Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 93 (30.11.1891)
- Date
- 1891-11-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448208--33194-2481075- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1740 Berlin, 23. November. Die Vorstände des „Central-Vereins für Mische Interessen" traten am Donnerstag den 19. d. M. zu einer gemeinschaftlichen Sitzung zusammen. Nach derBegrüßungsrede des Vorsitzenden ergriff Herr Spiefkowski das Wort und entwickelte ein Arbeitsprogramm der Versammlung, um den 18S2er Wahlen ernstlich vorzuarbeiten. Redner will die Thätigkeit der Vereinsvorstände mehr in die Bezirksvereine verlegen, um dem Alles erschlaffend machenden Jndifferentismus entgegenzuwirken. Die Repräsentanten der Minorität, welche aus dem Central- Verein hervorgegangen sind, müßten die Gemeindeangelegenheiten öffentlich besprechen und über Gemeinde - Institutionen Aufklärung geben. Herr Conrad Scheyer gibt der Befürchtung Ausdruck, daß außerhalb der Wahlzeit die Versammlungen zu schwach besucht werden. Auch müßte die Kasse des Vereins wegen der bevorstehenden Wahlcampagne geschont werden. Dagegen wendet der Vorsitzende der 75er Commission ein, daß durch die Aufwendung von Kosten der Verein an Umsang und Einfluß gewinnen werde. Dem gegenüber bedauert Sch eher, daß es hier an geistigen Kräften mangle, welche gewillt wären, an den Vereinsabenden über jüdische oder spezielle Gemeindeangelegenheiten zu referiren. Breslauer empfiehlt aus taktischen Rücksichten die wunden Punkte erst in den letzten Wochen vor den Wahlen zu enthüllen. Dazu soll das Material eifrig gesammelt und gesichtet werden, dann sei an einem Sieg der gerechten Sache nicht zu zweifeln. Nach längerer Berathung beschließt die Versammlung vorläufig von der Abhaltung von Bezirks-Versammlungen Abstand zu nehmen. Dagegen soll in den ersten Tagen des Dezember eine öffentliche Versammlung des gesammten Vereins abgehalten werden, für welche Herr Karl Emil Franzos den Vortrag über „die russischen Juden" übernommen hat. Die Wahl dieses Thema wird von einigen Rednern beanstandet, da ein Verein für die Interessen der jüdischen Gemeinde B erlin sich nicht mit auswärtigen Angelegenheiten zu befassen hat. Zu dem vom Dir. Reich in Aussicht gestellten Thema über „Erziehung und Ausbildung der jüdischen Taubstummen" bemerkt der Herr DocentDr. Jastrowitz, daß es wünschenswert zu ermitteln, warum unter den Juden ein höherer Pro entsatz für Taubstummen vorkomme. Fügen wir als Resums der Verhandlung hinzu, daß wieder einmal der herrschenden Majorität in Erinnerung gebracht wurde an eine gerechte Vertheilung des obrigkeitlichen Wohlwollens zu denken. Diesbezüglich ist seit den letzten Wahlen nichts besser geworden. Der religionsgesctzlich streng verbotene gemischte Chor hat seinen Einzug in die Synagoge, Lindenftraße, gehalten, anderseits unterbleibt eine Berücksichtigung der Institutionen, um derentwillen für die Strenggläubigen eine Gemeinde erforderlich ist. Dieser „wunde Punkt" blieb in der Versammlung des jCentral-Vereins-Vorstandes ganz unberücksichtigt. Will der Central-Verein sich dauernde Verdienste um den Frieden in der Gesammtgemeinde erwerben, so hat erden Grundsatz der Parität nicht nur an seine Fahne zu schreiben, sondern muß stets und ständig dafür einstehen. Wir wollen hoffen, daß derselbe seinen ursprünglichen Standpunkt, unter dessen Wahrzeichen er einmal gesiegt hat, nicht verleugnen wird. A. Groß-Wartenberg i. Schl., 27. November. Bei der gestern hier stattgefundenen Stadtverordneten-Wahl wurde der Präses der hiesigen Gemeinde, der Kaufmann Herr Moritz Ucko von der 1. Abtheilung einstimmig von allen Confessio nen wiedergewählt. Düsseldorf, 21. November. Erst unlängst theilten wir mit, daß in hiesigen antisemitischen Kreisen, die freilich von sehr geringer Bedeutung und Ausdehnung sind, die Gründung eines antisemitischen Vereins geplant sei, der zunächst den wirthschaftlichen und kommerziellen Boykott unserer israelitischen Mitbürger bezwecke. Wir nahmen Veranlassung, gegen das Jnslebentreten einer moralisch und politisch verwerflichen Vereinsbewegung mit Nachdruck zu protestiren und dürfen mit Genugthuung sestftellen, daß die öffentliche Meinung durchaus aus unserer Seite steht. Dennoch wollen die wenigen hiesigen Antisemiten ihr Spiel noch nicht verloren geben und man trägt fich mit dem Gedanken, einen der antisemitischen Hauptredner sich aus dem Hauptquartiere des Antisemitismus zu verschreiben. Der bekannte Herr Liebermann soll zum Reisepredtger im vorliegenden Falle auhersehen sein, doch glauben wir schon heute, dem Herrn und seinen Anhängern schlechte Geschäfte prophezeien zu dürfen, da, wie wir schon ausführten, Düsseldorf kein Feld für Raffen-, Massen- und Klassenverhetzung ist. Wie bisher, so wollen auch in Zukunft die hier vertretenen Konfessionen friedlich neben einander leben, und für eine wirthschastliche Hetze gegen den Theil unserer Mitbürger, der lediglich das Unglück hat, einem Böckel und einem Liebermann zu mißfallen, wird die aufgeklärte Düsseldorfer Bevölkerung ganz gewiß nicht zu haben sein. Sowohl die Begründung eines Antisemitenvereins, als das geplante Auftreten antisemitischer Hetzapostel ist in Düsseldorf von vorneherein als verfehlt zu bezeichnen. (Düss. Zig.) Offenburg, 25. November. Am 26. ds. feiern hier die Eheleute Samuel Bloch sen., in voller