Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 93 (30.11.1891)
- Date
- 1891-11-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1741 geistiger Frische das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Bemerkenswerth ist, daß sämmtliche Kinder des Jubelpaares noch leben, ebenso die Enkel und Urenkel, daß also von dieser Familie noch niemand gestorben ist. (Stehe Beilage.) Ttraffbura i. E., 24. Nov. Am 15. November laben die Wahlen von drei Mitgliedern in das isr. Konsistorium des Unter-Elsasses stattgefunden. Die gestern zu Straßburg vorgenommene Zählung der in den verschiedenen Gemeinden abgegebenen Stimmen hat folendes Ergebniß geliefert: Eingeschriebene Wähler 3585, abgegebene Stimmen 2490. Es wurden wiedergewählt die ausgetretenen Mitglieder Bankier Heinrich Cers zu Straßburg, mit 2369 Stimmen, Kaufmann Isidor Nathan zu Straßburg, mit 2356 Stimmen; neugewählt wurden Kaufmann Arthur Moch aus Hagenau, mit 1777 Stimmen, Kaufmann Adler aus Straßburg, erhielt 754 Stimmen. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 17. Nov. Inder heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses kam es zu einem förmlichen Interpellations-Wettrennen. Jede der Parteien reichte ihre eigene Interpellation über die Börsenpanik vom letzten Samstag, ihre Ursachen und ihre strafrechtlichen Folgen ein. Bekanntlich bezeichnet man als Ursache dieser Panik die Mittheilung des „Wiener Tagblatt" (bezw. „Abendblatt") über die angebliche Aeußerung des Kaisers zum Polenführer Abgeord. Jaworski, daß die Lage sehr ernst sei und durch den russischen Nothstand und^ die letzte russische Anleihe momentan besonders verschärft werde. Diese Mittheilung ist offiziell dementirt worden. — Die heutige Abgeordnetenhausdebatte hat übrigens noch einige kleine Episoden gehabt, die hier festgehalten zu werden verdienen. Wo es den Kampf gegen die Presse gilt, sind natürlich die Antisemiten voran, und wir begreifen gerne, daß die „Heiligkeit" dieses Kampfes auch die Mittel heiligt — wenigstens nach Ansicht der antisemitischen Heiligen, die ihn führen. Aber das, was Herr Dr. Lueger bei diesem Anlaß vorbrachte, war doch zu albern, um zu wirken. Herr Dr. Lueger fand den Juden heraus, der hinter der ganzen Sache steckte; es soll dies Niemand anders sein, als der bekannte Baron Hirsch. Diesem soll es darum zu thun sein, Oesterreich in einen Krieg gegen Rußland zu treiben, und zu diesem Zweck soll die Notiz des „Tagblatt" erfunden worden sein. Ein derartiger dreifach unglaublicher Causalnexus, erstens zwischen Hirsch und einem russisch-oesterreichischen Krieg, zweitens Hirsch und der Zeitungsnotiz, drittens der Zeitungsnotiz und dem Krieg, hat nur ein Analogen, und dies ist der linguistische Witz, welcher die Abstammung des deutschen Wortes Fuchs aus den Griechischen alopex ablettet. Frankreich. Paris, 14. November. Der „Figaro" schreibt das starke Fallen der russischen Werthe dem Hause Rothschild und den „Berliner Juden" zu, die sich an der jüngsten russischen Anleihe, die jetzt 3 Procent unter dem Ausgabepreis steht, nicht beteiligen wollten; die „Nordd. Mg. Ztg." bemerkt dagegen, daß Frankreich binnen etwa drei Jahren Mer vier Milliarden an russischen Werthen ausgenommen und daher des Guten etwas zu viel gethan habe. Eine solche Ueberfüllung des Marktes müsse naturgemäß ein Sinken der Werthe Hervorrufen, und weder Rothschild noch die „Berliner Juden" brauchten auch nur den Finger zn rühren, um eine so sehr aus der Natur der Dinge entsprungene Erscheinung zu bewirken, oder auch nur zu fördern. Rußland. Die „Ruffkaja ShiSn" meldet, daß die Weinbauern in Beffarabien jammern: „Gebt unS die Inden zurück!" Infolge der dort für Juden eingeführten Beschränkungen des Wohnsitzrechts habe ihre Zahl beträchtlich ab genommen, zugleich damit hätten aber die Weinbauern ihre besten Kommissionäre verloren; die Preise sanken, weil die Nachfrage so abnahm, von 35—50 und sogar 60 Kop. pro Eimer auf 9—13 Kop. herab. Das Ktschinewsche Landschaftsamt wandte sich dieserhalb an die höchste örtliche Verwaltungsstelle und die Folge davon war, daß über hundert interimistische Aufenthaltsscheine den Juden ausgefertigt wurden. Gleich begannen auch die Preise zu steigen und haben stellenweise schon ihre frühere Höhe wieder erreicht. Wilna, 23. November. Auf eine anonyme Anzeige aus Wien befahl der Gouverneur, daß bei den Juden in dem Städtchen Chmelnik Haussuchungen vorgenommen würden. Es wurden mehrere Photographien des Baron Hirsch mit einer unpassenden Aufschrift in Beschlag genommen, und ist gegen die Besitzer derselben die Untersuchung eingeleitet. Diese ergab jedoch, daß die Bilder von unbekannter Hand in die Häuser geschickt worden waren. England. London, 26. November. Der Abgeordnete Samuel Montagu erklärte gestern in einer Versammlung, daß Lstrl. 100,000 (2 Mill. M.) für die Auswanderung der Juden aus Rußland beisammen wären. Die Hälfte dieser Summe würde die Ausgaben im Jahre 1892 decken. Mit dem jüdischen ComitL in den Ver. Staaten von Amerika sei ein