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Der Israelit · 1891-12-03 · Heft 94 (3.12.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 94 (3.12.1891)
Date
1891-12-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1755 Lande hinweg, das Gott euch giebt." (V. B. M. 11. 13 ff.) „Erbittet von Gott Regen zur Zeit des Frühregens, Gott bildet die Wolken, und den Niederschlag des Regens giebt er ihnen, jedem einzelnen Mann, jedem Kraut auf dem Felde." (Secharjah 10. 1.) Dieser Wahrheit, daß die Regenspende ein unmittelbares Gnadengeschenk Gottes ist, deren Gewährung und Versagung von unserem sittlichen Verhalten abhängig ist, giebt unsere Thau- und Regenbitte Ausdruck, indem sie nicht urw *pa segne uns, sondern wty ya gewähre unserethalben den Segen der Jahre, lautet. Von Zion, wo Gott seinen Segen bestellt, geht auch das Wort seiner Thora aus. Sie sind beide unzertrennlich. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 1. Dezbr. Es erschien vor Kurzem in Rußland ein Buch, das, im russisch-jüdischen Jargon geschrieben, unter unserendortigen Glaubensgenossen die größte Sensation hervorrief. Rasch verbreitete es sich in einer Auflage von vielen Hunderttausenden und Hoch und Niedrig, Groß und Klein verschlang das Buch mit einem wahren Heißhunger. In den Salons unserer wenigen reichen russischen Brüder, wie in den tausenden elenden Hütten der jüdischen Steinklopfer, Dachdecker, Schuhflicker u. s. w. ward von nichts Anderem gesprochen als von der „Kliatschka" (dies ist der Titel des Werks), und als die einzige jüdische Zeitschrift in Rußland, die in russischer Sprache erscheint, der „Woschod" sich anfchickte die Erzählung auf Russisch zum Abdruck zu bringen, um deren Inhalt auch Nichtjuden zugänglich zu machen, da wurde diese Zeitschrift sofort von der Regierung auf 6 Monate suspendirt. Und was ist der Inhalt dieses merkwürdigen Buches, das im Stande war eine solche Erregung hervorzurufen? Mit kurzen Worten sei es gesagt: Das Buch enthält den Aufschrei des gequälten, gepeinigten, zu Tode gehetzten, gefesselten, in seinen Kerkermauern halb verschmachteten russischen Israel. In meisterhafter Weise verstand es der Verfasser seine Thränen, Seufzer und Verzweiflungsschreie in eine Form zu kleiden, die die kaiserlich-russischen Ceusoren lange Zeit über die wahren Absichten der Erzählung im Unklaren ließen. Erst als das Werk eine vorher fast noch nie gesehenen Verbreitung erlangt hatte, wurde die Jargonschrift selbst verboten und die wenigen heute noch in Rußland vorhandenen Exemplare werden auf das Sorfältigste versteckt. Es ist uns gelungen eine vorzügliche Uebersetzung der „Kliatschka" (die Schindmähre) zu erwerben und gelangt das erste Kapitel derselben in unserer heutigen Nummer zum Abdruck. Möge der Allgütige, der dereinst die Wehklhagen unserer Väter in Aegypten gehört, auch den Aufschrei unserer Brüder in Rußland vernehmen und Seines Bundes gedenken. Frankfurt a. M., 24. Novemb. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur begann am vorigen Sonntag Abend wieder der alljährige Cyklus von Vorträgen. Den Reigen der Redner eröffnete Herr Dr. H. He ine mann, dem die in dieses Jahr fallende tausendjährige Jubelfeier des Gaons Rabbi Saadjah Veranlassung bot, dessen Leben und Wirken zum Gegenstand seines Vortrages zu machen. Der Redner gab zunächst ein Bild von den Verhältnissen der Juden in Babylonien zu der Zett, in welche Saadjahs Leben und Wirken fällt. Die ersten Juden kamen nach der Zerstörung des ersten Tempels nach Babylonien, das ihnen bald aus einem Lande der Knechtschaft zum zweiten Vaterlande wurde. Sie durften frei ihren Glauben bekennen und nach ihren Gesetzen leben, und fühlten sich infolgedeffen in ihrer neuen Heimath so glücklich, daß viele von der von Cyrus gewährten Erlaubntß, nach Palästina zurückzukehren, keinen Gebrauch machten. Während der Stürme, die in der Folge über die Juden (Palästina) hereinbrachen, wohnten sie ruhig und friedlich und gewährten den Flüchtlingen ans Palästina oft gastliche Aufnahme. Auch unter der Herrschaft der Magier änderte sich dieser glückliche Zustand anfangs nicht, und gerade in jene Zeit fällt die höchste Blüihe des Talmudstudiums. Erst 200 Jahre später begannen die Verfolgungen, unter denen die Juden Babyloniens schwer zu leiden hatten. — Mohammed, der die Juden in Arabien grausam verfolgte, gewährte ihnen in Persien, als er es erobert hatte, alle Freiheiten, weil er sie als Bundesgenossen zu schätzen wußte, und der Resch Galutha, das weltliche Oberhaupt der babylonischen Juden, war einer der ersten Fürsten im arabischen Staate. Jene Periode ist die Blüthezeit der Hochschulen in Sura und Pumbaditha. Sie bildeten das höchste Tribunal für alle religiongesetzlichen Entscheidungen und für alle Rechtsachen, und stellten so einen Einigungspunkt für alle Juden der Erde dar. Aus allen Theilen der Welt wurden dorthin Anfragen gerichtet. — Aber bei dieser glücklichen äußeren Lage erhoben sich bald innere Streitig, keiten und ein persönlicher Zwist zwischen Anan, dem Sohne eines Resch Galutha, und den Geonen führte zur Entstehung des Karäismus. — Durch die Araber war auch das Studium der Philosophie wieder er-

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