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Der Israelit · 1891-12-07 · Heft 95 (7.12.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 95 (7.12.1891)
Date
1891-12-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Diejenigen, welche sich nicht auf diesem sicheren Wege in den russischen Kerker, dem sie eben entronnen. durch dies Liebeswerk des Central-Comite zurückführeu lassen wollen, werden aber nach dem Dekrete des hochgebietenden Central-Eomitö's zu Vagabonden, zu Wanderbettlern, zu Schnorrern gestempelt, die sich durchgeschmuggelt haben, wenn sie den Versuch wagen, die Brüderhülse anderswo als an den bestimmten Orten anzurufen. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Berlin, 26. November. Im Monat September wurde auf Anregung des Herrn Rabb-ner Oscar Lipschüß eine Religionsschule gegründet, die sich der Erhaltung der p"rr.n in der unverfälschten Form zum Ziele gesetzt hat. Besondere Verdienste um dieselbe erwarh sich nebst Herrn Dr. Livschütz, der als Rektor mit der größten Aufopferung eines edlen, wahren Jehudi seine Zeit und Kraft der Schule widmet; auch im großen Maaße die Repräsentanz der Synagogengemeiude „Lippmann-Tauß", die trotz der ihr zur Verfügung stehenden geringen Mittel die Schule erhält. Der Unterricht wird in einer der städtischen Commnnalschulen von 6 Lehrern ertheilt, die ihrer Aufgabe voll und ganz entsprechen. Die Schule, welche 300 Kinder besuchen, ist in 4 Elasten eingetheilt, in welchen wöchentlich 7 Stunden in allen Fächern jüd. Wissenschaft Unterricht ertheilt wird. Sonnabend unb Nachmittags wird ferner ein Jugendgottesdienst in alt hergebrachter, echt jüd. Weise abgehalten, der von jungen Kaufleuten gegründet und unter dem Präsidium des Herrn Dr. O. Lipschütz stehende Verein „Kaiser Friedrich" erwähnt worden, dessen Streben es ist, den unbemittelten Schülern die nöthigen Schulbücher zu verabreichen. Berlin, 30 November. Gestern hat hier eine Berathung von Mitgliedern der antisemitischen Volkspartei und der deutsch-sozialen antisemitischen Partei stattgefunden. In dieser Berathung ist eine Ausgleichung der schwebenden Streitpunkte erzielt worden. Die Theilnehmer an der Konferenz haben sich verpflichtet alle gegenseitigen Angriffe in Zukunft zu unterlassen. Etwaige dennoch entstehende Meinungsverschiedenheiten sollen einem Schiedsgericht unterbreitet werden, dessen Spruch für beide Theile bindend ist. Die Agitationsgebiete will man unter einander theilen. Beide Gruppen erlassen auch jetzt eine Erklärung, daß sie mit dem bekannten Rektor Ahlwardt nichts mehr zu thun haben wollen. Das ist nndankbar; dieser Mann ist Werth, beiden Gruppen anzugehören und ihren geistigen Mittelpunkt zu bilden. Berlin, 2. Dec. Die „Kreuzztg." hat die Freude, daß jetzt sogar das offizielle Organ der konservativen Partei, die „Konservative Korrespondenz", zur sogen. Judenfrage Stellung nimmt und sich mit neudeutscher Tapferkeit von Humanitäts¬ und Toleranzideen losgesagt, im Prinzip die Ausstoßung der Juden als berechtigt anerkennt, eine Verschmelzung mit denselben für unmöglich hält, dann aber im Gegensätze zu den reinen Antisemiten und zum stillen Kummer der „Kreuzztg." fortfährt: „Die Konsequenz aus alledem, der eine schroffe Gestalt zu geben der hochherzigen Art der Germanen widerstrebt, und wie wir überzeugt sind, stets widerstreben wird, wird zunächst von der Verwaltung durch Aufrechterhaltung der Praxis vorsichtigster Verwendung von Israeliten im Staatsdienst zu ziehen sein. Darüber hinaus halten wir es für eine Kurzsichtigkeit, wenn man seine Hoffnung auf diese oder jene gesetzliche Maßnahme der Beschränkung setzt, und nicht vielmehr als erste Aufgabe erkennt, uns selbst zu rühren, die bisher bewiesene Indolenz von uns abzuschütteln und, was bereits in bedenklichem Umfange unter den Einfluß eines fremden Geistes gerathen ist, also insbesondere das Zeitungswesen, durch eine energische Anstrengung zurückzuerobern. Daneben liegt, wie wohl jeder Einsichtige längst erkannt hat, die Möglichkeit einer wirlich wirkungsvollen Förderung der Aufgabe der Zurückdämmung lediglich auf dem Gebiete der Frage, durch welche Reformen des Börsen- und Bankwesens das weitere Aufthürmen von Geld und Macht in den Händen des Judenthums hintangehalten und ein angemessener Rückfluß in die Wege geleitet werden kann. An diesen Gesichtspunkten für das Vorgehen dürfte unseres Erachtens festzuhalten sein, während die bisherige Kampfweise des Antisemitismus, die einer niederen Stufe angehörte, mehr geschadet als genützt hat." /ui nsy isj;, Berlin, 4. Dezember. Bei der Reichstagsersatzwahl in Hildesheim wird die Judenhetze in schamlosester Weise betrieben. Ein Flugblatt des antisemitischen Vereins stellt die Behauptung auf, daß der Schulchan-Aruch, der für das Judenthum verbindliche Auszug aus dem Talmud, Betrug, Wucher, Meineid und Mord den Juden erlaubt, aller Völker Gut nur als herrenloses Gut zu betrachten, dazu bestimmt, von den Juden mit jenen Mitteln in Besitz genommen zu werden. Der Landrabbiner Dr. Guttmann in Hildesheim fordert angesichts dieses Flugblatts den Vorstand des deutschsozialen Vereins in Hildesheim öffentlich auf, die Belege für diese ungeheuerliche schmachvolle Behauptung beizubringen und sie der Oeffentlichkeit zu übergeben. Wenn er sich dieser Aufforderung entzieht, so erklärt der Landrabbiner die von dem Verein erhobene Beschuldigung für eine schändliche Verleumdung.

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