Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-12-10 · Heft 96 (10.12.1891) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 96 (10.12.1891)
Date
1891-12-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448211--33254-2481138
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1797 den Rücken gewandt, so spottet man seiner in der ausgelassensten Weise. Diese Gepflogenheit beobachten die Karaiten übrigens auch ihresgleichen gegenüber, da ihnen jede Zuverlässigkeit eines festen Charakters abgeht, woraus auch ihre Unverträglichkeit und Uneinigkeit unter sich ihre Erklärung flndet. Unter diesen Umständen ist die Theilnahme, die ein karaitischer Chacham in der Krim den verfolgten Rabbaniten in Rustland entgegenbringt, doppelt anerkennenswerth. Eine solche Erscheinung ist so selten wie ein weißer Rabe. Ob seine Anregungen aber auf fruchtbaren Boden bei seinen Zuhörern fallen, das ist eine andere Fra,;e, die wir so lange zu verneinen berechtigt sind, bis wir Thaten sehen. '"32 Zeitungsnachrichten nnd Correspouden »en. Deutschland. Berlin. Die aus Moskau ausgewiesene „Wintergarten-Kapelle" hat im neuen „Clubhause" das zweite Concert veranstaltet. Au beiden Abenden folgte das Publikum mit vielem Interesse den herzerhebenden Weisen, welche die wohlgcschulten Musiker vortrugen. Lebhafter Beifall und wohlgefüllte Abendkassen waren die fröhliche Ernte einer thränenreichen Saat. Wir wünschen den aus der Heimath verbannten Künstlern weitere gute Erfolge. Berlin, 30. November. Heute Vormittags 11 Uhr ist hier eine israelitische Volks-Speise- Anstalt eröffnet worden. Der durch seinen Wohlthätigkeitssinn in unserer Residenz wohlbekannte. Hermann Abraham hat diese sehr nützliche Institution behufs Linderung des großen hier herrschenden Elends ins Leben gerufen. Die Räume, Klostcrstraße 99 parterre gelegen, machen auf den Besucher einen sehr freundlichen Eindruck, so daß die armen Besuchcr allmittäglich ein Stündchen in Behaglichkeit verleben werden können. Die Aufsicht und Bedienung haben Ehrendomen übernommen, und nur die anstrengenden Haus- und Küchenarbeiten werden honorirt. Zur Eröffnungsfeier waren Mitglieder des Magistrats, des Rcpräscntanten-Collegii, des Rabbinats, der hiesigen Presse, Dircctorcn der Schulen und andere Honoratioren erschienen. In der Ansprache, welche der wackere Stifter des Spcischauses an die Versammlung richtete, wies derselbe auf den stetig wachsenden Nothstand innerhalb der niederen Stände hin und forderte die besitzenden Klassen auf, ihr Scherflein zur Linderung desselben beizutragen. — Aus dem Ueberschuffe eines zu diesem Bchufe veranstalteten Concertes wurden die ersten großen Ausgaben bestritten, nunmehr müßten die begüterten Kreise Hand und Herz öffnen, um das zum Nutz und Frommen derjenigen Brüder, welche nur rituelle Kost genießen, ins Leben gerufene Werk zu erhalten. — Unter den Anwesenden bemerkten wir auch Frau Breslauer, die unermüdliche Helferin und Beschützerin der Armen, welche der Anstalt eine namhafte Subvention zugewendet. — Mögen die Unternehmer das begonnene Werk zum Heile der unglücklichen Armen vollbringen. Mögen aber auch unsere jüdischen Mitbürger nicht ermüden, das Gute selbst zu fördern. Ein paar geschenkte Groschen erfrischen die welken Herzen der dürftigen Brüder, viel Segen wird hier gestiftet selbst mit kleinen Beträgen. A. Frankfurt a M, 7. Dezember. Den orthodoxen Mitgliedern der hiesigen israelitischen Gemeide droht eine nicht zu unterschätzende Gefährdung ihrer innerhalb des Gemeinwesens errichteten orthodoxen Institutionen. Bekanntlich besaß die hiesige Gemeinde — nicht zu verwechseln mit der Reltgionsgese llschaft — durch die lauge Reihe von Jahrzehnten so gut wie gar keine Kaschruth-Einrichtungen; Schechita und die kleine, für die rechtgläubigen Gemeindemitglteder im ehemaligen Compoftcllhofe befindliche Synagoge waren das einzige, was der Gemeindevorstand an orthodoxen Institutionen zu leisten für nöthig erachtete, alles andere Mikwoh, Mazzotbäckereien, Aufsicht über Metzgereien 2c. waren nicht vorhanden; der Luxus von zwei Resormrabbinern wurde sich Wohl vergönnt, aber auch, zu Gunsten der sich nicht zur Reform Bekennenden einen zur Wahrung ihrer heiligen Obliegenheiten thätigen Rabbiner zu bestellen, fiel dem aufgeklärten Vorstand nicht im Traume ein. Da kam das preußische Gesetz vom Juli 1873, das mit eiserner Macht an die Pforten der Reformgemcindcn pochte — was bisher alle Mühe, alle Eingaben, alle Kämpfe nicht vermocht hatten, erreichten die Orthodoxen durch dieses Gesetz, — das jedem Gcmeindcmügliede frei stellt, aus einem Gcmeindcwestn auszutreten, das seiner religiösen Uebcrzcngnng nicht entspricht. Die Furcht, cs möchten die noch in Treue an dem Gottesgesetz Hängenden der Gemeinde nunmehr den Rücken kehren, und so eine Schwächung und Verkleinerung herbeiführen, ließ in kurzer Zeit in der Gemeinde zahlreiche Institutionen im orthodoxen Sinne erstehen, und man beeilte sich einen orthodoxen Rabbiner, Herrn Dr. H 0 r 0 v i tz '"2 einzusetzen. Wie schweren Herzens damals die größte Hälfte der Gemeindemitglieder zu diesen Concessionen schritt, ist ein offenes Geheimnis, und wie sehr heute noch ihnen die orthodoxen Institutionen ein Dorn im Auge sind, dürfte die Vereinigung kund thun, Die — hiermit kommen wir zu dem Zweck unseres Referats — sich dieser Tage hier gebildet. Dieser Verein, der unter dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.