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Der Israelit · 1891-12-03 · Heft 94 (3.12.1891) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 94 (3.12.1891)
Date
1891-12-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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I 1-54 Indem wir also Thau und Regen für uns von Gott zu einer Zeit erbitten, in welcher zunächst nicht wir, sondern die Berge Zions seiner bedürfen, so geben wir mit dieser Bitte der Ueberzeugung Ausdruck, daß auch heute noch unser Scgen von Zion ausgeht, daß dort Gott für uns Segen und Leben spendet bis in alle Ewigkeit. — Vielleicht trägt der Grundstein des Heiligthums in Zion den Namen rvrw p«, dessen Bedeutung die Weisen durch o^iyn nntifin wiedergeben, eben deshalb, weil von ihm aus die ganze Weltt hatsächlkch getränkt wird. Wie hebt doch diese Anschauung, die in jedem Thau- und Regentropfen einen Segensgruß des in Schutt und Asche begrabenen Zionsheiligthums erblickt, deu Gott um Segen bittenden Juden himmelhoch über diejenigen empor, die sich sonst Gott nahen um seinen Segen davon zu tragen! Da steht der Jude und betet dreimal täglich mit nach der Richtung zum zertrümmerten Tempelheiligthum gewandtem Blick: Gieb Thau und Regen zum Segen! nicht für mich, nicht für mein Volk, sondern für die ganze Fläche der Menschcnerde! Und diese Welt, für die er den Segen des Himmels erfleht, sieht schaal auf den betenden Juden nieder, und mißgönnt ihm den bescheidenen Antheil des Segens, den er vom Vater der Menschheit ausnahmslos für alle erbittet: Und wie bittet er um diesen Segen! .rwi rutrm 'n upy "pa Segne unsercthalben Gott unser Gott dieses Jahr! Unserethalben! Wie steht die Bedeutung dieses Wortes doch in schneidendem Gegensatz zu der landläufigen Anschauung, welche die Einfalt belächelt, die noch allen Ernstes au den Einfluß des menschlichen Gebets auf die Bildung von Thau und Regen glaubt! Es gehört Muth, jüdischer Muth dazu, mitten in einer Welt, die mit ihren Thermometern und Barometern, die mit ihrem ganzen metereologischcn Apparat ausgerüstet, sich als die Herrin über Sonnenschein und Regen dünkt und jeden als beschränkt und ungebildet verfehmt, der nicht der Fahne ihres Wetterprophetenthums blindlings Heeressolge leistet, wahrlich es gehört Muth dazu, unbeirrt von dieser Anmaßung mit der ganzen Innigkeit die Thau- und Regenditte zu beten. Und doch zeigt ein orientirender Blick auf die Forschungsresultate der metereologischcn Wissenschaft, wie unberechtigt diese Prätensioneu sind. Bei allen großartigen Fortschritten, welche die Metereologie besonders durch die epochemachenden Forschungen Dove's auch zu verzeichnen hat, sagt dennoch einer der hervorragendsten Autoritäten der Witterungskunde in seiner kürzlich veröffentlichten Schrift, daß man auch heute micht einmal 24 Stunden voräus, mit einiger Sicherheit das Wetter, Regen oder Sonnenschein bestimmen könne! Wäre aber diese Vorherverknndung wirklich mit Sicherheit je möglich, so wäre auch das höchste Ziel, das sich diese Wissenschaft gesteckt hat damit erreicht. Ein unmittelbarer Einfluß auf die Herbeiführung oder Beseitigung von Thau und Regen, das Wetter nicht zu verkünden, sondern es zu machen, liegt eingestandenermaßen außerhalb der Grenze des durch menschliche Wissenschaft Erreichbaren. Es ist wunderbar! Nichts beschäftigt und beeinflußt uns mehr, inib gegen nichts erscheinen wir zugleich ohnmächtiger als gegen das Wetter. Es ist ihm durch keine Wissenschaft berzukommcn, seine Gestaltung und seine Folgert entziehen sich so entschieden dern menschlichen Machtbereich, daß seine Unlenkbarkeit und Selbstständigkeit auch in diesem Sinne das Wort der Weisen bestätigt, welches die Regenspende unter die Dinge zählt, deren Schlüssel Gottes Allmacht keinem Boten anoertraut hat. Dagegen hat Gottes Weltlenkung deu Segeri und den Fluch, der sich an die athmosphärischcn Niederschläge knüpft, und damit das Wohl und Weh der ganzen Erde und ihrer Bewohner bedingen, von der sittlichen Bollkornmenheit und Mangelhaftigkeit der Menschen abhängig gemacht. Wo in Gollcswort zum ersten Male vom Regen die Rede ist, wird auch sofort seine Beziehung zum Menschen betont, wie der Regerr nicht herniederfie!, so lange kein Mensch da war, um die Meuschenerde zu bebauen. „Alles Gewächs des Feldes war noch nicht ans der Erde, und alles Kraut der Erde mar noch nicht gewachsen, denn Gott hatte noch nicht regnen lassen, weil noch kein Mensch da war, um die Menschenerde zu bebauen." (I. B. M. II. 5.) „Wenn ihr in meinen Gesetzen gehen, meine Gebote beobachten und sie erfüllen werdet, dann werde ich eueren Regen zur Zeit geben, die Erde wird ilpen Ertrag geben und der Baum des Feldes seine Früchte." (III. B. M. 26. 3.) „Wenn ihr gehorchen werdet auf meine Gebote, die ich euch heute gebiete, zu lieben Gott eueren Gott uub ihm zu dienen mit euerem ganzen Herzen und euerer ganzen Seele, dann werde ich geben den Regen eueres Landes zu seiner Zeit, Frühregen und Spätregen und du wirft einheimsen dein Getreide, deinen Most und dein Oel. Hütet euch aber, damit nicht bethört wird euer Herz und ihr abweichct und dienet anderen Göttern und euch vor ihnen uiederwerfet. Dann wird entbrennen der Zorn Gottes über euch und er wird verschließen den Himmel, so daß kein Regen sein und die Menschcnerde ihren Ertrag nicht geben wird und ihr werdet rasch zu Grunde gehen von dem guten

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