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Der Israelit · 1891-12-03 · Heft 94 (3.12.1891) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 94 (3.12.1891)
Date
1891-12-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1760 Feuer, und wie begeistert, mit Händen und Füßen gesticulirend zu sprechen und mit Verehrung wie von den Mysterien des göttlichen Gesetzes, oder den Worten der Kabbala. Man hieß mir, mich immer mehr vom Verstände entfernen und die Sachen nicht so aufzufaffen, wie die Vernunft dictirt — und das nannte man Literatur.4) Sagt was ihr wollt, aber wenn Jemand über daS Ktndesalter bereits hinaus, fällt es schwer, seinem Gedächtnisse derartige Dinge einzubläuen und sie seinem Geiste für die Dauer einzuprägen; besonders schwer aber ist eS fü^ den, der einen guten Kopf hat und vor Begierde brennt, gute und nützliche Sachen zu erlernen. Ich wiederhole es nochmals, daß mir diese Mährchen sehr viel Mühe verursachten; das fortwährende Auswendiglernen derselben vernagelte mir den Kopf, benahm mir den Muth und die Energie, daß ich wie eine Statue aus Lehm war.5) Ich fühlte mich oft ganz niedergedrückt, wie verschlafen. In solchen verzweifelten Momenten, hegte ich Zweifel, ob es mir gelingen wird, meinen Plan durchzuführen und plagte mich mit Fragen, was wohl geschehen könne. Vielleicht wird mir bei der Prüfung ein inhaltloses Mährchen entfallen, oder auch, ich werde bei der Poesie ausglitschen. Dann werden meine Träume ein Ende haben und hie Doktorwifsenschaft, nach welcher ich so sehr lechze, wird für mich verloren gehen. Dann wird auch all' meinen Hoffnungen und auch mir selbst ein Riegel vorgeschoben werden; denn was werde ich dann machen und wie werde ich ausschauen? 4) Der Verfasser hat diesbezüglich eigenthümliche Ansichten, welche er wiederholt geltend macht. 5) Der „Gaulem" der jüdischen Legende. Ich werde ein mißgestimmter Jude sein, der dazu noch den verletzenden Sticheleien der Seinigen ausgesetzt ist. Ich werde eine Kraft sein, aber ohne Stoff; denn wiewohl ich in mir eine Macht verspüren werde, werde ich doch nicht in der Lage sein, sie nach Außen zu entfalten und werde, wie leider so viele unter unfern Juden, Niemand nützen können. Ich werde ein Jude sein, aber leider kein gebildeter Mensch. Ich werde wie jene Frau in der Volkssage sein; wie jene Frau, die überall scheuert, selbst aber im Winkel im Mist steht, oder einfach gesagt, wie ein Besen! Wie jene Frau, die überall herumtummelt und dennoch weder Ansehen noch Werth genießt. *) Wird mir aber gegönnt sein, meine Studien zu Ende zu bringen, dachte ich mir, daß die Welt mir dann offen stehen wird und ich werde ein Mensch in vollem Sinn des Wortes sein. Das ununterbrochene Lernen und das fortwährende Nachdenken aber verschlangen all' meine geistigen und physischen Kräfte; ich war gar nicht wie ein Mensch. Ich wurde mager, wie ein Holzscheit spindeldürr, geschwächt, uud dazu war ich noch voller Sorgen, daß mich die Leute schier nicht erkannten. Die Aerzte kündigten mir an, daß ich. wie Gott nur den Sommer geben wird, viel in freier Luft, außerhalb der Stadt spaziren gehen müsse, und dazu weniger studiren und weniger Nachdenken. Ach! Verstünden sich die Aerzte doch besser auf die Sache und hätten mich lieber von jenen Albernheiten befreit, welche mir nur den Kopf vernagelten und mir eine Krankheit zuzogen. _ (Fortsetzung folgt.) 6) Im Polnischen ist der „Besen" weiblich. „jpMMÜt* und „Jeschurun' erscheint wSchentlich zweimal, Montag- und Donnerstag-, jedesmal in mindestens 9 Bogen. Preis d«S Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 18 Reichs-Mark, für'S Ausland IS Deichs-Mark. Man abonntrt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel f* -«ziehen drt Sk. F. Steinackrr. Leipzig. Doßptah 18. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren 9mm. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Direct« Franeozusendung unter Stretfdand pro Jahrgang für Deutschland mä Oesterreich 14 «eichS-Mark owe st. österr., fftr*l »uSland M «etchS-Mark, a» di« Expedition fwm rfipEmlm Inhalt <Ha«Ptblatt): Leitender Artikel: Die Thau- und Regenbitte. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Frankfurt. Brumath. — Oesterr.-Nngar. Monarchie: Wien. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Schindmähre. Eine Allegorie. Bearbeitet und in's Deutsche übertragen von S. Hor wi tz. | Erste Beilage: Leitender Artikel: Der gegenwärtige Stand der jüd. Colonisations-Bestrebungen und das deutsche E.-C. f. d. russ. Juden. — Zeitungsnachrichten und Corresponbenzen: Deutschland: Mainz. Hamburg. Offenbach. Zweite Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Rendsburg. Au8 dem Kr. Offenbach. — Vermischtes. — Feuilleton: Menascheh. Novelle von N. Leberman, stuck. phil. (Schluß.) Inhalt der belletristischen Beilage: Ein Held. Erzählung von H. Berger. Hierzu 3 Beilagen und eine Illustration „Abfahrt jüdischer Auswanderer am Bahnhofe in Wilna." _ verantwortliche Redaktion: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des^Jsraelit" u. „Jeschurun^^Schöttstraße^MT^^ainz. Druck und Verlag der J oh. Wirth' scheu Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Infolge des Seqerstreiks erscheint unsere heutige Nummer um einige Stunden später und bitte« wir desthalb «nsere geehrte« Leser «m freundliche Entschuldigung.

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