dem am 21. Februar d. I. bekannt gegebenen vorläufigen Zählungsergebnisse bleibt das endgiltige nur um den gerüngfügigen Betrag von 2021 zurück. In der ortsanwesenden Bevölkerung sind 292,173 aktive Militärpersonen mitenthalten. Der Staatsangehörigkeit nach, welche von 1137 Personen nicht angegeben war, theilt sich die Bevölkerung Preußens in 29,789,346 Reichsangehörige und 164,798 Reichsausländer; die Zahl der letzteren betrug 1885: 156,969. Unter der Gesammtbevölkerung befanden sich 19,230,375 Evangelische, 10,252,807 Katholiken, 95,351 andere Christen, 372,058 Juden und 4690 Personen anderen und unbekannten Bekenntnisses; gegenüber den Ergebnissen der 1885er Zählung haben die Katholiken und die anderen Christen eine Verstärkung, die Evangelischen und die Juden eine Verminderung ihres Antheils an der Gesammtbevölkerung erfahren. Der als Antisemit hervorgetretene Amtsrichter Wiedemann in Breslau soll nach derRt.-Z. an das Amtsgericht in Groß-Strehlitz versetzt worden sein. In Thüringen, besonders aber in Eisenach, dem Wahlkreis des Abg. Harmening, regt sich der Antisemitismus jetzt sehr eifrig. So lange die nationalliberale Partei den Wahlkreis besaß, vermochten die Antisemiten dort keine bemerkenswerthen Fortschritte zu machen. Helder (Holland). Als eine Seltenheit können wir mittheilen daß vor einiger Zeit (im Tischrimonat) am Bord des im hiesigen Hafen liegenden Kriegsschiffes — Instructions-Brigg „Salamander" — eine Beschneidung ftattfand und zwar bei dem Söhnchen des Schiffscommandanten Belle mann, der mit seiner Familie auf dem Schiffe wohnt. Herr Coltos, welcher die Beschneidung vollzog, knüpfte seine Tischrede an die Minchah- Haftarah des Versöhnungstages. — Auf demselben Schiffe wird auch alljährlich am Peßachfefte die Sederfeier nach dem vorgeschriebenen Ritus abgehalten. Es ist dies ein Beweis, daß man an jedem Orte und in jeder Lebensstellung das jüdische Religionsgesetz beobachten kann, wenn man nur ernstlich will. (Jsr. Wochschr.) Algier, 14. November. Herr Netter, Rabbiner in St. Etienne, ist zum Oberrabbiner von Oran gewählt worden. New-Uork, 16. Nov. Wie der „Herald" mittheilt, hat einer der von der Verein. Staaken-Regierung nach Europa gesandten Einwandernngskommissare, Herman Schult eis, als „Pauper" verkleidet im Zwischendeck des Cunarddampfers „Serbin" die Reise hierher gemacht, um die übrigen Passagiere bequem beobachten und ausfragen zu können. Er selbst erhielt von einer mit der englischen Regierung in Verbindung stehenden britischen Gesellschaft Unterstützung zur Auswanderung und es befanden sich noch ein Dutzend anderer solcher Unterstützten an Bord, deren Landung in den Verein. Staaten bekanntlich verboten ist. Herr Schulteis soll in verschiedener Verkleidung Europa durchreist haben. In London meldete er sich bei der „Gesellschaft zur Unterstützung armer Fremden in London" und erklärte, er müsse ins Armenhaus gehen, wenn man ihm nicht zur Auswanderung nach Amerika verhelfe. Dabei habe er herausgebracht, daß die Gesellschaft armen russischen Juden und anderen mittellosen Fremden den Fahrpreis nach Amerika bezahle. Obgleich der amerikanische Generalkonsul in London, John New, an welchen man zuerst Schulteis verwies, demselben kein Armuthszeugniß ausftellte, erhielt er doch von der Gesellschaft 1L. 2 sh. 6 d. zur Vervollständigung der 4 L., welche zur Ueberfahrt nöthig waren. Ein anderer Kommissar, Kapitän Croß, kam als Kajütenpassagier vor einer Woche mit der „Umbria" herüber und fand, daß die Schiffsbeamten die Zwischendeckspassagiere sehr genau untersuchten. Die „Serbin" nahm dagegen eine arme Jüdin mit sieben kranken Kindern, nachdem sie auf der „Umbria" zurückgewiesen und acht Tage in einem Boardinghouse der Cunardgesellschaft gepflegt worden war, auf Grund desselben Billets an Bord. Ein „Herald"-Korrespondent habe Schulteis auf der „Servia" erkannt, dann aber mit ihm zusammen die Beobachtung der Zwischendeckspassagiere fortgesetzt. Die Heizer und Matrosen hätten sich arge Ungeziemlichkeiten gegen uubeschützte Mädchen erlaubt und sich ihrer Nichtswürdigkeit gerühmt. Die Atmosphäre im Zwischendeck sei so fürchterlich gewesen, daß die Reisenden meist auf Deck blieben, und die Nahrung so schlecht, daß zwei Drittel der Zwischendeckspassagiere heimlich von den Stewards für sehr viel Geld Lebensmittel kaufen mußten. Als die „Servia" heute Morgen ankam, ließ Schulteis alle Zwischendecks- Passagiere zurückhalten, um eine genaue Untersuchung vorzunehmen. Die Einwanderer, welche aus der Reise so vertraulich mit Schulteis gethan hatten, seien bestürzt gewesen, als sie den frisch rasirten und elegant gekleideten Mann, umgeben von den Einwanderungsbeamten, vor sich gesehen hätten. Es wird sich wohl bald zeigen, inwieweit der Bericht des „Herald" begründet ist. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich