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Der Israelit · 1891-11-30 · Heft 93 (30.11.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 93 (30.11.1891)
Date
1891-11-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1746 Bürgern naturgemäß nicht verfangen wollen, greifen diese Herren, um ihre Versammlungen;u füllen, zu dem verwerflichen Mittel, unter dem Borgeben, als wollten sie gememeinnützigen Bestrebungen dienen, Zuhörer anzulocken. Diese Leute m Mauchen sogar die Geneigtheit der Redaktionen, Anzeigen von Wohlthätigkeits- und gemeinnützigen Vereinen unentgeltlich aufzunehmen, um sich in die Spalten liberaler Blätter einzuschmuggeln, was wirklich Humanitären Veranstaltungen insofern schaden wird, als Blätter, deren Vertrauen man so mißbraucht, künftig doppelt vorsichtig gegenüber Ankündigungen ihnen nicht genau bekannter Personen sein müssen, auch wenn es sich um angebliche Wohlthätigkeitsbestrebungen handelt. In einem höflichen Anschreiben hatte uns ein Herr „G. R. Fenske, höchste Straße 7" um Aufnahme einer Versammlungsnotiz über den „Deutschen Verein" ersucht, der eine allgemeine Hilfsbewegung für Deutsche im Auslande einleiten wolle. Wir waren gutmüthig genug, dieser Bitte zu willfahren. Heute ersehen wir aus der „Kreuzztg." und der „Staatsbürgers.", daß es sich dabei um Veranstaltungen der „antisemitischen Volkspartei" handelt, welche die Absicht hat, in öffentlichen Versammlungen alle möglichen Gegenstände zu besprechen. Wir wollten nicht unterlassen, unsere Leser auf den wirklichen Charakter der leider auch von uns erwähnten Versammlung hinzuweisen. Der „Deutscher Verein" würde es wahrscheinlich gern sehen, wenn er mit dem „Allgemeinen Deutschen Verein" (Vors. Reichstagspräsident v. Levetzow) verwechselt würde,- diese letztgenannte Körperschaft steht aber den verhetzenden Bestrebungen jener neuesten antisemitischen Gründung vollkommen fern. Breslau. Die Nachricht der „Köln. Ztg.", daß in Myslowitz aus Krakau 26 jüdisch-russische Auswanderer eingetroffen sind, die nach Afrika gehen wollen und an der nubischen Grenze zum Schutze gegen das Raubgesindel angesiedelt werden sollen, ist dahin zu berichtigen, daß jene 21 (nicht 26) Auswanderer der erste Trupp derjenigen russischen und galizischm Glaubensgenossen sind, welche Herr Rentier Paul Friedmann in Berlin an der Westküste des Meerbusens von Suez, da, wo man das alte Midian vermuthet, anzusiedelu beabsichtigt, nicht „zum Schutze gegen das Räubergesindel", sondern in der hochherzigen Absicht, auch dort einem Theil unserer hetmathlosen Brüder eine Heimath zu schaffen. Die geplante Ansiedelung soll mehrere hundert Familien aufnehmen, aber erst dann, wenn alle Vorarbeiten erledigt, Wohnhäuser gebaut, die Landstriche fruchtbar gemacht sind rc. Diese Aufgabe obliegt jenen 21, welche um etwaigen Angriffen der benachbarten Beduinen begegnen zu können, unter der Oberleitung des sächsischen Offiziers Herrn v. Seebach eine vollständige militärische Ausbildung erhalten haben, zumal da sie später, nach der geplanten Erweiterung der Colonte die Polizei bilden sollen. Herr Friedmann bestreitet die sehr bedeutenden Kosten der Expedition und Ansiedelung vollständig aus eigenen Mitteln und ist erst nach wiederholtem Aufenthalt an Ort und Stelle, nach vorsichtiger Prüfung aller in Frage kommenden Factoren an die Ausführung seines Planes gegangen, Trotzdem werden über das Gelingen des Versuchs von Kennern der territorialen und politischen Verhältnisse jener Gegenden, welche nur nominell unter aegyptischer Oberhoheit stehen, ernste Bedenken gehegt. Hervorgehoben zu werden verdient, daß Herr Friedmann als Christ geboren ist, allerdings in zweiter Linie von Inden abstammt. Unter den 21 Auswanderer, welche vorige Woche die Reise angetreten haben, befinden sich auch zwei Schochtim. I)r. N—dt. Leipzig, 25 Nov. Der frühere Rektor der hiesigen Universiät, Prof. Dr. Bind in g, hatte, kurz vor den Sommerferien ein Referat über das Naudh'sche Buch: „Die Juden und der deutsche Staat", das im „Verein deutscher Studenten" gehalten werden sollte, verboten, worauf sich der genannte Verein Beschwerde führend an das Ministerium gewandt hatte. Die Beschwerde ist zurückgewiesen worden, da es sich nach Professor Vinding's eigener Aussage nicht sowohl um ein Verbot des Vortrags als um ein Verbot des Anschlags am schwarzen Brett gehandelt habe. Demgegenüber erklärt der derzeitige Vorsitzende des Vereins auf Ehrenwort, daß der Rektor nicht nur den Anschlag, sondern den ganzen Vortrag verboten habe und zwar mit dem Bemerken, er wünsche nicht, daß der Antisemitsmus in der Studentenschaft so überhand nehme. Frankfurt a. M., 26. Nov. Vergangenen Sonntag Abend eröffnete im Verein Meckor Chajim, Herr Dr. Sulzbach wieder seine im vorigen Jahre mit so großem Beifall aufgcnommenen Vorträge über jüdische Literatur, welchem ein überaus zahlreiches Publikum — worunter eine große Anzahl Damen — beiwohnte. Der Vortrag behandelte die spanisch-arabische Blüthezeit der jüdischen Literatur, welche ein erhebendes Bild für den Aufschwung der jüdischen Geister bietet; damals feierte in Europa die Barbarei und die Rohheit unter den Völkern ihre üppigsten Orgien. Es sind hehre, vom höchsten Idealismus durchglühte Gestalten, die uns vorgesührt wurden. Chasdai ben Jsak Schaprut, Moses ben Chanoch, waren es, die Wissenschaft, religiöse und weltliche Poesie, insbesonders aber das Talmudstudium hegten und pflegten. Von nicht minder großem,

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