Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 96 (10.12.1891)
- Date
- 1891-12-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1798 hochklingenden Namen „Frei sin Niger Verein für jüdisches Gem ein beleb en" ins Leben getreten ist, verfolgt nichts mehr und nichts weniger als den Zweck der Orthodoxie innerhalb der Gemeinde den Krieg zu erklären, und so auf's Neue den einst vor Jahrzehnten geführten widerwärtigen Verfolgungskampf der Reform gegen die Orthodoxie zu beginnen, und mit allen Kräften und Mitteln dahin zu arbeiten, daß die orthodoxen Einrichtungen innerhalb der Gemeinde, wenn nicht vernichtet, so doch möglichst eingedämmt und beschränkt werden. Eine dieser Tage stattgehabte Versammlung, welche die Constituirung des Vereins zum Zwecke hatte, bat als Ziel und Aufgabe die Hebung und Förderung der Reform ausgesprochen, und eine Propaganda in diesem Sinne für die alljährlichen Gemeindewahlen in Aussicht gestellt. Weit entfernt dem neu gegründeten Verein eine zu große Wichtigkeit beizumessen, glauben wir doch, daß es gut sein dürfte, wenn die orthodoxen Elemente der Gemeinde auf die erwähnten Bestrebungen ein wachsames Äuge haben werden und nicht in ruhigem Zusehen Bestrebungen ignoriren, die eine unabsehbare Gefahr für die heiligsten Interessen und Ziele unseres Religionsgesetzes bilden können. Dies? Vorsicht und Umsicht dürste um so eher am Platze sein, als die Orthodoxie nur einen winzigen Bruchtheil in der Gemeinde bildet und in derselben die stillen oder offenen Feinde unserer Thauro zahllos sind. Der gegründete Verein zählt, wie wir vernehmen, bereits 300 Mitglieder. Eschwege, 1. Dezember. Heute hatte unser Herr Kreisrabbiner Gold mann das seltene Glück auf eine sechzigjährige Wirkungszeit in unserer Gemeinde zurückblicken zu dürfen. Angesichts des sehr hohen Alters des Herrn Rabbiners nahm man davon Abstand, das Fest durch eklatante Feierlichkeiten zu begehen und so zog man cS vor, das Dienstjubiläum des gottbegnadeten Mannes in einer entsprechenderen Weise zu feiern. -Schon nach Beendigung des Frübgottesdienftes hielt Herr LehrerWerth au in der Synagoge an den Jubilar eine Ansprache, ausgehend von den Worten des Psalmisten (Psalm 103. Vers 17.) 'n iDm D’Jb mp-un vnt^j/ D^y iyi. Redner hob hervor, in welch' aufopfernder und thätiger Weise unser Jubilar während 40 Jahre als Lehrer und Vorsteher unserer jüdischen Knaben- und Mädchenschule seines Amtes gewaltet, mit welch bewundernswerther Thätigkeit und Energie derselbe 60 Jahre lang als auf streng jüdischen Grundsätzen stehendes Oberhaupt unserer Gemeinde fungirt hat, da, wo es Roth that, mit der ihm angemessen erscheienden Taktik vorgehend und anderseits mit Milde und liebevoller Diensthingebung sich zeigend. Des Ferneren führte Redner aus, daß es eine seltene Thatsache sei, mit welcher geistigen Frische ein hochbejahrter Mann, wie unser Herr Rabbiner, heute im 84. Lebensjahre noch ausgestattet ist, wie er, obwohl gebeugt von der Last der Jahre, bislang es sich nicht hat entgehen lassen, an Feiertagen den Gottesdienst durch von jüdisch-poetisch getragenen Ideen verherrlichte Predigten zu verschönern, ferner mit welcher staunenswerten Pünktlichkeit unser 84 jähriger Jubilar alle Morgen und alle Abend jeglichem Wetter trotzend, zum Gottesdienste heute noch erscheint. So hat es denn unsere Gemeinde in Anerkennung der Pflichttreue unseres Herrn Rabbiners nicht versäumt, durch die Herren Aeltesteu dem Jubilar unseren Dank und herzlichstes Wohlwollen durch gleichzeitige Uebergabe eines Ehrengeschenkes zu bekunden. Von allen Seiten, sogar verschiedentlich vom Ausland sind Depeschen eingetroffen, die dem Jubilar herzliche, wohlgemeinte Wünsche brachten, auch unser freisinniger Reichstagsabgeordneter Herr Will ich hat es nicht unterlassen, unserem Herrn Rabbiner seine Glückwünsche von Berlin aus zu entbieten. Unser Wunsch und Gebet ist, daß der oben genannte sich auch fernerhin an unserem Herrn Rabbiner und seiner Frau Gemahlin, mit der er seit 56 Jahren verehelicht, sowie an seinen Kindern und Enkeln bewähren möge, damit ihm ein schöner, angenehmer Lebensabend zu theil werde. Das walte Gott! ,dx. S. England. London. Hier cursirt allgemein das Gerücht, daß der Kaiser von Rußland auf direete Vermittlung seiner Schwägerin, der Prinzessin von Wales, die Unterfertigung eines Deerets, mit welchem eine weitere Verfolgung der Juden hätte angeordnet werden sollen, verweigert habe. Bestätigung ist abzuwarten. <3Tö Die Schindmähre. Ein Allegorie. Bearbeitet und ins Deutsche übertragen von S. H o r w i tz. (Fortsetzung.) Als ich mich einigermaßen faßte, sagte ich mir: dieses Geschöpf ist wirklich einer Mahre ähnlich. Bald aber erinnerte ich mich, daß wir heute Mitt-