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Der Israelit · 1891-11-30 · Heft 93 (30.11.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 93 (30.11.1891)
Date
1891-11-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1742 Abkommen getroffen worden, um dort 30,000 russische Juden anzusiedeln. Die Auswanderer werden in neun deutschen Grenzstädten in Empfang genommen werden. Nur die körperlich Tauglichen werden zur Reise nach Amerika unterstützt werden. Meistens sollen sie direct von Hamburg nach New- Iork geschickt werden. Dort nimmt sie das New- Iorker CentralcomiLS in Empfang und befördert sie in Abtheilungen von 10—20 Familien nach verschiedenen Theilen des Landes. Egypten. Alexandrien, 8. November. Die hiesige jüdische Gemeinde hat nun seit einigen Wochen ein eigenes Colleg oder Lyceum, dessen Gründung wir einzig und allein den ehrwürdigen Patres aus dem Jesuitenorden zu verdanken haben. Die Sache verhält sich nämlich so. Der genannte Orden besitzt schon seit Decennien hier das Colleg „Saint; Frangois", das auch von zahlreichen jüdischen Zöglingen besucht wurde. Am vergangenen yy wendeten sich nun die Eltern dieser Zöglinge an die ehrwürdigen Patres mit der gewiß nicht unberechtigten Bitte, sie möchten ihren Kindern gestatten, am folgenden Tage vom Unterrichte wegzubleiben, damit sie die Synagoge besuchen können. Die Antwort der ehrwürdigen Patres lautete indeß auch hier: ant, aut d. h. entweder die jüd. Zöglinge treten gänzlich aus dem Colleg aus, oder sie verzichten darauf, den Vcrsöhnungstag zu feiern. Da diese jedoch erklärten, daß sie um jeden Preis am Versöhnungstage fasten und die Synagoge besuchen werden, so wurden sie sogleich insgesammt aus dem Colleg ausgewiesen. Nicht genug aber mit dieser öffentlichen Beschimpfung ihrer jüdischen Schüler gingen die ehrwürdigen Patres noch um einen Schritt weiter und veranstalteten für ihre chriftl. Zöglinge eine Art Fest zur Erinnerung an die Austreibung der Juden aus dieser Anstalt. Bet diesem Feste wurde den chriftl. Zöglingen von den ehrwürdigen Patres eingeprägt, stets die Juden zu verachten und sich von ihnen fern zu halten. Selbstverständlich haben die Eltern der meisten dieser chriftl. Zöglinge gegen das Vorgehen der Patres heftig protestirt, indem sie darauf hinwiesen, daß in einem Lande, wo die Christen selbst froh sein müssen, wenn man ihnen Toleranz erweise, es sich doch nicht gezieme, daß diese die Intoleranz auf ihre Fahne schreiben. Sei dem wie immer, genug, die jüd. Zöglinge wußten jetzt nicht, an welches Colleg sie sich wenden sollten. Deren Eltern traten nun zusammen und gründeten für ihre Kinder ein eigenes Colleg, so daß dieselben in Zukunft keine chriftl. Anstalt werden aufsuchen müssen. Bedauerlich ist nur, daß das Schulgeld in diesem jüd. Colleg mit 100 Francs per Monat festgesetzt wurde, so daß es schwerlich von den Kindern der Armen aufgesucht werden wird. Circa zweihundert aus Rußland vertriebene Juden haben Heuer in unserer Stadt in gemietheten Localen die dww D'D’ (hohen Feiertage) festlich begangen, und hat ihnen die hiesige Cultusgemeinde die nöthigen Gebetbücher, Seforim, Taleßim und Schofroth geliehen. Dr. Camerini besuchte täglich im Aufträge der Gemeinde diese Flüchtlinge, um sich von ihrem Gesundheitszustände zu überzeugen. Ein Theil derselben ist unterdessen schon nach Marseille abgereist, um sich dort nach Südamerika etnzuschiffen, wo sie hoffen, in den Colonien des Baron Hirsch angesiedelt zu werden. Amerika. New-Bork, 12. November. In der letzten Staatswahl ist unserem Glaubensgenossen Herrn Simon Rosenthal die höchste juristisch-politische Stellung zu Theil geworden, zu welcher bis jetzt ein amerikanischer Jude sich emporgeschwungen hat; er wurde nämlich mit großer Majorität zum „Attorney-General", was mit Justizmtnifter gleichbedeutend ist, für den Staat New-Aork gewählt. > Vermischtes. < Berlin. Herr Lic. Gräbner, der Herausgeber der „Mittheilnngen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus," erzählt folgendes luftige Stücklein in der soeben erschienenen Nr. 5 seiner Wochenschrift: „Au der schrecklichen Eisenbahnkatastrophe von Mörrchenstein bei Basel sind die — Juden oder doch ein Jude schuld. Sogleich nach dem Bekanntwerden des Unglücksfalles beeilten sich die antisemitischen Blätter, den Erbauer der Brücke, den bekannten Ingenieur Eissel zum Juden zu stempeln. Im Böckelschen „Reichsherold" tauchte noch dieser Tage der „Jude Eiffel" wieder ans. Von zuverlässiger Seite wird uns mitgetheilt, daß Eiffel weder Jude noch jüdischer Abstammung sei." Wär's nicht so bitter ernst, man könnte darüber lächeln und spotten. Nachgerade gewinnt es den Anschein, als seien die Führer der Judenhetze von der Geisteskrankheit befallen, die man „Monomanie" nennt! & * tt 111 c t * n -€• Wenäschey. -0- Novelle von N. Lebermann, stud. phii. (Fortsetzung.) Jm Ltlienfeld'schen Hause zu W. war seit einigen Tagen tiefe Trauer eingezogen. Das Haupt

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