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Der Israelit · 1891-12-07 · Heft 95 (7.12.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 95 (7.12.1891)
Date
1891-12-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1780 Leipzig, 3. Dez. Sehr interessante Enthüllungen darüber, wie es hinter den Koulissen des An- Uscmitismus aussieht, kamen kürzlich gelegentlich einer Verhandlnng zu Tage, die sich vor dem Schöffengericht in Leipzig abspielte. Der vormalige Redakteur des antisemitischen „Leipz. Tag.-An;." (der jetzigen „Neuen Deutschen Zeitung") Hermann Lucko war von dem neuen Besitzer dieser Zeitung, dem Maler Waur, wegen Hausfriedensbruchs verklagt worden, weil Lucko, dem nicht gekündigt, aben wegen angeblichen Ungehorsams die Thür gewiesen war, nicht gegangen war, sondern erst durch einen Schutzmann zum Verlassen des Redaktionslokals veranlaßt werden mußte. Bei Gelegenheit der Beweisaufnahme stellte sich heraus, daß der als Zeuge geladene zweite Redakteur des „Tag.-Anz.", Leutzsch, bereits bei seinem Eintritt in die Redaktion wegen Eingenthumsvergehcn steckbrieflich verfolgt war; gegenwärtig befindet er sich wieder einmal auf der Flucht und wird wegen Unterschlagung steckbrieflich verfolgt. Die Verhandlung mußte vertagt werden, weil sich die Abhörung weiterer Zeugen nöthig erwies. Oe st err. - Ungar. Monarchie. Wien. Hcrr Dr. Adolf Jelliuek Prediger der israelitischen Eultusgemeinde in Wien hat nachfolgendes Gesuch an die niederösterreichische Statthalterei gerichtet: „Hohe k. f. u.-ö. Statthalterei' 2m Laufe der Zeit sind mehrere Aufträge der hohen k. k. n.-ö. Statthalterei über nachträgliche Eintragungen in die GeburtSmatriten herabgekomnlen, bei welchen auch die hebräischen Namen angegeben sind und dementsprechend auch in den Geburtsbiichcrn der hiesigen Israelitischen EmltnSgcmeindc vorgcgangcn wurde. Ich halte es für meine Pflicht darauf aufmerksam zu machen, daß die hebräischen Nanicn im bürgerlichen Leben keinen Werth und nur in litlnirgischen Fällen, z. B. eines hebräischen Segens, bei hebräischen Gebeten, in Krankhcits- und Todesfällen oder bei Ehetrennnngen eine Bedeutung haben. Es kann daher nicht überraschen, wenn die Eltern beim Anblick eines solchen Geburtsscheines sich wundern, mich den hebräischen Namen aus dem Dokumente verzeichnet zu sehen, obwohl er blos bei gewissen lithurgischen oder rituellen Beraniassungen in hebräischer Sprache gebraucht wird. Im Mlle das vorliegende billige Verlangen um Hinrveglassuug des hebräischen Namens im Gebnrtszcngnisse bei der hohen k. k. n.-ö. Statthalterei keine Bewilligung finden sollte, so würde in Hinkunft aus den Geburtsanzeigen die Rubrik „Jüdischer Name" eliminirt werden. W i e n, den 30. Oktober 1891. Dr. Jelli nek m. p-“ Die auf dieses Gesuch herabgelaugte Erledigung war eine zustimmende — womit aber nicht gesagt sein soll, daß in Hinkunft Arthur Kohn leichter Slatthaltereirath werden wird als Abraham Kohn. Ueberhaupt ist uns die Erledigung Nebensache; bemerkenswerth erscheint uns vielmehr das Gesuch, durch welches sie provocirt wurde. Mit demselben hat Herr Dr. Jelliuek sich selbst übertroffen. Unsere alten guten hebräischen Namen haben für ihn nur „lithurgische Bedeutung", d. h, sie sind — Ineus a non lucendo — Namen, welche ihren Träger nicht bezeichnen, außer dem lieben Gotte gegenüber, für den sie gut genug sind. Vor den Menschenkindern schämt man sich ihrer. Ja, „lithurgische Namen" — eine treffliche Entdeckung, freilich für die Aera der „mosaischen Confession" nur das Ei des Columbus. Indien. Bombay im November. Die Bene Israel sind auch in Europa wohlbekannt; denn es sind düs jene Juden, die in e ntgen Städten an der Westküste Indiens leben und eine braune Gesichlsfa be haben. Ueber ihre Abstammung ist schon viel geschrieben und noch mehr gestritten worden, ohne daß die Geschichtsforscher und Ethnographen darüber einig geworden wären. Das Wahrscheinlichste ist jedoch, daß diese Juden von jenen israelitischen Bcrgwerksarbeitern abstammen, die Salomo nach Indien geschickt hatte, damit sie die reichen Goldlager dieses Landes, die aber jetz'- schon vollständig erschöpft sind, ausbeuten sollen und die dann Töchter dieses Landes heiratheten und mit ihnen Nachkommen erzeugten, welche die Gesichtsfarbe ihrer Mütter beibehielten. Diese Nachkommen heiratheten wieder Jndierinnen und so erhielt sich ihre braune Gesichtsfarbe bis auf den heutigen Tag. Ich will indeß heute nicht die Abstammung dieser seltenen Juden erörtern, sondern blos hervorheben, daß die englisch-indische Regierung schon längst die Bene Israel als Soldaten anzuwerben pflegte — in Indien, wie in England ist der Militärdienst nicht obligat, und werden auch hier bei uns die Soldaten blos ang, worben oder gemiethet — und mit ihnen auch vollkommen zufrieden ist, da dieselben äußerst muthig, tapfer und kühn sind, und nur selten zu Klagen Anlaß geben. Noch seltener geschieht es, daß über diese jüdisch-indischen Soldaten wegen Ungehorsams eine Disciplinarstrafe verhängt werden müßte. Für die Kaiserin-Königin Victoria und ihr erlauchte- Haus haben die schwarzbraunen Juden, wie alle Juden Indiens, eine fast schwärmerische Verehrung, da sie wohl wissen, daß sie ihre angenehme bürgerliche Stellung, die fast nichts zu wünschen übrig läßt, nur dem milden und toleranten Scepter Englands verdanken. Selbst die einheimischen indischen Blätter müssen es eingestehen, daß diese Vene Israel, oder wie sie in der Mahrattensprache heißen, die Kutschi, recht tüchtige

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