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Der Israelit · 1891-12-03 · Heft 94 (3.12.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 94 (3.12.1891)
Date
1891-12-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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weckt worden, und die Beschäftigung mit derselben erregte in der Brust vieler Männer religiöse Zweifel, die bei manchen zum Abfalle vom Judenthum führten. In jene Zeit nun fällt das Leben Saadjahs. Er wurde zu Fayum in Egypten im Jahre 4652 geboren. Ueber seine Jugendzeit und über seine geistige Entwicklung ist uns nichts überliefert. Wir lernen ihn zuerst aus seinen Werken kennen, in denen er sich stets als ein Vorkämpfer der Wahrheit zeigt. Seine erste Schrift war gegen die Karäer gerichtet, von deren Irrlehren sich auch in Egypten viele hatten verlocken lassen. Er verstand es, nachzuweisen, wie unmöglich es ist, die heilige Schrift aus sich selbst zu erklären, wie sie ohne die mündliche Lehre gleichsam ein Körper ohne Geist ist. — Aber Saadjah sah ein, daß allein mit Streitschriften gegen die Karäer nicht geholfen war. Wollte man ihnen wirksam entgegentreten, so kam es darauf an, die heilige Schrift dem Volke zugänglich zu machen. Und so begann er seine Uebersctzung der heiligen Schrift in die arabische Sprache, welche damals ansing, Weltsprache zu werden. — Er war ebenso bewandert in den heiligen Schriften wie im Talmud, und auch in das Paradies der Wiffenschaften, in jenen Wundergarten, der für so viele zum Irrgarten wird, trat er ein, und auch von ihm kann man sagen: Er ging hinein in Frieden und kam wieder heraus in Frieden. Er erkannte es, daß die Wissenschaft, richtig verstanden, dem Judenthum nicht schaden, sondern nur nützen könnte. Durch seine Werke hatte Saadjah die Aufmerksamkeit der Resch Galutha David ben Sakkai auf sich gelenkt, und als das Amt eines Gaon an der Hochschule zu Snra erledigt war, wurde Saadjah auf diesen Posten berufen. Die Hochschule entwickelte sich unter seiner Leitung zu neuer Blüthe, und ans allen Gegenden strömten die Jünger herbei, und zu den Füßen des großen Meisters zu sitzen und seinen Lehren zu lauschen. — Leider sollte seine Wirksamkeit nicht lange dauern. In einem Prozesse hatte der Resch Galutha ein Urtheil gefällt, das er von Saadjah bestätigt wünschte. Saadjah aber, der das Urtheil für ein ungerechtes hielt, weigerte sich, demselben bcizuftimmen, und blieb trotz des mehrmals wiederholten Verlangens des Resch Galutha seiner Ueberzeugung treu. In der Erbitterung hierüber sprach der Resch Galutha die Absetzung Saadjahs aus, der nun Sura verließ. Doch er zog sich nicht grollend zurück, sondern setzte seine Thätigkeit in seinen Werken fort, von denen das Buch rozni nwe« das wichtigste ist. In diesem offenbart sich die ganze Erhabenheit seines Geistes, sein ganzes Fühlen und Denken hat er hierin niedergelegt. Er geht von der Voraussetzung aus, daß die Lehren des JudenthumS dieselben sind, wie die der Vernunft. Auf die Frage, wozu dann eigentlich die Offenbarung nöthig sei, antwortet er, daß der Weg durch das Denken allein ein unsicherer wäre. Klippen und Gefahren würden den bedrohen, der auf diesem Wege allein das Ziel erreichen wollte. Durch die Offenbarung aber wird der Mensch auf eine Lehre geleitet, auf der ein Straucheln nicht mehr möglich ist. Und auf dieser Grundlage durchmustert er das ganze Gebiet der jüdischen Glaubenslehre. So ist dieses Werk heute noch das herrlichste Denkmal eines Geistes, in welchem Glauben und Wissen sich zur schönsten Harmonie vereinigen. Nach'sieben Jahren trat endlich eine Aussöhnung zwischen dem Resch Galutha und Saadjah ein. Saadjah kehrte nach Sura zurück, der Resch Galutha kam ihm entgegen, und beide sanken sich gerührt in die Arme. — Bald darauf raffte der Tod den Resch Galutha hinweg, und kurz nachher starb auch sein Sohn. Da hätte nun Saadjah Gelegenheit gehabt, sich für die einst erlittene Kränkung zu rächen; aber sein edles Herz war wett davon entfernt. Er nahm den Enkel seines ehemaligen Feindes ins Haus und sorgte in väterlicher Weise für seine Erziehung und seinen Unterricht. Bald darauf starb auch Saadjah. Nur fünfzig Jahre hatte sein Leben gewährt, aber diese Zeit genügte, um ihm ein unvergängliches Andenken in Israel zu sichern für alle Zeiten. Das zahlreich erschienene Publikum spendete dem Redner, der durch seine meisterhafte Darstellung sowie durch seinen glänzenden Vortrag stets die Zuhörer zu fesseln weiß, reichlichen Beifall. Brumath, 30. Nov. Die Wahl eines Rabbiners für die hiesige Stadt hat einen Zwiespalt zwischen der hiesigen Synagogenverwaltung und dem israelitischen Konsistorium des Unterelsaß hervorgerufen, in welchem gegenwärtig die Entschetdunng des kaiserlichen Ministeriums angerufen worden ist. Der Sachverhalt ist ganz kurz folgender: Um die hier erledigte Stelle bewarben sich die Rabbiner Dreyfujs und Meyer, sowie der Rabbinatskandidat Dr. Weil. Unterm 28. September ließ das Consistorium der Synagogenverwaltung einen Brief zuge en, in dem es unter anderem hieß: „Um der Gemeinde Brumath einen vollständigen Beweis unserer Ergebenheit nnd Achtung zu geben, laden wir die drei Bewerber ein, an ein und demselben Tage, am 1. November, in der Synagoge zu Brumath Probepredigt zu halten." Diese Aeußerung bildet den Beweis dafür, daß damals das Consistorium sich die Entscheidung über die Auswahl der Candidaten nicht selbst beilegen, sondern dieselbe der Gemeinde

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