Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 95 (7.12.1891)
- Date
- 1891-12-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1787 rationelle Arbeitsweise ermöglicht werden. In der Leitung der Colonisation finden sich übrigens vorzügliche deutsche Kräfte wie Könekamp und G. Niederlein, der beste Kenner des Gebietes der Missionen." Rußland. Warschau, 29. November. Die von der russischen Regierung inszenirten Judenhetzen reizen die ungebildeten Massen zu rücksichtsloser Rassenverfolgung, zu welcher die herrschende Roth vollkommenen Anlaß gibt. Im Kreise Ltdzk im Gouvernement Littauen haben Bauern, angeregt durch die Ausweisungsbefehle der Behörden gegen die Juden die ganze Familie des jüdischen Gurspächters in Antopol,^ welche aus 12 Personen bestand, ermordet. Die Demoralisation nimmt in erschreckender Weise zu. Das Landvolk, welches das Schisma nicht will und der katholischen Kirchen und Seelsorger von der Regierung entäußert ist, wendet sich dem Atheismus zu. Für Ausübung der Seelsorge gegen den Willen der Behörden steht nachsichtslos Verbannung nach Sibirien in Aussicht. Straßenraub, Einbrüche, Raubmord stehen aus der Tagesordnung. Als ein Verbrecher jüngst vor Gericht gefragt wurde, welcher Konfession er angehöre, sagt er gelassen: „Keiner, denn ich bin noch nicht getauft. Katholisch durfte ich nicht werden und schismatisch mochte ich nicht." Dies sind die unausbleiblichen Folgen des durch die russischen Czynowiks geübten Glanbenszwanges. Dänemark. Kopenhagen, 3. Dezember. Oberrabbiner Wolfs ist heute, 91 Jahre alt, gestorben. Italien. Rom. Dem „Osservatore Romano", welcher, wie Sie in Nr. 88 berichteten, glaubt, daß die Juden noch heute Christenblut zu ihren gottesdienstlichen Gebräuchen benöthigen, ist der amtliche „Moniteur de Rome" entgegenzuhalten, in welchem s. Z. Papst Leo XIII. durch Staatssekretär Cardinal Jacobini Nachstehendes veröffentlichen ließ*) „Nachdem das Osterfest der Juden herannaht, so machen wir im Namen des heil. Konststoriums bekannt: Da wir den Inhalt des Talmud und die jüdischen Religionsgesetze genau kennen, so ist uns positiv, daß die Beschuldigung, welche die Juden verdächtigt, daß sie Chrtstenblut am Osterfest brauchen, falsch und Lüge ist; alles Blut ist den Juden verboten, das Blut des Viehes — der Thiere und der Vögel — um wie viel mehr das'Menschenblut." *) Siehe Israelit, Jahrgang 1883, Nr. 43 (23. Mai.) Türkei. Konstantinopel, 2. Dez. Eine Feuersbrunst zerstörte in der vorigen Nacht das Judenviertel in Aidin (Kleinasien), 200 Häuser und 2 Synagogen sind verbrannt, 8 Personen wurden getödtet, mehrere schwer verwundet. > Vermischtes. < Zwei Führer der „Berliner Bewegung," Hofprediger a. d. Stöcker und Prof. W agner waren als Referenten für eine auf den 17. November, den zehnjährigen Gedenktag des Erlasses der Kaiserlichen Botschaft, anberaumte Versammlung angekündigt. Herr Wagner hielt seinen Vortrag, ohne jedoch auf die „Judenfragc" auch nur mit einem Worte einzugehen. Herr- Stöcker erschien überhaupt nicht. Das scheint auf eine Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Freunden hinzndeuten, welche (wie in voriger Nr. mitgetheilt) schon in der Versammlung der christlich-sozialen Partei vom 13. d. so drastisch zum Ausdruck kam. Frankfurt a. M. Seit einigen Wochen haben die O'7.->ri-Vorträge des Herrn Director Dr. Hirsch'*2 wieder begonnen. Es wird hierdurch vielfachen Wünschen entsprochen. Hdfl. Paris, 5. Dezember. Der Exkaiser von Brasilien, Dom Pedro, ist heute gestorben. Er war ein Freund der Künste und Wissenschaften; mit der hebräischen Literatur war er besonders vertraut. Budapest, 20. November. Vor einigen Tagen erschien vor dem Polizeikoncipisten Förster eine Frau nnd meldete unter Thränen das Fehlen ihrer 11jährigen Tochter. Das Mädchen habe sie gestern mit der Mittheilung überrascht, daß es in Dienst gehen wolle; die Mutter Hane das jedoch durchaus nicht gestatten wollen, heute Morgen aber verließ sie das Haus, sei nicht wieder zurückgekehrt und werde wohl nie wieder zurückkehren, denn sie wisse es bestimmt, ihr armes Kind sei in die Hände der Juden gefallen, die es entweder schon geschlachtet haben, oder cs bis zu den Osterfeiertagen gefangen und versteckt halten werden, um es zu schlachten. Polizeiconzipift Förster verwies der Frau die lächerliche Behauptung mit strengen Worten, da die beschränkte Person aber dabei blieb, so that Förster das Beste, was er unter solchen Umständen thun konnte: er entsendete zwei Detectivs. um die kleine Durchgängen auszusorschen, denen es auch bald gelang, das Mädchen zu eruiren. Dasselbe spazierte wohlgemuth auf der Elisabethpromenaoe. Die Kleine war von dem Inhaber einer Milchhalle aufgefordert worden, bei ihm in Dienst zu treten, sie hatte zugesagt und war mit der Weisung, ihr Engagement der Mutter zu melden und sich ein Dienstbuch zu verschaffen, von dem Milchhallenbesiitzer ausgenommen worden. Heute sollte sie ihren Dienst antreten, da dies aber ihre Eltern nicht gestatteten, ging sie durch. New-Nork. Seit den 5. November erscheint dahier unter dem Titel „Der jüdische Farmr" eine deutsche, in jüdischen Lettern gedruckte Monatsschrift von Hermann Rosenthal.