Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 95 (7.12.1891)
- Date
- 1891-12-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1782 kung des Wanderbettels) veröffentlicht seinen 9. Jahresbericht. Die Zahl der Mitglieder beträgt .930, welche Mk. 9015 Beitrag zahlen. An Geschenken gingen Mk. 6546, an Zins Mk. 803 ein. Verausgabt wurden an 2323 Petenten behufs Unterstützung und Beförderung Mk. 7762 und für besondere Fälle Mk. 13,676. Für Letztere trugen Privatwohlthäter Mk. 3504, die Israelitische Almosenkasse, der Armenverein, das Armenamt und andere Vereine Mk. 1835 und Spender behufs sofortiger Vertheilung Mk. 1935 bei. Gegen 1889/90 zeigt sich, hauptsächlich in Folge der Verfolgungen in Rußland, eine Zunahme der Petenten um 350 und der Gesanimtausgaben um Mk. 5)242. Der Nationalität nach waren unter den Petenten 817 Deutsche, 759 Oesterreicher, 637 Russen u. s. w.; dein Berufe nach 794 Handwerker, 975 Kaufleute und Händler, 79 Lehrer, 23 Beamte, 39 Studenten, 26 Kellner, 17 Künstler und Schauspieler, 8 Ingenieure und Schriftsteller. Unter 20 Jahren waren 411, über 70 55, über 80 8. Köln, 22. November. Weit über die Grenzelt der betheiligten Kreise hinaus erregte ein Brühler Syuagogen-Prozeß vor der hiesigen Strafkammer großes Aufsehen, war doch die jüdische Gemeinde Brühls seit Langem in zwei Parteien gespalten und kam diese Spaltung auch vor Gericht zum Ausdrucke. Angeklagt war der Kaufmann Benjamin K o ß m a n n ans Brühl wegen Unfugs. In der Brühler Synagoge wurden die Plane wie dies noch in vielen jüdischen Gemeinden der Fall ist, in der Weise an die Mitglieder vertheilt, daß das älteste den ersten Platz erhält und so nachfolgend die anderen Mitglieder. Für jeden Platz werden monatlich 67 Pf. bezahlt. Der Angeklagte konnte keinen Platz mehr erhalten, da dieselben alle vergeben waren, er nahm nun eine ganze Zeit hindurch Samstags solche Plätze ein die nicht besetzt waren. In der Pause kam nun jedesmal der Gemeiudediener zu ihm und forderte ihn im Namen des Vorstehers auf, den ihm nicht zugehörigen Platz zu verlassen. Da sich dieser Vorfall jeden Samstag wiederholte, so entstand in der Synagoge in der Pause eine gewisse Spannung, die oft in Heiterkeit ausartete, wenn der Gemeindediener an Koßman herantrat und sich seines Auftrages erledigte. Das Gericht erkennt auf Freisprechung; in den Urtheilsgründen heißt es: Die Erklärung des Angeklagten, daß das verstorbene Vorstandsmitglied Manes Wolf ihn ermächtigt habe, fremde Plätze einzunehmen, ist nicht widerlegt, vielmehr gewinnt dieselbe durch die Zeugenaussagen an Wahrscheinlichkeit, es fällt deßhalb bei dem Angeklagten das dolose Bewußtsein weg. Eine gottesdienstliche Störung sei nicht vorgekommen, da die Aufforderungen stets während der Pause an den Angeklagten gerichtet worden seien. Wenn man annehmen wolle, daß grober Unfug vorliege, so müsse bewiesen worden sein, daß Koßman die Synagogenbesucher oder wenigstens einen Theil derselben belästigt habe. Dies könne man höchstens von denjenigen Personen annchmen, dessen Plan er eingenommen habe. Wie uns aus Rogasen gemeldet wird, beabsichtigt Herr Rabbiner Ludwig A. Rosenthal die auf ihn gefallene Wahl der Gemeinde Allenstein nicht anzunehmen, sondern in seinem fetzigen Wirkungsorte zu bleiben. Crefeld, 11. November. In dem benachbarten Böckum feierten gestern die Eheleute Philipp Goldstein und Veronika, geborene Herz b erg er, das Fest der goldnen Hochzeit. Nicht nur eine große Zahl von Verwandten und Freunden des Jubelpaares hatten sich zusammengefunden, sondern der ganze Ort befand sich in froher Bewegung. Sämmtliche Straßen hatten geflaggt, und manches Haus prangte im festlichen Blumenschmuck. Am Festmorgen fand in der Synagoge ein erhebender Gottesdienst statt, an welchem neben' vielen Ehristen auch der Bürgermeister und der erste Beigeordnete theilnahm. Herr Oberabbiner Dr. Horowitz- Erefeld hielt eine tiefdurchdachte und ergreifende Ansprache, nach welcher er die von Sr. Majestät dem Kaiser übersandte Ehejubiläums-Medaille dem Jubelpaare überreichte. Nach dein Gottesdienste erschien eine Deputation und überreichte die Geschenke der Bürgerschaft; in ihrer Ansprache betonte sie die Eintracht und das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Confessionen hier am Platze. Wien. Baron Dr.. M u n d y, der Schriftführer der Wiener freiwilligen Rettungsgesellschaft, hat in seinem letzten Vortrage über das Jahrhundert der Menschlichkeit folgende Aeßerung gethan: „Eines muß ich offen sagen, gerade unter dem nichtchristlichen Theile der reichen und wohlhabenden Bevölkerung ist der Wohlthätigkeitssinu ein größerer." Pefth. Herr Leopold Geiringer in Wien hat der orthodoxen Gemeinde zu Stampfen, zur Renovirung ihrer baufällig gewordenen Synagoge über 5000 fl. geschenkt, wofür Enltnsminister Czaky deui edlen Spender öffentlich seinen Dank ausgesprochen hat. Der Aufruf des Londoner ComiEs für den zu Gunsten der russischen Juden zu bildenden Hilfsfonds hat in Verbindung mit der von dem Oberrabbiner Dr. Ad I e r in fämmtlichen Synagogen eiugeleiteten Aktion seine Wirkung nicht verfehlt. Bis jetzt hat die Sammlung die Summe von 55000 Lstr. ergeben. Feuilleton. Die Schindmähre. Ein Allegorie. Bearbeitet und ins Deutsche übertragen von S. Hör Witz. Eines schönen Tages, im Sommer, ging ich zur Stadt hinaus mich zwischen die im schönsten Flor prangenden Felder begebend. Ich spazierte einige Stunden hintereinander kreuz und guer, endlich ließ ich mich im Grase, im Schatten eines Baumes, hart am Straßengraben nieder und ringsum schauend, träumte ich und sann nach. Am Felde weideten herrschaftliche Schafböcke, Esel, ganze Pferdherden, die das Zeugniß ihrer