Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-11-30 · Heft 93 (30.11.1891) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 93 (30.11.1891)
Date
1891-11-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448208--33201-2481082
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1747 hohen und hingebungsvollen Streben für Dichtkunst und Forschung war Dunasch ben Laprat erfüllt, den man als hervorragenden Sprachforscher, als den Verfasser der ersten wissenschaftlichen Grammatik rühmte. Im schließt sich in gleich bedeutsamer Wirksamkeit Menachem ben Sruch an, der von Chasdai aus seiner Heimat Tortosa nach Cordova berufen wurde und welcher das erste hebräische Wörterbuch verfaßte. Das Leben dieser einzelnen Männer wurde von Herrn Dr. Sulzbach in eingehendster Weise behandelt, doch es'würde zu weit führen, wollten wir die lichtvollen Ausführungen des Redners auch nur scizzenweise wiedergeben. Für seinen fesselnden Vortrag wurde derselbe durch lebhaften Beifall belohnt. Offenburg. Am Donnerstag den 26. November beging das ehrwürdige Greisenpaar Herr Samuel Bloch und dessen Ehefrau das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Während seitens der Angehörigen eine imposante Feier beabsichtigt war, ging solche auf ausdrücklichen Wunsch der Jubilanten still und geräuschlos im engeren Familienkreise vor sich und kam deren stets bewährte Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit auch in diesem Falle wieder zum Ausdruck. Söhne, Töchter, Schwiegertöchter und Enkel versammelten sich in der mit Pflanzen reich und geschmackvoll ausgeschmückten Wohnung der Jubilanten, um dieselben zu beglückwünschen. Zahlreiche Gratulations-Briefe und Telegramme, sowie Geschenke liefen ein, unter diesen auch ein prachtvolles Ruhebett als Symbol der wohlverdienten Ruhe. Unter den Gratulanten befand sich auch der hiesige Großherzogliche Amtsvol stand Herr Föhrenbach, der in einer herzlichen Ansprache das Jubelpaar beglückwünschte und demselben in Allerhöchstem Aufträge unseres allgeliebten Landesvaters Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs rr ein Glückwunschschreiben, sowie die Bildnisse Ihrer Königlichen Hoheiten in prachtvollen Goldrahmen als ein Zeichen huldvoller Theilnahme an der freudigen Festfeier überreichte. Tief gerührt dankte der Jubelgreis für die ihm von hoher und allerhöchster Stelle zu Theil gewordenen huldvollen Aufmerksamkeit und schloß mit einem Hoch auf unser edles Fürstenpaar und das ganze Großherzogliche Haus. Herr Bürgermeister Schweiß ließ Namens des Stadtrathes und der ganzen Gemeinde ein Gratulationsschreiben überreichen und fein lebhaftes Bedauern darüber aussprechen, daß er wegen Ortsabwesenheit seine Herzenswünsche nicht persönlich darbringen konnte. Unter allen übrigen zahlreichen Huldigungen und Aufmerksamkeiten erfreute keine in so hohem Maße das von inniger Religiosität erfüllte greise Paar als die, welche ihm von der Dnor» rrfcnM zu Theil geworden ist, deren Mitglieder sich in der Wohnung der Jubilare zum ri'in^-Gottesdtenste versammelten, um dem seit V, Jahre leider völlig erblindeten Greise Gelegenheit zu geben, rrorfc rftiy zu sein, was ihm ein wahres Herzensbedürfniß war und ihm hohe Befriedigung gewährte. Das mangelnde Augenlicht ausgenommen, erfreut sich Herr Bloch, weit mehr aber seine Frau einer für dies hohe Alter seltenen Rüstigkeit. Wohlverdient und gerechtfertigt ist die aufrichtige Verehrung, die dem greisen Ehepaare von allen Seiten entgegengebracht wird. Wir blicken hier in ein harmonisches, niemals von einem Mtßton getrübtes, vom Geiste wahrer Religiosität getragenes Ehe- und Familienleben. Das edle Paar lebt stets, wie unter sich, so auch mit der Umgebung im tiefsten Frieden. Es gereichte ihm jederzeit zu hoher Befriedigung, im Stillen wohlthätig zu wirken. Mit seinem vor etwa 10 Jahren verstorbenen Bruder gründete Herr Bloch das nunmehr schon über ein halbes Jahrhundert unter der Firma „Gebrüder Bloch" bestehende Manufakturwaarengeschäft, das aus ganz kleinen Anfängen heraus durch Fleiß, Tüchtigkeit und hauptsächlich durch gewissenhafteste Reellität zu einem der bedeutendsten Geschäfte hiesiger Stadt und Umgegend geworden und von den Söhnen der Gründer in gleicher Weise fortgeführt wird. Wir sehen hier, wie der Jubilar mit wahrhafter Begeisterung für den väterlichen Glauben den Namen „Jude" auch in geschäftlicher Beziehung zu würdigen und zu Ehren zu bringen wußte. Mögen alle unsere Glaubensgenossen sich hieran ein Beispiel nehmen und erkennen, daß auch der auf dem Boden der Tradition stehende Jude, wenn er „redlich handelt und Recht ausübt," sich der Achtung und Werthschätzung seiner rechtdenkenden nichtjüdischen Mitbürger erfreut und hiezu nicht das Abstreifen alles mit der Religion Zusammenhängenden erforderlich ist, welche letztere Meinung vielfach Platz gegriffen hat, wenn sie auch nicht ausgesprochen oder zugegeben wird. Dem greisen Jubelpaar wünschen wir, daß die stattliche Zahl von 60 Jahren sich vermehren möge durch eine Reihe weiterer Jahre ehelichen Zusammenlebens in ungeschwächter Gesundheit und Zufriedenheit. Frankreich. Paris. In der am 19. d. M. abgehaltenen Jahressitzung der Academie frangaise hat Victor Cherbuliez den Bericht über die Vertheilung der Tugendpreise (los prix de vertu) erstattet und denselben mit folgenden Worten geschlossen: „Jüngst bemühte sich ein junger Ingenieur, ein Dorf in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.